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Nächste Runde im Prozess um Drogen-Schmuggel am Landgericht Zweibrücken

Immer neue Ausreden : Nächste Runde im Schmuggler-Prozess

Das Landgericht Zweibrücken setzt die Verhandlung gegen einen 46-Jährigen fort, der versucht haben soll, von Spanien aus kiloweise Marihuana nach Pirmasens transportieren zu lassen.

„Diese Geschichte klingt sehr abenteuerlich“, unterbrach die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas am Donnerstag den Redefluss des Angeklagten. Der 46-jährige Gebrauchtwagenhändler, der sich seit Januar vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken wegen versuchter Drogeneinfuhr verantworten muss (wir berichteten), wollte gerade über den Verbleib seiner beiden Handys referieren. Die Ermittler hatten herausgefunden, dass eines der Mobiltelefone zur Tatzeit nahe Barcelona eingeloggt gewesen war. Das zweite Handy war im Dezember 2018 vom französischen Zoll in dem Drogen-Transporter auf der Rückfahrt von Spanien nach Pirmasens sichergestellt worden.

Nun behauptete der 46-Jährige, dass der Hauptbelastungszeuge, der damalige Fahrer des Transporters, ihm eines der Handys gestohlen habe, als er ihn und seine Familie am Abend des 15. Dezember 2018, also kurz vor der Tat, in seiner Wohnung in Pirmasens besucht hätte. Eigentlich habe er sich mit ihm seinerzeit nur verabreden wollen, um gemeinsam Autoteile aus Polen zu holen, was der aber aus Zeitgründen abgelehnt habe. Das Gespräch sei nach einer halben Stunde zu Ende gewesen.

„Offenbar hat er mir beim Schuhezubinden an der Garderobe mein weißes Handy geklaut“, vermutete der 46-Jährige. Als der Angeklagte danach anfing, ausufernd zu erzählen, auf welchem Wege sein anderes Mobiltelefon angeblich in den Händen des Cousins seiner Ehefrau gelandet sei, unterbrach ihn die Vorsitzende und schlug eine Unterbrechung der Verhandlung vor – aus Gründen „der Fürsorgepflicht des Gerichts gegenüber dem Angeklagten“, wie sie sagte. Er solle sich mit seinen drei (!) Verteidigern besprechen, bevor er sich weiter äußert. Doch dazu kam es (vorerst) nicht. Der Trierer Rechtsanwalt Otmar Schaffarczyk winkte ab: „Ich kenne die Geschichte. Ich hatte meinem Mandanten geraten, sie nicht zu erzählen.“

Es war nicht die erste abenteuerliche Geschichte, die der 46-Jährige im Verlauf der seit Anfang des Jahres laufenden Verhandlung zum Besten gegeben hatte, um sich ein Alibi zu verschaffen und/oder zumindest die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen, eines 58-jährigen Pirmasensers, in Zweifel zu ziehen.

Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann hatte dem 46-Jährigen, der zur Tatzeit in Pirmasens lebte, zum Prozessauftakt zur Last gelegt, um den 18. Dezember 2018 herum von Barcelona aus versucht zu haben, mit einem Kleintransporter 26,3 Kilogramm Marihuana nach Deutschland zu schmuggeln. Der von dem 46-Jährigen mutmaßlich beauftragte 58-jährige Fahrer des Sprinters war jedoch am 18. Dezember 2018 auf der Rückfahrt von Spanien auf der A 36 beim französischen Besançon in eine Zollkontrolle geraten. Dabei wurden die Drogen entdeckt. Der 58-Jährige hatte beteuert, er habe für einen Pirmasenser lediglich Möbel transportieren sollen. Von dem im Transporter versteckten Marihuana habe er nichts gewusst. Als Adressaten der Lieferung hatte er den 46-jährigen Gebrauchtwagenhändler angegeben. Gleichwohl wurde der 58-Jährige in Frankreich zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Aber auch der 46-Jährige, der inzwischen mit seiner Familie in Zweibrücken wohnt, will nichts mit der Drogenfahrt zu tun gehabt haben.

Immerhin: Zumindest, was das „Selfie“ anbelangt, das den Angeklagten mit dem Hauptbelastungszeugen am 24. November 2018 auf dem Flug von Frankfurt nach Barcelona zeigen soll, scheint der 46-Jährige die Wahrheit gesagt zu haben. Laut den jetzt von einem Cyber-Analysten der Kripo Pirmasens und einem Forensiker des Präsidiums Westpfalz ausgewerteten sogenannten Metadaten des Fotos ist dieses – entgegen ursprünglicher Vermutungen – nicht manipuliert worden. Der gemeinsame Flug fand also statt.

Der Hauptbelastungszeuge hatte zwar zugegeben, mit dem Angeklagten schon mal im Auto nach Spanien gefahren zu sein – er sei aber niemals mit ihm dorthin geflogen.

Fortgesetzt wird die Verhandlung am 4. Dezember um 9 Uhr.