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Neue Erkenntnisse nach tödlichem Stich in Zweibrücken

Staatsanwaltschaft zu Tötungsdelikt in Marienstraße : Opfer soll Wohnung des Täters aufgebrochen haben, um dessen Mutter zu helfen

Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken hat weitere Details zum Tötungsdelikt in der Marienstraße bekannt gegeben. In erster Linie liefert die Anklagebehörde eine genauere Beschreibung der Ereignisse.

Wie bereits berichtet, hatte der Beschuldigte am vergangenen Sonntagabend einen lauten Streit mit seiner Mutter in seiner Wohnung. Infolge des Streits hatte die Mutter das Gebäude verlassen. Das spätere Opfer und weitere Nachbarn hatten sich zur Wohnung des Beschuldigten begeben, um diesen wegen des in der Nachbarschaft deutlich hörbaren Streits zur Rede zu stellen. Da der Beschuldigte niemanden in die Wohnung lassen wollte, verschaffte sich der Geschädigte gewaltsam Zugang, wobei er die Wohnungstür zerstörte. In einer früheren Mitteilung hatte die Staatsanwaltschaft berichtet, der Beschuldigte habe erklärt, in Notwehr zugestochen zu haben. Danach kam es zu dem tödlichen Stich mit dem Fleischermesser in die Brust, an dem das 40-jährige Opfer wenig später auf offener Straße in den Armen seines Mitbewohners starb (wir berichteten). Die weiteren Nachbarn hatten das Haus bereits wieder verlassen, weil ein weiterer Nachbar mitgeteilt hatte, die Polizei sei unterwegs.
Die Leichenöffnung hat laut Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann als Todesursache ein Verbluten nach innen und außen ergeben: „Der Stich hat neben Herzbeutel und -kammer auch den linken Leberlappen, die linke Nierenschlagader und die Vena cava verletzt. In der Bauchhöhle befanden sich 800 Milliliter Blut. Ein Vortest auf Drogen war negativ. Alkoholgeruch war wahrnehmbar. Das Ergebnis der Alkoholuntersuchung liegt noch nicht vor.“ Der Beschuldigte war laut Atemtest nüchtern, das Ergebnis eines Bluttests steht noch aus.

Die Staatsanwaltschaft betont, die Tat stehe „nach den durchgeführten Ermittlungen in keinerlei Zusammenhang mit der politischen Gesinnung des Beschuldigten“. Der 34-Jährige war wie berichtet mehrere Jahre Mitglied beim rechtsextremistischen Nationalen Widerstand Zweibrücken gewesen. Korrigieren musste sich die Anklagebehörde allerdings hinsichtlich der Behauptung, der Beschuldigte sei seit 2016 nicht mehr im Nationalen Widerstand aktiv gewesen. In der Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es dazu: „Den Ermittlungsbehörden bislang nicht bekanntes Bildmaterial wurde seitens des Fachkommissariates des Polizeipräsidiums Westpfalz überprüft. Eine Auswertung ergab, dass der Beschuldigte an mehreren Veranstaltungen der rechten Szene im Jahr 2019 teilgenommen hat.“ Der Merkur hat über diese Fotos bereits in der Freitagausgabe berichtet.

Der Vorsitzende des DRK Contwig hat unterdessen zum Gedenken an das aus dem Ort stammende Opfer der Gewalttat Trauerflor an allen Fahrzeugen des Ortsverbandes angeordnet.