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Müllsammel-Aktion in Zweibrücken

Zweibrücker sammeln Abfall ihrer Mitbürger ein : Müll, Müll und nochmals Müll

Eine ganze Woche lang waren 150 Menschen in Kleingruppen in und um Zweibrücken unterwegs, um die Natur von weggeworfenem Unrat zu befreien. Teilnehmer und die Organisatoren von „ZW vernetzt“ staunten über den Berg, der bis Samstagmittag zusammen kam.

Ja, nimmt das denn gar kein Ende? Der Berg an Mülltüten am frühen Samstagnachmittag in der Vertiefung hinter der Alexanderskirche wuchs und wuchs. „Das ist echt eine großartige Ausbeute. Diese Aktion hat sich wirklich gelohnt“, stellte Stefan Paul entsprechend fest und strahlte. Eine ganze Woche lang hatten auf Initiative der von ihm initiierten Bürgerinitiative „ZW vernetzt“ über 50 Gruppen an mehr als 50 Standorten in der Natur einen „Frühjahrsputz“ vollzogen. Da sich spontan immer wieder neue Müllsammler dazu motivieren ließen, waren am Ende rund 150 Menschen weit mehr als 120 Kilometer in und um Zweibrücken unterwegs, um „unsere Stadt schöner zu machen“.

Neben einer Vielzahl von Einzelpersonen, Freundeskreisen und Familien über die Stammhelfer von „ZW vernetzt“ hinaus, beteiligten sich unter anderem der Naturschutzbund und seine Jugendgruppe, die evangelische Jugend Zweibürcken, Vertreter eines Startup-Unternehmens, Mitglieder von Fridays for Future, die „Grüne Brücke“, der Kneippverein, die beiden Kitas Abenteuerland (Grinsardstraße) sowie Papperlapapp (Ernstweiler) sowie die Zweibrücker Wassersportfreunde daran.

Die Kanuten freuten sich besonders über die frühlingshaften Temperaturen. Heike Jung und ihre elfjährige Tochter Britta suchten den Schwarzbach zwischen Fasaneriebrücke und Schließ von der Wasserseite her ab. Geschickt balancierten sie ihre gut gefüllten Müllsäcke, gaben sich gegenseitig Hilfestellung. Kaffeebecher „to go“ oder Einweg-Geschirr machten einen Großteil der Funde aus sowie Flaschen, die am Party-Eck auf dem Rosenweg zahlreich anfielen.

„Von Land aus sieht man vieles gar nicht oder kommt nicht ran“, erklärte Heike Jung, die sofort und gerne diese „tolle Aktion“ unterstützt hatte. Besonders, da sie beim Joggen den Eindruck habe, der Müll im Wald nehme zu.

Einige Kinder hätten den Müll einfach nur ekelig gefunden, andere sich hingegen zu regelrechten Müll-Spürnasen entwickelt, die ihre Eltern oder Erzieherinnen jetzt bei jedem Gang auf herumliegenden Unrat aufmerksam machen, berichtete Stefan Paul.

Während einige Gruppen eher erstaunt und erfreut waren, wie relativ sauber ihre Strecke war, verzweifelten andere fast ob der Müllmengen. Zu den neuralgischen Punkten gehören etwa die Greenwich-Straße, die Canadasiedlung, die Schwalbenstraße oder der Parkplatz an der Fasanerie. Hier war das Auto ohne einen einzigen Wanderschritt bereits gefüllt bis an den Rand. Karin Grgic überlegte mit Blick auf ihre schier endlose Ausbeute an Fläschchen scherzhaft, in Jägermeister-Aktien zu investieren. „Das scheint ein sehr solides Unternehmen zu sein.“

Bonbonhüllen aus Kunststoff und Riegelverpackungen flogen ähnlich reichlich durch die Gegend, wie Einmal-Masken. Neben Kuriositäten wie halben Brillen, einzelnen Schuhen, einen einzelnen Inliner oder Jacken fand sich auch Sondermüll wie Farbeimer oder Reifen, den der Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ) gesondert entsorgt. Ein weggeworfener Müllsack wurde gleich genutzt.

Daneben gab es Funde, die alle besonders befremdlich fanden. So scheinen einige Hundehalter die Pflicht zum Schutz der Exkremente vor möglichen Passantentritten im Plastikbeutel gründlich missverstanden zu haben: Sie ließen die Schutztüten am Spazierweg liegen, so wie andere die vollen Kinderwindeln. „Der Hundehaufen wäre in zwei Wochen verrottet. Die Plastikbeutel brauchen 200 Jahre“, ärgerte sich Jutta Daniel über das sinnfreie Handeln.

Die Sammler erhielten nach eigenen Aussagen von sehr vielen Seiten großes Lob für die Aktion und hatten sichtlich Freude dabei. „Wir sind mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen“, fasst Stefan Paul zusammen. Die Feststellung: „Die Menschen werfen einfach alles weg“, wurde von einigen mit „und die anderen lassen es liegen“ beantwortet. Deshalb haben sich über die gemeinsame Müllsammel-Aktion hinaus, viele der Helfer vorgenommen: „Wenn ich künftig spazieren gehe, stecke ich mir immer ein kleines ‚Müll-Kit’ ein: kleine Plastiktüte und Gummihandschuhe.“

Ein Traum, wenn dieses Verhalten Schule macht und sich viele Nachahmer finden würden. An dem Thema dran bleiben will auch „ZW vernetzt“. Explizit bedankt sich die Gruppe auch beim UBZ, der die Aktion gerne und tatkräftig unterstützt habe, von der Bereitstellung der Mülltüten und Müllgreifer bis hin zur Müllabfuhr der geschätzt 1500 Kilogramm, die in der Sammel-Woche zusammen kamen.

1500 Kilogramm Müll aus der großen Frühjahrsputzakion von „ZW vernetzt“ und vielen Zweibrücker Bürgern holte der UBZ am Samstag ab. Foto: Cordula von Waldow

www.zw-vernetzt.de