Moment mal

Reichling bleibt einer, der es kann! Aber ob er es auch kann? Moment mal Profi(l)suche oder: Vom Spagatzwischen Demokratur und Diktatie Liebe Leserinnen, Liebe Leser, Zweibrücken scheint ja ganz schön gefragt zu sein: Vom saarländischen Ministerpräsidenten war auf dieser Seite am Wochenende zu

Reichling bleibt einer, der es kann! Aber ob er es auch kann?Moment mal

Profi(l)suche oder: Vom Spagatzwischen Demokratur und Diktatie

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, Zweibrücken scheint ja ganz schön gefragt zu sein: Vom saarländischen Ministerpräsidenten war auf dieser Seite am Wochenende zu lesen, dass Peter Müller unseren Airport für den Abflug nach Mallorca genutzt hat. Ob er hier auch wieder landen wird, ist offen.Weitaus offener als bei Kurt Pirmann. Der will wohl hier landen, denn der 55-Jährige scheint die Rosenstadt als lukrative Destination seines kommunalpolitischen Flugplans auserkoren zu haben. Wie anders ist sein nicht erfolgtes Dementi auf die Frage zu verstehen, ob er sich denn eine Kandidatur als SPD-Mann für das Amt des Oberbürgermeisters vorstellen könne. Der wird irgendwann zwischen September des kommenden Jahres und Ende Februar 2012 gewählt werden müssen, weil die Amtszeit des Amtsinhabers Helmut Reichling am 31. Mai 2012 endet. Auf den (vorläufig) letzten 20 Amtsmonaten muss Reichling einen Teil jener Passagen, die er im Stehsatz für seine Reden zu haben pflegt, wohl noch umschreiben. Den Satz mit der Reaktivierung der Zugstrecke nach Homburg kann er drinlassen, der ist sowieso unschädlich und schockt nicht mal mehr die Menschen mit ausgewiesener "Bimmelbahnophobie". Aber in Sachen Pirmann muss Reichling wohl umtexten. Bislang pflegte er ja immer zu sagen, dass zwischen ihn und Pirmann kein Blatt Papier passe. Das dürfte nun vorbei sein, da offenbar ne ganze Enzyklopädie die beiden trennen könnte.Und das führt automatisch zur Frage, wie denn der künftige OB geschaffen sein muss, da beide ja sehr unterschiedlich sind. Dies auch, zumindest in Person Pirmanns, deutlich untersteichen. Er, der Macher. Von vielen als hemdsärmelig charakterisiert, der weiß, dass ein guter und tragfähiger Kompromiss nur jene Lösung sein kann, die zu 99 Prozent seinem Willen entpricht. Konsens ist für Pirmann wichtig, wenn er denn aus seinem Stall kommt und seinen Namen trägt. Immerhin: Pirmann ist einer, der die seit gut einer Dekade währende Depression der SPD in Zweibrücken beenden könnte. Der umtriebige, allseits geschätzte Chef im Zweibrücker Land kann die SPD zurück an die Spitze führen - was erwarten lässt, dass die Genossen im Vorfeld seiner potenziellen Nominierung zu allen möglichen Zugeständnissen bereit sein werden. Pirmann wird dazu lachen. Verschmitzt. Und so wie immer.Reichling dagegen muss bangen, denn er steht allein auf weiter Flur. Seinen Visionen, die ihm bei seiner Wahl prozentual überaus reiche Ernte beschert haben, sind nur in den seltensten Fällen Taten gefolgt. Weil er in der Partei, die bei der Wahl außen vor war, nur ungenügend verortet ist, im Rathaus auch nicht den Befreiungsschlag geschafft hat. Was an der Art liegen mag, dass er richtige Ziele richtigerweise erkannt hat, auf dem Weg dorthin aber nicht alle mitnimmt oder sogar manche verliert. Woran das liegt? Vielleicht im Auftreten und in der übergroßen Eloquenz, die begeistert aber auch Beklemmung auslöst. Reichling bleibt einer, der es kann! Aber ob er es auch kann? Auch in zwei Jahren noch, wenn weitere Vorhaben in überlangen Diskussionsprozessen zu Grabe getragen sein werden. Der bekannten "Team"-Fähigkeit geschuldet, deren Abkürzung nicht nur von Spöttern in der Ausformulierung "Toll, ein anderer macht's!" sarkastisch mit Inhalt gefüllt wird.Jede Wette: Ab sofort wird - übrigens auch auf die noch zögerliche CDU - genauer hingeschaut, wer das rechte Maß findet, sich zwischen notwendiger Demokratur und oft hilfreicher Diktatie traumwandlerisch sicher zu bewegen - je nachdem, was gerade gefragt ist: Eine klare Ansage im Sinne einer positiven Diktatur oder das Werben um andere und den gemeinsamen Weg, im Sinne klassischer Demokratie. Michael Klein Chefredakteur