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Mühlbergstraße: Anwohner fordern Tempo 30

Mühlbergstraße: Anwohner fordern Tempo 30

Die Zweibrücker Mühlbergstraße ist so gestaltet, dass sie viele Autofahrer zum Rasen verführt. Besonders nach einer langen Geraden hinter einer unübersichtlichen Kurve ist das für spielende Kinder lebensgefährlich. Die Straße wurde so breit gebaut, damit dort Busse fahren sollten. Dieser Plan scheiterte damals an Anwohner-Protesten. Heute fordern Anwohner Busse – und Tempo 30.

Anwohner der Zweibrücker Mühlbergstraße sind besorgt um ihre Kinder. Grund sind Raser in der breiten, steilen Straße im Wohngebiet Fuchslöcher.

In einem Brief an die Stadtverwaltung schreiben die Eltern Bertil Braun, Anke Massier, Heiko Lägel und Iris Wiehn, insbesondere über die oben zum Wendehammer führende scharfe Linkskurve: "Die Fahrzeuge schießen teilweise mit gefühlt 70 und mehr km/h um die Ecke. Das Ergebnis, seit wir hier wohnen: eine tote Katze (die im Beisein der Kinder qualvoll verstarb), mehrere überfahrene Igel, Vögel und andere Kleintiere und aktuell eine Zuchttaube." Die Eltern von drei Drei- bis Fünfjährigen haben "wirklich Angst, dass vielleicht auch einmal ein Kind überfahren wird". Sie fordern deshalb "verkehrsberuhigende Maßnahmen" wie eine 30er-Zone. Zurzeit gilt Tempo 50.

In der Einwohnerfrage am Mittwochabend im Stadtrat sagte Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) zu, dies zu prüfen. Vor einer Entscheidung solle es Geschwindigkeitsmessungen geben, Gespräch mit den Eltern sowie eine Beratung im Zweibrücker "Arbeitskreis für Verkehrssicherheit", dem Vertreter von Stadtverwaltung, Polizei und andere Verkehrsexperten angehören.

Der Merkur-Reporter kann nach einem Vor-Ort-Termin gestern die Sorge der Eltern gut nachvollziehen. Zwar gab es um die Mittagszeit mangels Autoverkehr keine Raser - doch baulich verführt die Mühlbergstraße geradezu zum Schnellfahren. Die Straße selbst ist sehr breit, durch einen (meist leeren) Parkstreifen neben dem Bürgersteig wirkt sie noch breiter - und zwischen der scharfen Linkskurve oben und der nächsten Kurve unten geht es fast 200 Meter geradeaus.

Gegenüber den Wohnungen der Beschwerdeführer gärtnert gerade Hans Kuhn. Auch den Rentner beunruhigen die Raser: "Wir haben für unseren Enkel ein Elektro-Spielzeugauto gekauft - trauen uns aber nicht, ihn hier darauf fahren zu lassen." Denn vor allem bergauf kämen Auto- und Motorradfahrer oft mit hoher Geschwindigkeit um die Ecke geschossen und sähen Kinder dann erst im letzten Moment.

Bergab gibt es von rechts zwar viele Einmündungen verkehrsberuhigter Sackgassen in die Mühlbergstraße - Vorfahrt hat man aber auf der Mühlbergstraße, sodass auch dies den Verkehr nicht bremst - zumal die Einmündungen kaum sichtbar sind, weil der Bürgersteig der Mühlbergstraße den gleichen Belag hat wie die Querstraßen, Büsche die Einmündungen oft völlig verdecken und die Straßenschilder alt und verblichen sind. Tempo 30 ist bislang lediglich ganz unten an der Mühlbergstraße ausgeschildert: vor dem Caritas-Förderzentrum.

In der Stadtrats-Einwohnerfragestunde haben (ebenfalls schriftlich) Anwohner auch gebeten, künftig eine Buslinie die Mühlbergstraße hoch fahren zu lassen. Pirmann sagte, hierzu gebe es "immer wieder mal Anfragen". Der OB versprach: "Wir nehmen diese Verbindung in die nächste Strecken-Ausschreibung rein. Diese wird dem Stadtrat Anfang 2017 zur Entscheidung vorgelegt."

Laut Hans Kuhn wünschen sich viele Anwohner einen Bus. Früher hätten einige von ihnen eine Busverbindung abgelehnt, weil sie dadurch mehr Lärm fürchteten. "Mittlerweile wohnen hier aber viele ältere Leute." Und mit zunehmendem Alter werde es schwerer, den ganzen steilen Berg runter zur nächsten Haltestelle zu laufen und zurück.

Stadtsprecher Heinz Braun erläutert auf Merkur-Nachfrage, die Mühlbergstraße als zentrale Anbindung der Fuchslöcher sei extra so breit gebaut worden, weil dort "von Anfang an eine Buslinie geplant war, um das gesamte Baugebiet Fuchslöcher anzubinden". Dies hätten aber damals Anwohner abgelehnt, vor allem in der Verlängerung der Molitorstraße, dem Weißdornweg. Um Durchgangsverkehr zu verhindern, sei deshalb heute auch die Durchfahrt von der Mühlbergstraße in den Weißdornweg gesperrt. "Ursprünglich war geplant, dass die Busse über den Weißdornweg zur Oselbachstraße fahren."