Neuer Wirbel im Staub-Streit

Man wolle „unmittelbare Gespräche“ und keine „Kommunikation mit offenen Briefen“: So echauffiert sich die Firma Terrag darüber, dass die Bürgerinitiative Mörsbach Forderungen nach weiteren Messungen im Pfälzischen Merkur aufgestellt hatte.

Die Unstimmigkeiten zwischen der Bürgerinitiative Mörsbach (BI) und der Firma Terrag gehen weiter. Terrag, die auf dem Deponiegelände eine Konditionierungsanlage betreibt um Stäube aus Verbrennungsanlagen mit Wasser zu binden, möchte bald auch sogenannte "gefährliche Stäube" verarbeiten. Zwar kam das Unternehmen der BI entgegen und baute nach BI-Kritik im vergangenen Jahr auf freiwilliger Basis für rund 100 000 Euro noch eine Spezialschleuse ein, die laut Terrag-Sprecher Hubert Immesberger dieser Tage in die Probephase gehen und Ende Januar offiziell in Betrieb genommen werden soll (wir berichteten). Gestern sollten die letzten Verkleidungen angebracht werden, die Installation der Rolltore habe begonnen und solle bis Ende der Woche erledigt sein. Nächste Woche würden die elektrischen Anschlüsse verlegt, dann Probeläufe geplant, so Immesberger. Die BI indes erhoffte sich aber mehr: Nicht nur, dass durch die Schleuse in keinem Fall Stäube weggeweht werden sollen. Auch möchte sie, dass Terrag an den Kompaktfiltern der Konditionierungsanlage misst, wie hoch die Konzentration von Dioxinen und Furanen in den angelieferten Stäuben ist. Diesen Wunsch hatte BI-Vorsitzender Denis Nizard kurz vor Weihnachten im Merkur geäußert. Ein Vorgehen, das nun wiederum die Terrag-Verantwortlichen angesäuert reagieren lässt. Immesberger: "Mit einiger Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis, dass Dennis Nizard als Sprecher der BI jetzt wieder die Kommunikation über die Medien mit Terrag sucht. Der gleiche Dennis Nizard hat vor einem halben Jahr mitgeteilt, dass man die Gespräche mit Terrag abbricht. Wir haben das damals nicht verstanden. Denn wir hätten die Informationsgespräche gerne fortgesetzt. Deshalb fehlt uns auch jegliches Verständnis für die Vorgehensweise der BI unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel einen Wunsch zu weiterführenden Messungen über die Presse zu lancieren." Terrag setze auf "unmittelbare Gespräche" und nicht auf eine "Kommunikation mit ‚offenen Briefen'". Immesberger betont, dass es nach den Kommunalwahlen mehrere Gesprächsangebote und Einladungen an den neu gewählten Ortsrat und die neue Mörsbacher Ortsvorsteherin Susanne Murer ohne Reaktion geblieben seien. Murer stellte das gestern auf Merkur-Anfrage anders dar. Zwar habe es im Juli einen Brief gegeben, aber daraufhin habe sie der Terrag-Sekretärin mitgeteilt, dass noch Gesprächsbedarf bestünde. "Ich habe die Position als Ortsvorsteherin zu der Zeit gerade übernommen, es war Ferienzeit, das war alles zu viel", erklärt Murer ihr Verhalten. Auch sei es schwer gewesen, mit dem ganzen Ortsbeirat einen gemeinsamen Termin zu finden. "Die Dringlichkeit war auch nicht so da", räumt Murer ein, die aber nach Fertigstellung der Schleuse mit Terrag einen Besichtigungstermin ausmachen will.

Inhaltlich argumentiert Immesberger wie folgt: "Furane und Dioxine kommen nachweislich weder in den aktuell noch in zukünftig zu verarbeitenden Stoffen in nennenswerten Konzentrationen vor. Deshalb können diese Verbindungen verständlicherweise auch nicht emittiert werden. Eine Messung wäre somit völlig sinnlos." Das hatte auch der Deponiebetreiber UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken ) der BI zuvor mitgeteilt. Immesberger erinnert auch daran, dass die Staubemission im August 2014 mit bei drei Prozent des zulässigen Grenzwertes gelegen habe, was rund drei Gramm Staub pro Tag entspreche. Immesberger: "Zum Vergleich: ein einziger Holzofen älteren Datums produziert zehnmal mehr, nämlich bis zu 30 Gramm Staub pro Tag. Und selbst Neugeräte kommen noch auf den doppelten Wert der Konditionierungsanlage, nämlich auf rund sechs Gramm pro Tag."