1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Musikverein Niederauerbach sagt seine Zeltkerwe ab

Musikverein Niederauerbach sagt seine Zeltkerwe ab : Gesundheit geht vor Kerwe-Tradition

Der Musikverein Niederauerbach sagt seine Zeltkerwe ab. Bei der wohl ersten Veranstaltung der Region nach den Corona-Verboten sei der Andrang nicht zu kontrollieren.

„Gesundheit hat Vorrang“, bestätigt Nadine Theisohn, Pressewartin des Musikvereins MV Niederauerbach. „Der gebotene verantwortungsvolle Umgang mit den Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie hat die Vorstandschaft dazu veranlasst, die Zeltveranstaltung zur Kerwe für dieses Jahr abzusagen“, hatte der Verein in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.

Zum ersten Mal in der über 50-jährigen Geschichte des regen Musikvereins wird es weder Straußrede noch einen bunten Samstagabend mit Höhenfeuerwerk geben. Hier feiern bei schönem Wetter alljährlich mehrere Hundert Menschen weit über den Zweibrücker Ortsteil hinaus. In diesem Fall ist die große Beliebtheit eher ein Verhängnis als ein Segen, denn in der Regel sind das kleine Zelt und der begrenzte Platz hinter der Sparkasse voll besetzt. Dicht gedrängt wird bei dem beliebten Volksfest auch an der Freilunft-Bar gelacht, gesungen, sich unterhalten. Nadine Theisohn bedauert: „Es ist sehr traurig. Aber es ist nicht abzusehen, welche Sicherheits- und Hygienerichtlinien als Auflage vorgegeben werden.“

Eine eventuelle Einschränkung von Besucherzahlen und das Einhalten von Abstandsregeln könne vom Verein nicht kontrolliert werden, insbesondere bei dem Besucheraufkommen am Samstagabend. Ein Großteil der Kerwehelfer gehöre zudem einer der Risikogruppen an, deren Gesundheit der Verein nicht gefährden will.

Was letztendlich zu der schmerzvollen Entscheidung führte war die Überlegung, dass, sollten ab 1. September Großveranstaltungen wieder genehmigt werden, die Niederauerbacher Kerwe die erste größere Veranstaltung in der Region nach dem Stillstand wäre.

Dass der Musikverein, wie alle anderen Musikgemeinschaften ebenfalls, seit Mitte März nicht mehr zusammen proben konnte, spiele eine deutlich untergeordnete Rolle. „Wir sind gut aufeinander eingespielt und das seit vielen Jahren“, erklärt die 29-jährige, engagierte Niederauerbacherin einen rasch möglichen und qualitativ hochwertigen Auftritt. „Maßgeblich ist tatsächlich allein der gesundheitliche Aspekt.“

Dennoch hat der Verein Glück im Unglück, denn die große Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen wurde bereits 2019 gefeiert. Noch stünden einige Auftrittsanfragen für den Herbst offen, doch dies sei allein Sache der Veranstalter.

Rund 20 der aktuell rund 120 Vereinsmitglieder zwischen 20 und 95 Jahren musizieren aktiv. Neben einer Vielfalt an Blasinstrumenten etwa auch mit Bass, Keyboard, Akkordeon oder Bongo-Trommeln. Wenngleich die musikalische Leiterin, Heike Ewert, alljährlich auch neue Stücke einstudiert, begeistern die Musiker ihre Fan-Gemeinde regelmäßig mit deren Lieblingstiteln. Auf keinen Fall fehlen darf der Stimmungsknaller „Fräulein Kullewullewux“, den Alfons Marschall 1990, vor 30 Jahren also, einstudierte und der sich zu einer Art Vereinshymne etabliert hat.

Sehr kreativ texteten die Vereinsmitglieder den Titel „Karneval in Rio“ kurzerhand auf Oktoberfest um. „Das war bei unserem letzten Besuch in Calella“, erinnert sich Nadine Theisohn. In der spanischen Stadt an der katalanischen Costa del Maresme gestaltet der Verein regelmäßig das Oktoberfest mit, in einem Zelt direkt am Meer. Zum Glück sei der nächste Besuch dort erst in den nächsten Jahren wieder geplant. Nicht nur hier begleiten die Fans ihren Musikverein oft in mehreren vom Verein organisierten und finanzierten Bussen.

Trotz der altersgemischten Gruppe haben auch die Niederauerbacher Musiker deutlich Nachwuchsbedarf. „Wir leben eine tolle Gemeinschaft, in der viele Freundschaften entstehen“, weiß Nadine Theisohn aus eigener Erfahrung. Die gemeinsame Wanderung zum Vatertag, die in diesem Jahr ebenso ausfiel wie wahrscheinlich die sommerliche Radtour und andere Vereinsunternehmungen oder die Mitgestaltung beim Niederauerbacher Weihnachtsmarkt gehören zu den Höhepunkten.

Meist engagieren sich die Musiker gemeinsam mit den Straußbuben, denn die Schnittmenge ist groß. So hält auch Nadine Theisohn seit einigen Jahren die Kerwered. Gab es sonst noch rund 50 Aktive, sei die Gruppe alters- und berufsbedingt aktuell auf 15 bis 20 Mitwirkende geschrumpft. Die Jüngste sei 21, das Durchschnittsalter der Straußbuben liege bei fast 30 Jahren. Dabei seien nicht nur Dorfbewohner eingeladen, sich für die traditionsreiche Auerbacher Kerb und das Dorf allgemein zu engagieren.

„Im Musikverein können Interessierte auch ein Instrument spielen lernen“, bietet die Pressesprecherin Ausbildung von der Pike auf an. Das Repertoire sei vielfältig. Sie stehe als Ansprechpartnerin gerne zur Verfügung.

Weitere Infos bei Nadine Theisohn, Tel. (01 70) 8 77 11 22.