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Notfall: Neues System für bessere Versorgung von Notfällen

Notfall : Neues System für bessere Versorgung von Notfällen

Bei der Notaufnahme kommt es vor allem auf die richtige Entscheidung an, welcher Notfall am dringendsten ist. Durch das im Juli im Nardini-Klinikum eingeführte so genannte Manchester-Triage-System sind die Abläufe nun noch besser strukturiert.

„Jetzt ist gewährleistet, dass die Patienten nach Dringlichkeit schneller an die Reihe kommen“, berichtet Dr. Sandra Lick, die in Zweibrücken den nun eigenständigen Fachbereich leitet. Durch das neue System sei sichergestellt, dass kritisch Kranke nicht unnötig lange waren müssen. Manchester Triage sei ein international anerkanntes System zur Ersteinschätzung der medizinischen Behandlungsdringlichkeit. Es sei in England entwickelt worden, um die Wartezeiten in der Notaufnahme zu steuern. Völlig klar, lebensbedrohliche Erkrankungen gehen vor. Nach dem Eintreffen des Patienten ordnen speziell geschulte und erfahrene Pflegekräfte standardisiert und systematisch anhand der geschilderten Symptome des Patienten dessen Erkrankungs- oder Verletzungsschwere einer Kategorie zu. In fünf Stufen wird die Wartezeit bis zum ersten Arztkontakt eingeteilt. Befunde oder Messwerte werden eingeschätzt und von dringlich zu weniger dringlich sortiert. „Der Patient wird dann in die Stufe 1 (rot) bis Stufe 5 (blau) eingestuft“, sagt Vanessa Weber, leitende Pflegekraft in der Notfallaufnahme. Somit sei die Zeit festgelegt, in der ein Arzt den Patienten erstmals sehen soll. Dies sei zunächst nur eine Sortierung. Tatsächlich könne es aber bei sehr hohem Patientenaufkommen zum Überschreiten der Fristen kommen. „Neben den technischen Voraussetzungen fand auch eine umfassende spezielle Schulung der Ärzte und der Mitarbeiter zu dem System statt“, betont Detlev Christiansen, der ärztliche Direktor des Klinikums. Die Notaufnahme in Zweibrücken sei mit zwei Ärzten und vier Pflegefachkräften besetzt. Die Anordnung des Baues mit kurzen Wegen ermögliche eine optimale Versorgung der Patienten. Am Tag werden in Zweibrücken nach Angaben von Lick über 60 Notfälle behandelt. Immer mehr davon könnten aber gut auch hausärztlich versorgt werden, bestätigt Christiansen eine Entwicklung in Deutschland, die den Krankenhäusern zu schaffen macht. Grund hierfür seien zum Teil extrem lange Wartezeiten auf Termine bei niedergelassenen Fachärzten. Er hofft, dass im kommenden Jahr hier ein neues Konzept für einer Verbesserung sorgt.