Stadtrat Zweibrücken Neuer, aber (fast) altbekannter Grundschul-Name

Update | Zweibrücken · In der jüngsten Zweibrücker Stadtrats-Sitzung gab es nur bei einem einzigen Tagesordnungspunkt (vergessene Straßenbeleuchtung in einem Neubaugebiet) eine Gegenstimme und Enthaltungen. Kurios: Die Grundschule in Ixheim hat künftig einen Rechtschreibfehler im Namen.

Grundschule-Namensgeber und Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955) ist für Werke wie „Der Zauberberg“ und „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ berühmt.

Grundschule-Namensgeber und Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955) ist für Werke wie „Der Zauberberg“ und „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ berühmt.

Foto: dpa/-

Nach der Resolution gegen die geplante Schließung des Tadano-Werks Wallerscheid (wir berichteten) hat der Stadtrat noch einige weitere Beschlüsse gefasst.

Die Grundschule in Ixheim erhält einen neuen Namen. Dieser allerdings wird für kein großes Aufsehen sorgen – denn seit Jahrzehnten schon ist die Lehranstalt als „Thomas-Mann-Schule Ixheim“ bekannt. Die Schulleiterin jedoch bat die Stadtverwaltung Ende März um eine Namensänderung. Denn offiziell heiße die Schule „Grundschule Zweibrücken-Ixheim“. Aber überall werde sie Thomas-Mann-Schule genannt. Der Stadtrat hat deshalb einstimmig beschlossen, dem Wunsch der Schule entsprechend sie umzubenennen in „Grundschule Zweibrücken Thomas-Mann“.

Eine Merkur-Nachfrage bei der Stadtverwaltung ergab, dass es sich bei der ungewöhnlichen Schreibweise „Thomas-Mann“ um keinen Tippfehler in der Sitzungsvorlage handelte (wie der Merkur vermutete) – der orthographisch falsche Bindestrich zwischen Vor- und Nachname des berühmten deutschen Literaten ist also Absicht.

Die erste Antwort-Mail der Stadt kam schnell, warf aber eine neue Frage auf: „Es war der Wunsch der Schulgemeinschaft in Abstimmung mit den Vorgaben der ADD. Wir haben immer von der Thomas-Mann-Schule gesprochen.“ Irritiert hakte der Merkur bei der Stadt nach: Macht die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (unter anderem für die Schulaufsicht zuständige Landesbehörde) wirklich rechtschreibwidrige Namens-Vorgaben? Wenn ja, wie ist diese Vorgabe begründet?

Sieben Tage später kam die Antwort – wobei die Stadtverwaltung nicht selbst antwortete, obwohl sie laut rheinland-pfälzischem Schulgesetz für Schul-Namensgebungen zuständig ist (daher musste auch der Rat beschließen), sondern einfach eine „Stellungnahme der Grundschule“ weiterleitete. Darin heißt es: „Die Schreibweise des Schulnamens „Grundschule Zweibrücken Thomas-Mann“ orientiert sich an der Benennung von Schulen in Rheinland-Pfalz. Alle Schulbezeichnungen folgen dem gleichen Aufbau: Schulart – Schulort – Name / Stadtteil. Hierbei ist es immer so, dass der Name, wenn er aus mehreren Teilen besteht, mit Bindestrich geschrieben wird. Also: Grundschule Zweibrücken Thomas-Mann. Im täglichen Sprachgebrauch werden die Schulen dann Thomas-Mann-Schule, Albert-Schweitzer-Schule, … bezeichnet.“

Beruht also der Rechtschreibfehler „Grundschule Zweibrücken Thomas-Mann“ statt „Grundschule Zweibrücken Thomas Mann“ tatsächlich auf ADD-Vorgaben? Der Merkur fragte bei der Landesbehörde nach. Die wies den Schwarzen Peter zurück: „Gemäß § 91 Abs. 5 S. 2 Schulgesetz verleiht der Schulträger jeder Schule eine Bezeichnung, in der die Schulart und die Schulsitzgemeinde anzugeben sind. In die Bezeichnung kann ein Zusatz, insbesondere ein Name, aufgenommen werden.“

Das Gesetz macht also keinerlei Vorgabe, dass in solchen Fällen Vor- und Nachname rechtschreibwidrig gekoppelt werden müssen.

Allerdings hat die ADD kein Problem mit „Grundschule Ixheim Thomas-Mann“, obwohl sie die Merkur-Einschätzung für „nachvollziehbar“ hält, dass die Rechtschreibregeln hier keinen Bindestrich erlaubt (anders übrigens als bei Thomas-Mann-Schule, denn bei vorangestellten Namen ist mit Bindestrichen durchzukoppeln). Die ADD zitiert zur Begründung eine „Vorbemerkung“ aus dem Bindestrich-Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung: „Die Schreibung mit Bindestrich bei Eigennamen entspricht nicht immer den folgenden Regeln, so dass nur allgemeine Hinweise gegeben werden können. Zusammensetzungen aus Eigennamen und Substantiv zur Benennung von Schulen, Universitäten, Betrieben, Firmen und ähnlichen Institutionen werden so geschrieben, wie sie amtlich festgelegt sind.“ Die ADD-Stellungnahme schließt: „Somit kann sich jede Institution ihren Namen so geben, wie sie es möchte.“

Auf die Merkur-Frage, ob es keine Bedenken gibt, ausgerechnet bei Schulen Schreibweisen vorzugeben, die Schülern als Fehler angestrichen würden, reagierten weder Stadt noch ADD.

Die Stadt Zweibrücken ist dank vier attraktiver Trauzimmer (Rathaus, der ebenfalls barocke Herzogssaal, Rosengarten und Fasanerie) bereits ein beliebter Hochzeits-Standort. Wo die Stadtverwaltung noch eine Angebotslücke sah, ist ein Trauzimmer „im mittleren Raumgrößensegment“. Deshalb wird künftig ein fünftes Trauzimmer angeboten: der Wintergarten der Festhalle. Die Wintergarten-Miete allerdings beträgt normalerweise netto 300 Euro (für sieben Stunden). Das wäre natürlich zu viel für eine durchschnittlich nur halbstündige Trauung, erläuterte Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD). Der Stadtrat billigte einstimmig seinen Vorschlag, die Miete für die Trauungszeremonie auf 100 Euro netto zu senken. Wer direkt anschließend auch dort feiert, muss natürlich weiterhin 300 Euro zahlen.

Ebenfalls einstimmig erlaubte der Rat, dass die Stadt eine Spende über 370 Euro von der DT (Deutsche Stiftungstreuhand AG) für die Herzog-Christian-Musikschule annimmt.

Genehmigt hat der Stadtrat drei im laufenden Haushalt noch nicht vorgesehene Ausgaben. Für den Kunstrasenplatz Ixheim konnte die Firma die Schlussrechnung erst 2024 erstellen, das (nicht erhöhte) Geld dafür stand aber im Haushalt 2023. Auf Frage von FWG-Fraktionschef Kurt Dettweiler, ob es noch Drainage-Probleme gibt (die Platz-Eröffnung war deshalb buchstäblich ins Wasser gefallen, wir berichteten), kündigte OB Wosnitza einen Vor-Ort-Termin mit dem Bauausschuss an (der zwischenzeitlich stattgefunden hat, wir berichteten) und ergänzte mit Blick auf das bundesweit bespöttelte Ludwigspark-Desaster: „Die Baumaßnahme ist abgeschlossen, mehr sage ich nicht – in Saarbrücken hieß es auch mal, die Rasensanierung sei abgeschlossen ... .“

Nachdem angesichts der knappen Kassen Zweibrückens der Ausbau der Zeilbäumer Straße von 2024 auf 2025 verschoben worden war, waren im Haushalt 2024 nur 15 000 Euro angesetzt. Doch damit 2025 die Bagger rollen können, müssen im Vorfeld Bodenuntersuchungen durchgeführt und die Ausbauplanung erstellt werden – dafür werden nun gut 95 000 Euro benötigt.

Die einzige Gegenstimme des Abends (Dirk Schneider, Bürgernah) sowie die einzigen Enthaltungen (Kurt Dettweiler und Ulrich Schüler, beide FWG) gab es wegen der im Vertrag mit dem Erschließungsträger für das Baugebiet „Neues Wohnen Jacobystraße“ vergessenen Straßenbeleuchtung (17 000 Euro Mehrkosten, wir berichteten über die kritische Hauptausschuss-Debatte).

Zudem hat der Stadtrat mehrere Aufträge vergeben.

Für den gerade schon erwähnten Teilausbau der Zeilbäumer Straße erhält das Ingenieurbüro Thiele Objektplanung als günstigster Bieter (rund 91 000 Euro) den Auftrag für Planung und Bauüberwachung. Thorsten Gries (SPD) fragte, ob mit oder ohne Radweg nach Mörsbach geplant werde. Der stellvertretende UBZ-Chef Steffen Mannschatz antwortete: „Wenn der Stadtrat sagt, wir sollen einen Radstreifen einplanen, machen wir das.“ OB Wosnitza erklärte, ein Radstreifen dort sei verkehrstechnisch „eine Herausforderung“, die noch geprüft werde: „Wenn, ist nur ein markierter Fahrradstreifen möglich, kein Radweg.“

Die Dachbegrünung der neuen Werkhalle der Feuerwehr übernimmt für gut 85 000 Euro (fast halb so günstig wie der teuerste Bieter) die Flor-Design aus Freiburg.

Der Trockenbauarbeiten-Auftrag für die Deckensanierung der Albert-Schweitzer-Grundschule in Ernstweiler geht für 146 000 Euro an „SB System Bau“ aus Rhodt unter Rietburg, das ist 30 Prozent günstiger als von der Stadt geschätzt. Bauamtsleiter Christian Michels beruhigte auf Nachfrage von Rolf Franzen (CDU), bei den Deckenarbeiten könne nichts auf die Schüler fallen: „Es gibt mehrere Bauabschnitte, das ist mit der Schule schon abgesprochen, Umzüge sind geregelt.“

Jährlich öffentlich informieren muss die Stadtverwaltung, welche nicht selbstverständlichen Verträge die Stadt oder Stadt-Töchter mit Rats- und Ausschussmitgliedern sowie städtischen Bediensteten abgeschlossen hat. 2023 war das nur einmal der Fall: Ein Gewobau-Auftrag über 49 000 Euro für Bau- und Tischlerarbeiten ging an den Betrieb von Ratsmitglied Thomas Eckerlein (CDU).

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