Nebelkerzen um Nebel-Landesystem

Zweibrücken. Die Probleme bei der technischen Aufrüstung des Flughafens sind nach Merkur-Recherchen wesentlich größer als bislang öffentlich eingeräumt

 Beim symbolischen ersten Spatenstich am 26. Juni 2009 für die Landebahn-Aufrüstung strahlten die Flughafen-Eigentümer (vom Land Rheinland-Pfalz und den Anliegerkommunen) gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern noch um die Wette. Doch vor allem weil das Nebel-Landesystem Cat 2 zwar fertig gebaut wurde, aber wegen fehlender Genehmigung auf absehbare Zeit nicht in Betrieb gehen kann, hat Germanwings diesen Januar den Flughafen verlassen. Foto: pma/thw

Beim symbolischen ersten Spatenstich am 26. Juni 2009 für die Landebahn-Aufrüstung strahlten die Flughafen-Eigentümer (vom Land Rheinland-Pfalz und den Anliegerkommunen) gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern noch um die Wette. Doch vor allem weil das Nebel-Landesystem Cat 2 zwar fertig gebaut wurde, aber wegen fehlender Genehmigung auf absehbare Zeit nicht in Betrieb gehen kann, hat Germanwings diesen Januar den Flughafen verlassen. Foto: pma/thw

Zweibrücken. Die Probleme bei der technischen Aufrüstung des Flughafens sind nach Merkur-Recherchen wesentlich größer als bislang öffentlich eingeräumt. Gestern noch hatten der interkommunale Flugplatz-Zweckverband Zweibrücken und die Flughafen-Geschäftsführung in einer gemeinsamen Pressemitteilung Vorwürfe der UWG-Fraktion Zweibrücken-Land entschieden zurückgewiesen, die Landebahn-Befeuerung sei zu kurz für die Genehmigung des bereits für mindestens eine Million Euro installierten Instrumentenlandesystems Cat 2 (wir berichteten). Doch mehrere Behauptungen in der Pressemitteilung sind offensichtlich falsch oder irreführend.So heißt es darin, die Anflugbefeuerung in Zweibrücken sei 480 Meter lang - die europäische Richtlinie "EU-OPS" verlange aber nur 420 Meter. Deshalb sei, so die Presseerklärung, "die Befeuerungslage somit grundsätzlich Cat 2-tauglich. So sieht es auch das Luftfahrtlandesamt". Dieses antwortete gestern zwar nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung, ebenso wenig das Mainzer Verkehrsministerium. Das Luftfahrtbundesamt bestätigte aber, dass die EU-OPS sich gar nicht an Flughäfen richten, sondern an Flugzeugbetreiber.

Entscheidend für Flughäfen sind die unserer Zeitung ebenfalls vorliegenden "Gemeinsamen Grundsätze des Bundes und der Länder über die Markierung und die Befeuerung von Flugplätzen mit Instrumentenflugverkehr". Während die Pressemitteilung des Flughafens behauptet: "Die Länge der Anflugbefeuerung hängt nicht mit der Betriebsstufe zusammen", heißt es in der nationalen Vorschrift: "Instrumentenstart- und Landebahnen sind mit einer 900 Meter langen Anflugbefeuerung zu versehen." Lediglich bei "Nichtpräzisionsstart- und Landebahnen" reichten 420 Meter aus. Zweibrücken verfügt aber über ein Instrumentensystem.

Und die internationale zivile Luftfahrtorganisation ICAO, auf deren Richtlinie auch die Bund-Länder-Vorschrift verweist, schreibt sehr deutlich, wie wichtig ihr die 900-Meter-Länge ist: "Die Bedeutung eines adäquaten Befeuerungssystems zur Unterstützung von Präzisionsanflügen, bei denen der Pilot auf visuelle Referenzen vor der Landung angewiesen ist, kann nicht stark genug betont werden."

Beide Vorschriften lassen zwar auch ein Türchen offen für Ausnahmegenehmigungen. Auch dabei sei es aber wichtig, "jede Anstrengung zu unternehmen, so viel Anflugbefeuerung wie möglich" zu installieren, betont die IACO, außerdem könnten die Genehmigungsbehörden dann Betriebsrestriktionen verhängen.

Nach Merkur-Informationen ist bereits der gegenwärtige Cat 1-Betrieb in Zweibrücken nur dank einer Ausnahmegenehmigung des Landesluftfahrtamtes möglich. Luftfahrtexperten sehen aber wenig Chancen auf eine erweiterte Ausnahmegenehmigung. Zwar gilt für Cat 1 wie für Cat 2 die 900-Meter-Regel - allerdings gibt es bei Cat 2 bekanntlich auch Probleme mit der seitlichen Hindernisfreiheit, wegen des unter Naturschutz stehenden Monbijou-Waldes.

Während der Flughafen gestern bei seiner Darstellung vom Vortag blieb, warf UWG-Chef Bertram Schlachter Airport und Politik vor, mit "Vernebelungstaktik" den Blick auf die drohende Millionen-Fehlinvestition zu trüben zu versuchen.

Die Flughafenfreunde Zweibrücken betreiben nicht (wie irrtümlich berichtet), die Internetseite " www.zqw-forum": Dies tut eine Privatperson.

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