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Neuer Oberlandesgerichts-Präsident will Zweibrücken zu Fuß erkunden

Neuer Oberlandesgerichts-Präsident will Zweibrücken zu Fuß erkunden

Zweibrücken. Seinen Schreibtisch in der Belle Etage des Zweibrücker Schlosses hat Willi Kestel noch nicht eingeräumt. Schließlich arbeitete er bis gestern in Mainz und stand dort als Landgerichtspräsident allein 33 Richtern vor

Zweibrücken. Seinen Schreibtisch in der Belle Etage des Zweibrücker Schlosses hat Willi Kestel noch nicht eingeräumt. Schließlich arbeitete er bis gestern in Mainz und stand dort als Landgerichtspräsident allein 33 Richtern vor. "Im Zweibrücker Schloss sind es sogar ein paar weniger", sagt Kestel, der heute um 14 Uhr als neuer Präsident des Pfälzischen Oberlandesgerichts (OLG) ins Amt eingeführt wird. Da hat der neue OLG-Chef allerdings ein wenig untertrieben. Denn als Präsident des höchsten Zivil- und Strafgerichts der Pfalz hat er nicht nur die Dienstaufsicht über die 31 Richter am Oberlandesgericht, sondern ist der oberste Dienstherr von 268 Richtern in der ganzen Pfalz und den insgesamt rund 1900 Mitarbeitern an den pfälzischen Gerichten. Mit Personalführung im großen Stil hat Kestel über ein Jahrzehnt Erfahrung. Vor seiner Zeit in Mainz war er von 1995 bis 2005 Landgerichts-Präsident in Kaiserslautern und von 1993 bis 1995 Richter am Zweibrücker Oberlandesgericht, wo er auch als Personalreferent eingesetzt und damit für alle Mitarbeiter der ordentlichen Gerichte in der Pfalz zuständig war.Verantwortung zu übernehmen für die rund 1900 Mitarbeiter in den pfälzischen Straf- und Zivilgerichten und die rund eineinhalb Millionen Menschen, die im Zweibrücker Oberlandesgerichts-Bezirk leben ist es denn auch, was Willi Kestel an seiner neuen Tätigkeit reizt und ihn dazu bewogen hat, sich um das höchste Richteramt der Pfalz zu bewerben. Der 57-Jährige freut sich aber ebenfalls darauf, als Oberlandesgerichts-Präsident die Rechtspolitik in Rheinland-Pfalz begleiten zu können. Dabei möchte der parteilose Kestel sein politisches Engagement aber auch belassen. Allerdings hat er bereits angekündigt, sich als Oberlandesgerichts-Präsident ins öffentliche Leben der Stadt einzubringen. In welcher Form, weiß er noch nicht. "Ich muss hier erst mal Fuß fassen", sagt er. Auf jeden Fall aber will der Wanderfreund mit seiner Frau Zweibrücken und das Zweibrücker Land zu Fuß erkunden. Und auch den Zweibrückern weiterhin ihr Schloss für Ausstellungen, Konzerte und sonstige Veranstaltungen offenhalten. "Hier hat Walter Dury einen sehr guten Weg eingeschlagen", findet der neue Schlossherr, dem Dury heute den Schlüssel für den Justizpalast überlässt. Auch sonst will sich der neue Oberlandesgerichts-Präsident an seinem Vorgänger orientieren. Zwar habe jeder seine eigene Handschrift, seine eigene Art, wie er so eine Justizbehörde leitet. Aber Walter Dury habe ihm ein gut geführtes Haus überlassen. Deshalb hält es Kestel auch für wenig sinnvoll, Strukturen umzukrempeln. "Langweilig wird's trotzdem nicht", sagt der neue OLG-Präsident voraus. Bei der Flut an neuen Gesetzen und der rasanten technischen Entwicklung, mit denen die Gerichte Schritt halten müssen, bleibe mehr als genug zu tun.