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Neue Stolpersteine in der Karlstraße Zweibrücken

Holocaust-Gedenken : Neue Stolpersteine erinnern an Zweibrücker Juden

Millionen Menschen wurden während der Nazi-Zeit ermordet. Mit seiner Aktion Stolperstein erinnert der Künstler Gunter Demnig an diese Menschen – an ihren letzten Wohnorten.

„Das ist ein kleiner Puzzlestein in der Aufarbeitung unserer Geschichte“, erklärte Oberbürgermeister Marold Wosnitza am Dienstag bei der kleinen Feierandacht. Der Grund für diese Zusammenkunft mit etwa 40 Gäste war das Anbringen weiterer Stolpersteine. Nicht, die Zeit ruhen zu lassen, sei seiner Meinung nach wichtig, sondern „genau das Gegenteil ist notwendig. Weiter Gedenken heißt weiter aufarbeiten“, sagte der Oberbürgermeister. Nachdem die Rosenstadt bereits im vorigen Jahr zehn Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in der Wallstraße 44 gesetzt hatte und 2012 einen in der Alten Steinhauser Straße, sind am Dienstag noch drei weitere hinzugekommen. In der Karlstraße 17 für Otto Escales und in der Mühlstraße 1 für Emil und Chana Dellheim.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinem europaweiten Kunstprojekt an die Opfer der NS-Zeit mit Gedenktafeln aus Messing auf dem Gehweg. Die Patenschaft für die Steine wird jeweils von Bürgern übernommen, wie in diesem Fall von den Zweibrücker Brüdern Gerhard und Rainer Schanne für Otto Escales und Jean Maurice Pigeon, der heute in Kanada lebt, für Emil und Chana Dellheim.

Inzwischen liegen etwa 77 000 Stolpersteine und Stolperschwellen in 1265 Kommunen in 21 Ländern Europas. Charlotte Glück, Leiterin des Stadtarchivs, erzählte den Gästen die Familiengeschichten der drei Zweibrücker, an die mit den Stolpersteinen erinnert werden soll. Etwa, dass Otto Escales nach einer Zeit mit viel Ansehen und Vermögen völlig verarmt sterben musste und später auf dem jüdischen Friedhof in Zweibrücken beigesetzt wurde. „Wir verlegen die Stolpersteine immer vor dem letzten Wohnort der Verstorbenen“, erklärte sie außerdem die Lage der Stolpersteine.

Jürgen Neumann vom evangelischen Kirchenbezirk wies die Gäste in seinem Grußwort auf die Infotafel hin, die über die Stolpersteine informiert. Auf der seien genau zwei Worte so wichtig für ihn: „Niemand löscht“, heißt es darauf. „Auch heute versucht kein Mensch zu löschen“, sagte Neumann. Dabei ging es ihm aber keinesfalls um ein Vergessen oder nicht Aufarbeiten sondern um eine andere traurige Tatsache: „Es ist kaum zu ertragen, wie sich Rassismus auch heute wieder steigert. Ich bin froh, dass es so viele Menschen gibt, die sich trauen, auf die Straße zu gehen. Diese Steine sind auch ein Zeichen für das Feuer, das heute noch lodert.“