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Naturwissenschaftlicher Verein zu Zweibrücken Nawi

Nawi-Vortrag : Im Strudel von Raum und Zeit

Der bekannte Astronom Prof. Ulrich Keller besuchte zum fünften Mal den Naturwissenschaftlichen Verein. Im gut besuchten Audimax der Hochschule sprach er über Schwerkraftfallen im Kosmos.

Wieder einmal war beim Naturwissenschaftlichen Verein zu Zweibrücken ein berühmter Redner zu Gast. „Jeder, der etwas mit Astronomie zu tun hat, kennt ihn“, sagte Hubert Zitt bei der Einführung des Vortrages von Prof. Hans-Ulrich Keller. Und tatsächlich ist der langjährige Direktor des Planetariums Stuttgart vielen Menschen kein Unbekannter. Mit zwölf Jahren kaufte er sich sein erstes Teleskop – danach ließ ihn die Leidenschaft für die Sterne nicht mehr los.

In Zweibrücken referierte er über schwarze Löcher. Diese Schwerkraftfallen im Kosmos faszinieren die Menschen schon seit ihrer Entdeckung. „Die Gravitation kann Amok laufen, das wissen wir schon seit etwa 100 Jahren“, informierte Prof. Keller die zahlreich erschienenen Zuhörer. „Das schwarze Loch ist der ideale Müllschlucker“, sagte er weiter und machte sich im Anschluss Gedanken, wie die Menschheit diese Phänomene im Weltall entdeckt hat.

Den Anfang machte – wie so oft in der Physik – Isaac Newton, der unter einem Baum saß und einen Apfel beim Runterfallen beobachtete. Der berühmte Satz „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ beschreibt die Auswirkungen der Schwerkraft. Einstein schließlich bewies, dass jede Masse den Raum um sie herum verändert. „Ein Lichtstrahl, der einen Stern verlässt, muss gegen die Gravitation ankämpfen“, bemerkte Prof. Keller. So richtig kann man sich das mit dem gekrümmten Licht nicht vorstellen, doch Einsteins Theorie wurde bei der Sonnenfinsternis am 29. Mai 1919 bewiesen.

Von der Schwerkraft führte Keller das Publikum nun zum Phänomen der schwarzen Löcher. Und ab da wurde die Vorstellungskraft der Zuhörer auf eine harte Probe gestellt. Der Referent erklärte, wie sich bei der Entstehung schwarzer Löcher die Materie eines Sterns immer mehr verdichtet und der Radius des Himmelskörpers dadurch abnimmt. Mehr Materie auf kleinerem Raum bedeutet mehr Masse. Und mehr Masse bedeutet mehr Anziehung. „Erde und Sonne werden so schnell nicht zum schwarzen Loch“, erklärte er, „doch wenn das passieren würde, müsste die Erde auf einen Durchmesser von 0,9 Zentimeter schrumpfen, um ein schwarzes Loch zu werden.“

Schwarze Löcher ziehen alles an, was in ihre Nähe kommt und verschlingen es. Ihre immense Gravitation reißt sogar Planeten auseinander. Würde ein Astronaut nun in ein schwarzes Loch fallen, so würde die unglaublich starke Schwerkraft an seinen Füßen zuerst wirken und seinen Körper auseinander ziehen. Ob man das überleben würde ist fraglich. Aber um eines müsste der Raumfahrer sich keine Gedanken machen: ob er zu spät kommt. Denn in einem Gravitationsfeld gehen die Uhren langsamer. „Eine Uhr auf der Erdoberfläche bleibt in einem Jahr 22 Millisekunden gegenüber einer Uhr in einer Rakete im schwerelosen Zustand zurück“, erklärte Keller, „das ist wichtig für die Raumfahrt.“ Bis heute weiß niemand, was genau im Inneren eines schwarzen Lochs vor sich geht. In ihrem Kern soll es keine Struktur mehr geben, nur ein Drehimpuls und ihre elektrische Ladung sollen noch vorhanden sein.

Bis vor wenigen Jahren herrschte in der Wissenschaft die Meinung vor, dass schwarze Löcher ewig leben müssten. Doch der bekannte Physiker Stephen Hawking stellte die Theorie auf, dass auch schwarze Löcher verschwinden können. Sie verdampfen an ihrem Lebensende. Ein solcher Tod eines schwarzen Lochs wurde aber noch nie beobachtet.

Am Ende seines Vortrages, der immer wieder durch hochkomplizierte mathematische Formeln ergänzt wurde, kam Prof. Ulrich Keller zu der Frage: Ist es möglich, ein schwarzes Loch herzustellen? Befürchtungen, dass Forscher unabsichtlich ein schwarzes Loch erzeugen können, gab es vor einigen Jahren, als der Teilchenbeschleuniger des Cern in Betrieb ging.

Theoretisch hätte dabei ein schwarzes Loch entstehen können, so Keller, doch seine Lebensdauer und seine Größe wäre viel zu gering gewesen, um tatsächlich Schaden anzurichten.

Der nächste Nawi-Vortrag ist bereits am heutigen Mittwoch, 17. April, 19 Uhr, im Audimax auf dem Zweibrücker Campus. „Von der Astrologie zur Astronomie und wieder zurück – ein nicht nur astronomischer Blick auf die Astrologie“ ist das Thema von Prof. Elmar Junker, Technische Hochschule und Sternwarte Rosenheim.