Aussage des Kindes Bubenhauser Mordprozess – Gab es den „Mann mit der Maske“ wirklich?

Zweibrücken · Im Bubenhauser Mordprozess wurde ein Video gezeigt, in dem der Sohn des Opfers mit seiner Großmutter über die Tatnacht spricht.

Mordprozess Bubenhausen Aussage des Kindes
Foto: Rainer Ulm

Wollten sie ihren angeklagten Sohn auf diese makabere Weise aus der Schusslinie nehmen? Am Dienstag wurden im Saal 3 des Landgerichts Zweibrücken mehrere Videos vorgeführt. Gedreht von den Eltern jenes 37-jährigen Mannes, der sich seit dem 27. Mai wegen des Vorwurfs, am Abend des 4. Dezember 2023 seine 33-jährige Ehefrau im Keller eines Zweifamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße umgebracht zu haben, vor Gericht verantworten muss (wir berichteten).

Mann mit Maske soll „frech zur Mama gewesen sein“

Die nun öffentlich gemachten Filmchen zeigen die Befragung des dreijährigen Sohnes des Paares, der sich seit der Festnahme seines Vaters in der Obhut der Großeltern befindet – insbesondere durch die 68-jährige Oma des Kleinen. Sie will darin immer wieder wissen, was er an jenem Abend wahrgenommen habe und wo zu dieser Zeit sein „Papa“ gewesen sei. Die Junge antwortete darauf, er habe „am Bett“ seiner Mutter einen „Mann mit Maske“ gesehen, der „frech zur Mama“ gewesen sei und ihr dann „ein Aua gemacht“ gemacht habe. Woraufhin seine Mutter „oh, oh“ gerufen hätte. Zudem gab der Dreijährige auf Bitten seiner Oma an, dass der „Papa“ zu dieser Zeit „auf der Arbeit“ gewesen sei.

Allerdings konnte eine in diesem Zusammenhang in den Zeugenstand gerufene Psychologin des Homburger Uniklinikums, die sich die Videos bereits zuvor angeschaut hatte, auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Andreas Herzog nicht sagen, ob das „Realität oder Träume“ waren, die der Junge wiedergegeben hatte. Auch sei nicht nachzuweisen, ob sich dessen Schilderungen auf den Tag der Bluttat bezogen haben. Jedoch könne sie auch „nicht ausschließen, dass das Kind etwas Erlebtes geschildert hat“.

Kind wurde in der Nacht weinend im Kinderzimmer gefunden

Wahrscheinlicher erscheint nach derzeitigen Erkenntnissen aber, dass der Junge von dem schrecklichen Geschehen nichts mitbekommen haben dürfte. Denn er war von in jener Nacht herbeigeeilten Polizisten weinend und „Mama“ rufend im Kinderzimmer gefunden worden. Tatort war nach aktuellem Ermittlungsstand der Keller. Dort hatte ein Nachbar die Frau gegen 23 Uhr gefunden.

Tatverdächtiger wusste von engerer Beziehung seiner Frau zu einem Kollegen

Hat sich die Bluttat zwischen 20.30 Uhr und 21 Uhr ereignet? Laut Angaben eines Oberkommissars der Kriminaldirektion Kaiserslautern, der unmittelbar nach der Tat den 37-Jährigen vernommen hatte, berichtete nun im Landgericht, dass der Befragte zunächst angegeben habe, dass sein Sohn gegen 20.30 Uhr ins Bett gebracht worden sei und er danach gemeinsam mit seiner Frau ferngesehen habe – bis er sich um kurz vor 21 Uhr ins Auto gesetzt habe, um zur Nachtschicht zu fahren. Mit einem Umweg über eine Tankstelle in Ixheim, um sich eine Packung Zigaretten zu kaufen, und dann zum Zweibrücker Badeparadies, wo er seinen Pkw abstellte und gegen 21.25 Uhr zu einer Kollegin in den Wagen stieg, die den Anlagenbetreuer zur gemeinsamen Arbeitsstelle bei einem Homburger Autozulieferer mitnahm.

In einer späteren Vernehmung habe der 37-Jährige auf eine entsprechende Frage des Kripobeamten dann zwar zugegeben, von einer engeren Beziehung seiner Frau, die in einem Homburger Möbelhaus arbeitete, zu einem 30 Jahre älteren Kollegen gewusst, jedoch es nicht überbewertet zu haben. „Er hat versucht, die Beziehung herunterzuspielen“, sagte der Ermittler. Demnach habe seine Ehefrau dem Vorgesetzten nur deshalb „Herzchen“ geschickt, die er auf ihrem Handy entdeckt hätte, „weil sie an dessen Position kommen wollte“, sollte der Mann demnächst in den Ruhestand gehen, erzählte der Beamte.

Staatsanwalt geht von Mord „aus Wut und Eifersucht“ aus

Dass den Angeklagten die Beziehung seiner Ehefrau zu dem Arbeitskollegen seinerzeit kalt gelassen haben soll, glaubte ihm Staatsanwalt Rouven Balzer nicht. Er hatte dem 37-Jährigen bereits zu Prozess-Beginn vorgeworfen, die 33-Jährige am Abend des 4. Dezember 2023 im Keller „aus Wut und Eifersucht heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen“ mit einem Schlag gegen deren Kopf und mit 16 Messerstichen ermordet zu haben. Bei diesem Vorwurf wird es wohl bleiben, wenn der Ankläger diesen Mittwoch sein Plädoyer halten wird.