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Neuer Forschungs-Hochschulbau geplant

Neuer Forschungs-Hochschulbau geplant

Der in Zweibrücken lebende Minister Konrad Wolf bewertet den Antrag für ein weiteres neues Gebäude auf dem Kreuzberg als „Riesenerfolg“. Aktuell wird eine Machbarkeits- studie erstellt.

Der Zweibrücker Campus der Hochschule Kaiserslautern soll nicht nur zügig einen neuen Reinraum bekommen, für den der LBB (Landesbaubetrieb) aktuell die Planung erstellt, die für den nächsten Landeshaushalt angemeldet wird (wir berichteten). Auch ein weiteres Forschungsgebäude soll dort entstehen, wenngleich das noch mindestens bis 2019 dauern dürfte. Das erklärte der frühere Hochschulpräsident und jetzige rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) gestern im Merkur-Redaktionsgespräch.

Dass man überhaupt plane, einen Forschungsbauantrag zu stellen, sei bereits ein großer Erfolg für den Hochschulstandort, so der Wissenschaftsminister. Letztlich müsse man aber das Ergebnis des wissenschaftsgeleiteten Wettbewerbsverfahrens abwarten. Hier hat der Wissenschaftsrat das Sagen. Bis zur möglichen Realisierung des Baus selbst dauere es im Erfolgsfall aber noch einige Jahre. Aktuell werde eine Machbarkeitsstudie erstellt. In dem Bau, für den laut Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD) etwa 36 Millionen Euro veranschlagt sind, sollen gemeinsame Fragestellungen aus den Bereichen Medizin, Humanbiologie, Zelltechnologien und Ingenieurwissenschaften beantwortet werden. Dass sich in den vergangenen fünf bis zehn Jahren ein solcher Forschungsschwerpunkt in Zweibrücken gebildet habe und entsprechende Professoren in die Rosenstadt berufen wurden, bewertet Wolf als einen "Riesenerfolg" und als die Grundlage für die geplante Antragsstellung. Die Mittel der Forschungsinitiative des Landes hätten sich ausgezahlt. Eine Finanzierung durch Bund und Land werde angestrebt.

Dieser Bau habe nichts zu tun mit einem angedachten Wissenschafts- oder Technologiezentrum am Campus, stellte Wolf klar. Planungen dafür lägen bei der Stadt und seien im Zuge der Stadt-Umland-Initiative gediehen. "Man muss sehen, ob aus den Ideen ein Konzept wird", so der Minister, der auf bestehende Ansiedlungen wie ThinXXS Microtechnology oder Dr. Lauterbach & Partner verweist. Diese Firmen profitierten von der Kooperation mit der Hochschule, Studenten könnten dort während ihres Studiums jobben oder Abschlussarbeit schreiben. 90 Prozent der Arbeiten würden in Firmen in und um Zweibrücken geschrieben. Studenten fänden oftmals eine Anstellung in diesen Firmen. Das gebe den jungen Menschen neue Lebensperspektiven und komme den kleineren Unternehmen entgegen: Um sich weiterzuentwickeln, bräuchten diese Fachkräfte, die sich nicht so leicht von außen anwerben ließen.

Um junge Leute zu locken und zu halten, seien noch andere Aspekte wichtig. Die Erneuerung der Hauptstraße, die "Stadt am Wasser" oder attraktive Geschäfte führte Wolf hier an. Hotspots in der Fußgängerzone hingegen nicht. Solche Internetzugangspunkte seien zwar schön, aber kein Muss für die Entwicklung einer Stadt. "Wie schafft man den Übergang vom studentischen Leben zum Berufs- und nachfolgenden Leben?" bleibe eine zentrale Frage. Gerade für junge Familien müsse die Stadt attraktiv sein: "Das ist eine Daueraufgabe. Man muss ehrlich sagen, eine Lösung ist in dem Punkt noch nie gefunden worden", so Wolf, der nicht nur Zweibrücken oder Kaiserslautern sondern auch Regensburg meint, wo er von 1990 bis 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter war und promovierte. Er streitet nicht ab, dass man Zweibrücken beim Gang durch die Fußgängerzone nicht für eine Studentenstadt hält: "Ich würde es aber nicht so hart ausdrücken." Hochschulen seien in ihrer jeweiligen Region stark nachgefragt. Die 2800 Studenten am Zweibrücker Campus kämen zu je etwa 40 Prozent aus West- und Saarpfalz, der übrige Teil von außerhalb. Die meisten pendelten, betont Wolf, sie seien in der Region, "laufen aber nicht unbedingt durch die Hauptstraße". Ihn selbst kann man indes weiter dort ausmachen. Nach seinem Wechsel vom Hochschulchef ins Ministeramt nach Mainz wohnt er weiter in der Rosenstadt. Die Berufung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Mai habe ihn überrascht. "Einige Monate und Wochen vor der Wahl war vieles nicht absehbar", räumt Wolf ein. Seine Arbeit habe er nicht darauf ausgerichtet, Minister zu werden, sich aber auch zuvor für Themen der Landespolitik engagiert. "Für Wissenschaft und Forschung habe ich immer gebrannt und auch Kultur ist ein Feld, das mich sehr interessiert." Man habe dort wie im Hochschulsektor mit vielen kreativen Kräften zu tun.

Der größte Unterschied zwischen altem und neuem Job in Sachen Hochschulwesen sei der erweiterte Fokus. Jetzt gehe er die Themen für das ganze Land an und habe nicht mehr bloß eine einzelne Einrichtung - und sei es mit drei Standorten wie bei der Kaiserslauterer Hochschule - im Blick. "Die größte Herausforderung ist das Austarieren. Das ist eine tolle Erfahrung!" Bei der Kultur hingegen gelte es ein Gleichgewicht zu halten zwischen Entwicklung in den Städten und auf dem Land.

Zum Thema:

Zur Person Konrad Wolf ist 55. Er wuchs in Schönach (Landkreis Regensburg) auf, schloss die Realschule ab. Dann absolvierte er das Fachabitur, studierte ab 1984 Physik an der Universität Regensburg und promovierte dort 1994 auf dem Gebiet der Festkörperphysik. Ab 2001 war er als Professor in Zweibrücken tätig, von 2009 bis Mai 2016 als Präsident der Hochschule Kaiserslautern. Im Mai 2016 wurde Wolf zum Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur in Rheinland-Pfalz berufen.