moment mal

Benutzen Sie beim Auspusten einen dünnen Strohhalmoder eine Einwegspritze mit Kanüle! moment mal Hurra, wir leben noch! oder: ZuRisiken und Nebenwirkungen . .

Benutzen Sie beim Auspusten einen dünnen Strohhalmoder eine Einwegspritze mit Kanüle!moment mal

Hurra, wir leben noch! oder: ZuRisiken und Nebenwirkungen . . .

Liebe Leserinnen, Liebe Leser, kennen Sie Eva? Ich nicht! Was die Dame aber nicht davon abhält, mir mitzuteilen, dass es ihr früher ja gar kein Vergnügen bereitete, einen Badeanzug kaufen zu gehen. Jetzt liebt sie es geradezu. Und sie hat riesigen Spaß dabei, sich im Spiegel zu betrachten. Schreibt sie mir, wobei ich sie nicht mal kenne - das erwähnte ich aber eingangs schon mal, zur Sicherheit, glaube ich! Dennoch mache ich mir die Mühe, die elektronische Post zu öffnen, mehr aus journalistischer Neugier denn aus Voyeurismus. Mein Auge gleitet erfreut über formvollendete weibliche Kurven, verweilt bewundernd - und so weit dies im dienstlichen Tagesablauf statthaft ist - auf dem Dargebotenen, wobei ich mich bemühe, mir alles einzuprägen, auch die Fachtermini dieses "einzigartigen Drei-Komponenten-Systems". Dann lese ich all die ehrlichen, teils aber auch schlüpfrigen Bekenntnisse: Eva und Co schreiben dort, welch glückliche Fügung ihr Leben genommen hat, ohne dass ein Chirurg Hand angelegt hat. Sie schreiben es im Auftrag eines Institutes, welches damit sein Geld verdient. Interessant, rein wissenschaftlich gesehen. Ich schließe die Mail, denn just in dem Moment kommt meine Assistentin durch die Tür. Es gelingt mir gerade noch, sie einem interessierten älteren Kollegen weiterzuleiten. Die Mail . . .Eva aber lässt mich nicht mehr los. Sie hat's gut, denke ich, sie kann sich wieder im Badeanzug zeigen. Und ich? Über Ostern ist ein bisschen Erholung angesagt, ein paar Tage in der Sonne, ein paar Tage in der Badehose. Und glauben Sie mir: Das Kaufen derselben war wahrlich kein Vergnügen. Und ob das Tragen Spaß macht? Immerhin, sie hält, rutschsicher sitzt sie fest.Im heimischen Garten strecken derweil die ersten Osterglocken vorsichtig ihre gelben Blüten der Sonne entgegen, erste zarte Vorboten des Frühlings, so er denn bleibt, und des nahenden Osterfestes (das ist sicher!). Man kann sich darauf freuen, auch wegen der paar freien Tage, die die meisten von uns über die Feiertage haben. Oder besser: Man könnte sich freuen, ihnen unbeschwert entgegen sehen, fernab aller neunmalklugen Ratschläge, die zu erteilen heutzutage offensichtlich schwer en vogue ist. Nur mehr skurril kann man die Blüten (um in der Sprache zu bleiben) bezeichnen, die einem heute tagein tagaus begegnen. Dass Geiz geil ist, haben wir längst verinnerlicht, und dass wir zu Risiken und Nebenwirkungen nicht nur unseren Arzt oder Apotheker fragen, das lernen wir sicherlich auch noch. Bevor wir uns also an den Osterglocken erfreuen, denken wir daran, dass alle Pflanzenteile und auch das Blumenwasser giftig sind und dass der Kontakt damit demnach also schwere Vergiftungserscheinungen nach sich ziehen könne. Wen das überrascht, den erinnert eine entsprechende Mitteilung aus dem Info-Center einer Krankenversicherung vorsichtshalber daran.Derweil warnt die andere just in time vor der übergroßen Salmonellen-Gefahr beim Auspusten der Ostereier. Die klugen Köpfe, die dahinter stecken, entblöden sich nicht mal, den Ratschlag zu geben, nur saubere und frische Eier auszublasen. Außerdem solle man die Eier vorsichtig anbohren und die verwendeten Werkzeuge gründlich reinigen. Und natürlich solle man beim Pusten einen dünnen Strohhalm verwenden, eine Einwegspritze mit Kanüle oder einen speziellen Blasebalg, den es in Bastelgeschäften und Drogerien zu kaufen gibt, denn so komme der Mund nicht mit der Eierschale in Berührung. Würde es mich und würde ich Sie am Ende damit nicht langweilen, ich könnte Ihnen noch fünf weitere bedeutungsschwangere Tipps zitieren.Doch ich ende an dieser Stelle. Hocherfreut darüber, dass ich jetzt endlich weiß, für welch segensreiche Informationen ein Teil meines Krankenkassen-Beitrages und auch Ihres Beitrages Verwendung findet, was dann natürlich für die Schräglage unseres Gesundheitssystems mitverantwortlich ist. Aber noch viel froher darüber, dass ich Ihnen heute überhaupt noch schreiben kann. Eingedenk der Tatsache, dass wir vor Jahren absolut alles falsch gemacht haben - wider alle nicht vorhandenen Ratschläge haben wir die Ostereier ohne Kanülen ausgeblasen, sie bunt bemalt und dann an die blühenden Sträuße aus Weidenkätzchen (durften wir das?) und/oder Osterglocken gehängt. Und wir haben es überlebt. Welch ein Glück!Darüber denke ich nach, im Urlaub. Versprochen!Und sollte ich beim Denken einmal Gefahr laufen, was falsch zu machen, wird mir schon einer rechtzeitig ne Warnung mitgeben. Hoffe ich doch. Michael Klein Chefredakteur