Moment mal

Moment mal Turbulenzen im Sog der Finanzkriseoder: Neustart verschoben Liebe Leserinnen, Liebe Leser, die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat zwar noch nicht getagt, doch hat ein seit Wochen strapaziertes Wort meiner Meinung nach durchaus gute Chancen, zum Wort des Jahres gekürt zu werden: Sie ahnen schon - die

Moment mal

Turbulenzen im Sog der Finanzkriseoder: Neustart verschoben

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, die Gesellschaft für Deutsche Sprache hat zwar noch nicht getagt, doch hat ein seit Wochen strapaziertes Wort meiner Meinung nach durchaus gute Chancen, zum Wort des Jahres gekürt zu werden: Sie ahnen schon - die Finanzkrise. Kaum ein Begriff, der in ähnlichem Maße die öffentlichen aber auch die privaten Diskussionen derart nachhaltig bestimmt wie dieses Synonym für das finanzielle Dilemma globaler Art, inklusive der ihm vorangegangenen (auch persönlichen) Verfehlungen.Drum an dieser Stelle zwei, drei Anmerkungen zur Finanzkrise. Nein, nicht dem so genannten Mainstream, also dieser allgemein zugänglichen Ansammlung von Einstellungen, folgend, sondern einem konkreten Anlass: Die Finanzkrise, so lernen wir inzwischen nämlich, ist nun auch daran schuld, dass sich in Sachen Flughafen bei uns vorerst nichts tun wird. Hatte der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hendrik Hering bereits beim Erstflug der Ryanair anlässlich der neuen Verbindung zwischen der Pfalz und London am 28.Oktober angedeutet, dass das Vorhaben wohl etwas ins Stocken geraten sei, einen Investor für den Airport Zweibrücken zu finden, so ist das Thema nun erstmals offiziell vom Eis. Die Landesregierung geht nicht davon aus, in absehbarer Zeit einen Investor zu finden, der bereit ist, die in der europaweiten Ausschreibung genannten rund 40 Millionen Euro innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren zu investieren. Und auch die Ausschreibung für einen Betreiber wird aufgehoben, weshalb sich in Zweibrücken vorerst nichts ändert.Aber eine solche Entscheidung, die im luftfahrttechnischen Bild dem Einschalten des Umkehrschubs entspricht, öffnet zwangsläufig Raum für Spekulationen. Natürlich kann man unbesehen glauben, dass die Finanzkrise wirklich dran schuld ist, weil in der momentanen Situation jeder potenzielle Investor zweimal überlegt, welches Risiko er eingeht, und natürlich auch die Banken genauestens prüfen, wem sie Geld geben. Man darf aber auch darüber sinnieren, ob es nicht andere Gründe gibt. Geben könnte. Beispielsweise in Verbindung mit dem Flughafen Hahn, den die Frankfurter Fraport auf Biegen und Brechen endlich mit nicht so tiefroten Zahlen sehen will. Hahn steht bundesweit für den Beginn der Billigfliegerei, firmiert je nach Sichtweise und emotionaler Nähe zwischen gehätscheltem Prestigeobjekt der Landesregierung und wenig geliebtem Stiefkind eben der Frankfurter. Ob die Mutmaßung da zu weit hergeholt ist, dass vielleicht aus Frankfurt ein Veto Richtung Mainz geschickt wurde? Weil die Hessen nicht unbedingt taten- und machtlos mit ansehen wollten, wie ein potenter privater Betreiber sich in der Westpfalz richtig schön ein- und ZQW weiter nach vorne bringt. Und damit auf lange Sicht auch Hahn Konkurrenz macht? Man darf zumindest mal drüber nachdenken. Muss auch mal darüber nachdenken, was die jüngste Entwicklung für das Mit- und Nebeneinander von ZQW und Ensheim im benachbarten Saarland bedeutet. Strukturpolitisch sehen beide Landesregierungen ihren jeweiligen Flughafen mit Recht als unverzichtbar, beide sehen ihn natürlich auch als jeweils besser an als den des anderen. Eine Einstellung, die durchaus richtig ist, die es auch sinnvoll erscheinen lässt, finanzielle Morgengaben in Form von Subventionen einfließen zu lassen. Indes drängt sich der Eindruck auf, dass von oben betrachtet und in deutlich zunehmender Entfernung von Zwei- und Saarbrücken kühl kalkulierende Rechner in den Controllingabteilungen interessierter Mitbieter auf lange Sicht zu einem anderen Schluss kommen! Oder gekommen sind?Aber, wie gesagt: Alles nur Spekulationen, und alles nur wegen der Finanzkrise... Michael Klein Chefredakteur