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Naturschützer Gerhard Herz fürchtet kein Taubensterben in Zweibrücken

Tierschutzbund in Sorge um die Vögel : Zweibrücker Tauben trotzen Corona-Krise

Tierschutzbund schlägt Alarm: In der Pandemie bekämen Tauben weniger zu fressen. Experte Gerhard Herz teilt diese Sorge nicht.

„Die weißen Tauben sind müde“ – davor warnte Hans Hartz in seinem bekannten Schlager bereits im Jahr 1982 mit Reibeisen-Stimme. Müde sind sie also, die Tauben. Aber sind sie auch dem Tode geweiht?

Der Deutsche Tierschutzbund fürchtet dies. Vor kurzem warnte dieser, bedingt durch die Pandemie seien viel weniger Menschen in den Fußgängerzonen der Republik unterwegs als in normalen Zeiten.

Imbisse und Restaurants seien geschlossen oder nur noch zu verkürzten Zeiten geöffnet, es werde weniger in den Innenstädten gegessen – für die Tiere falle also kaum noch Futter ab. Tauben seien Tiere, die ihrem bevorzugten Standort treu blieben. Selbst, wenn das Nahrungsangebot drastisch zurückgehe.

Viele Tiere befänden sich folglich in existenzieller Not, warnte der Tierschutzbund. Und forderte die Kommunen auf, Fütterungsstellen einzurichten, an denen den Stadttauben artgerechtes Futter wie Mais, Körner oder Sämereien zur Verfügung gestellt werden sollte. Zumal auch nach der jüngsten Lockerung einiger Corona-Schutzmaßnahmen noch deutlich weniger in den Innenstädten los ist als normalerweise.

Der Zweibrücker Natur- und Tierschützer Gerhard Herz teilt die Sorgen des Deutschen Tierschutzbundes allerdings nicht. Herz, Vorsitzender des Naturschutzbeirates und viele Jahre lang Vorsitzender des Nabu in Zweibrücken, gibt auf Anfrage des Pfälzischen Merkur Entwarnung.

„Ich sehe da keine Not“, erklärt Herz mit Blick auf die Tauben in der Zweibrücker Innenstadt. Die Tauben, ursprünglich Waldvögel, seien „anpassungsfähige Tiere“. Vielleicht sehe man derzeit nicht ganz so viele in der Fußgängerzone oder auf sonstigen öffentlichen Plätzen. Aber das heiße noch lange nicht, dass sie eingegangen seien. „Die Tiere nisten teilweise in Bäumen, unter Dächern, unter Brücken.“

Natürlich sei für die Tauben in den vergangenen Wochen, gerade in der strengen Corona-Schließzeit, als der Handel zum Erliegen gekommen war, in der Fußgängerzone nicht so viel an Fressbarem abgefallen. Aber nichtsdestotrotz sei für die Tauben „auch in der Pandemie der Tisch gut gedeckt“. Die Tiere könnten sich in zahlreichen Gärten bedienen, da falle einiges ab. Herz: „Die Tauben können auf dem Boden picken wie die Hühner – die finden ihr Futter!“

Und dann gebe es nach wie vor Spaziergänger, die beispielsweise altes Brot dabei hätten und diesen den Tieren auf Wegen oder Plätzen hinwerfen würden, das locke teilweise etliche der Vögel an.

„Tauben vermehren sich stark“, macht der Zweibrücker Naturschützer darauf aufmerksam, dass die Population in der Rosenstadt in den vergangenen Jahren „erheblich gestiegen“ sei. „Von daher wäre es natürlich auch ein gewisses Regulativ, wenn es etwas weniger zu Fressen geben sollte. Wenn der Bestand bei uns tatsächlich ein wenig zurückgehen sollte, wäre das also gewiss kein Drama.“

Die Tauben hinterlassen einen Kot, der eine stark ätzende Wirkung entfallen könne, erläutert Herz. Städte wie Nürnberg wüssten davon ein Lied zu singen, dort sei der Sandstein von Kirchen durch den ätzenden Kot erheblich angegriffen.