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Neue Kita an Gabelsbergerstraße öffnet nicht vor Spätsommer 2021

Zweibrücker Kindertagesstättenplan : Fachkräfte für Kitas werden knapp

Nächstes Jahr werden in Zweibrücken 111 neue Kindertagesstätten-Plätze geschaffen. Der große Neubau an der Gabelsbergerstraße wird aber frühestens nach den Sommerferien eröffnen.

Einstimmig hat der städtische Jugendhilfeausschuss den überarbeiteten „Kindertagesstätten-Bedarfsplan 2020 - 2021“ verabschiedet. Dies geschah diskussionslos, obwohl das Jugendamt im Kapitel „Einblick und Ausblick“ eine Reihe von Herausforderungen für die Zweibrücker Kitas erwähnt hat.

So werde es immer schwieriger, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher für die Kitas zu finden. Durch den Ausbau von Ganztagsbetreuung und Betreuung Unter-Dreijähriger wächst der Personalbedarf schon seit einigen Jahren. Diese Situation verschärft sich weiter. Das Jugendamt schreibt: „Die Gewinnung von Fachkräften nach der Fachkräfteverordnung ist jetzt schon schwierig, da der ,Markt leergefegt’ ist. Ein weiterer Bedarf ist kaum noch zu decken.“

Diese Warnung begründet das Jugendamt mit mehreren Faktoren. So würden in den Kitas zusätzliche Fachkräfte für „die Sprachförderung und Integration von Kindern mit Migrationshintergrund“ benötigt. Die Betreuung von Kindern „mit (drohender) seelischer Behinderung“ werde „zunehmend eine Herausforderung für Einrichtungen und Träger“. Immer anspruchsvoller werde für die Kitas auch die Arbeit mit Eltern: „Neben ,Helikoptereltern’ haben die Einrichtungen mit Eltern aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu tun – mit unterschiedlichen Erziehungsmethoden, mit Sprachbarrieren und Rollenbildern.“

Hinzu komme ab 2025 noch der Rechtsanspruch auf eine Nachmittagsbetreuung in Grundschulen.

Derzeit gibt es in den Zweibrücker Kitas (elf protestantische, sieben städtische, eine katholische) 1417 Plätze (inklusive 126 Betreuungs-Plätze für Schulkinder).

Allein im Laufe des Jahr 2021 werden in Zweibrücken 111 neue Kita-Plätze geschaffen, ist dem Plan zu entnehmen (63 für Drei- bis Sechsjährige und 48 für Unter-Dreijährige). „Wir haben einiges vor an Maßnahmen“, sagte Jugendamtsleiter Jörg Klein. Wobei Zweibrücken im Gegensatz zu etlichen anderen Kommunen keine Probleme mit ungeeigneten Räumlichkeiten habe, sodass keine Kita in Gefahr sei und perspektivisch auch keine größeren Umbauten erforderlich seien.

Im Einzelnen geplant sind: Bezug der Städtischen Kita an der Gabelsbergerstraße mit 80 Plätzen (wegen der dortigen Bauverzögerung wird in der Städtischen Kita „Abenteuerland“ die Genehmigung der provisorischen Gruppe mit 20 Kindern bis Ende Juni verlängert)  – Ausbau des Lützelhauses für zwei weitere Gruppen der Protestantischen Integrativen Kita – fünf weitere Plätze für Drei- bis Sechsjährige in der Protestantischen Kita Papperlapapp – vier weitere Plätze für Zweijährige im Evangelischen Kindergarten Meisenstraße – jeweils sechs weitere Plätze für Zweijährige in den drei Evangelischen Kitas Am Silberberg, Schatzkiste und Röntgenstraße“. Außerdem wird die Spiel- und Lernstube Sickingerhöhstraße in die Canadasiedlung verlegt.

Wann eröffnet die neue Kita an der Gabelsbergerstraße? Auf diese Merkur-Anfrage antwortete der kommissarische Stadtsprecher Thilo Huble am Mittwoch auf Merkur-Anfrage: „Dies ist abhängig vom Baufortschritt. Aktuell planen wir nicht vor Ende der Sommerferien 2021.“ Huble nannte auf Anfrage zudem Zahlen, die hoffen lassen, dass trotz des Fachkräfte-Mangels die neue große Kita nicht gleich Kinder wegen fehlenden Personals abweisen muss. So sind im diesjährigen Stellenplan für die Städtischen Kitas insgesamt 110,8 Stellen (Vollzeitäquivalente) für pädagogische Fachkräfte ausgewiesen – davon sind fast alle, nämlich 109,85, besetzt (aufgteteilt auf insgesamt 133 Personen). Die neue Kita benötige 13,60 Vollzeitäquivalent-Stellen. Die Personal-Rekrutierung laufe schon: „Wir haben bereits einige interne Bewerberinnen, die bei Öffnung umgesetzt werden. Dazu wurden bereits vier neue Stellen besetzt. Diese Mitarbeiter verstärken aktuell die anderen städtischen Kitas. Die Stellen der Leitung und stellvertretenden Leitung sind aktuell ausgeschrieben.“

Hat die Stadt einen Plan B für den Fall, dass nicht genug qualifizierte Fachkräfte gewonnen werden können? Huble: „Aus pädagogischer Sicht ist es nicht möglich, dass in der neuen Kita gleich alle Plätze belegt werden, weil die Eingewöhnung neuer Kinder eine längere Zeit benötigt. Aus diesem Grunde werden auch nicht alle Stellen sofort besetzt sein müssen. Darüber hinaus würden wir als Plan B unsere Springerkräfte aus anderen Einrichtungen zur Verstärkung in die neue Kita senden.“

Hat die Stadt angesichts des sich künftig verschärfenden Kita-Fachkräfte-Mangels irgendwelche besonderen Anreize oder Rekrutierungs-Methoden im Vergleich mit anderen Arbeitgebern, um genug qualifizierte Kräfte zu gewinnen? Huble: „Wir bieten unseren Erzieherinnen umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen und Qualifizierungsmaßnahmen an, die von der Stadt komplett bezahlt werden. Auch die Zeiten dafür werden gutgeschrieben. Darüber hinaus haben wir eine eigene Fachberatung im Jugendamt, die die Erzieherinnen in ihrer pädagogischen Arbeit unterstützt.“