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Und beide wissen: Das Telefon bleibt stumm! moment mal Gebrauchsanweisung für die ersten Tage oder: Der Sinn der sinnfreien Frage Lieber Leserinnen, liebe Leser, na, haben Sie das neue Jahr gut angefangen? Gut reingerutscht? Und gut gefeiert? Mit Familie und Freunden? Oder eher im kleinen Rahmen? Wer weiß

Und beide wissen: Das Telefon bleibt stumm!moment mal

Gebrauchsanweisung für die ersten Tage oder: Der Sinn der sinnfreien Frage

Lieber Leserinnen, liebe Leser, na, haben Sie das neue Jahr gut angefangen? Gut reingerutscht? Und gut gefeiert? Mit Familie und Freunden? Oder eher im kleinen Rahmen? Wer weiß schon, was es bringt? Ob es besser wird als null-neun?Sieben auf einen Streich! Fragen! Und die Reihe ließe sich wahrscheinlich bequem und ganz problemlos fortsetzen - ohne rhetorische Kapriolen zu fabrizieren. Wenn man sie beherrscht, die Kunst des Smalltalks, also der beiläufigen Konversation ohne Tiefgang. Vornehmlich getragen von sinnfreien Fragen. Und die haben augenblicklich Hochkonjunktur. Kein Wunder, bei all den Neujahrsempfängen, die uns noch bis in den Februar rein begleiten werden. Als wohlerzogener Mensch belässt man es halt beim Händeschütteln nicht nur beim Austausch solch tief schürfender Phrasen wie "Alles Gute", nein, man zeigt Interesse am Anderen, der einem oftmals zufällig über den Weg läuft. Kein Wunder, wenn sich Hunderte aus demselben Anlass treffen.Zugegeben, das mag sich etwas spöttelnd lesen, und dennoch ist es die reine Wahrheit. Beobachten Sie sich doch einfach mal selbst in den nächsten Tagen, wenn Sie möglicherweise bei einem der Neujahrsempfänge anwesend sind, ganz gleich an welchem Ort. Die Konversation ist dieselbe, einzig Ihre Rolle wechselt: Sind Sie schneller, dann fragen Sie. Sind Sie langsamer, dann werden Sie gefragt! Und man antwortet Ihnen, oder Sie antworten. Jäger und Gejagter! Bewaffnet mit den untrüglichen Zutaten des Smalltalks, die aus dem Werkzeugköfferchen der hohen Diplomatie stammen: In der Regel beschränkt sich das Handwerkszeug auf ein Sektglas, in das wahlweise das prickelnde Getränk, auch schon mal gemischt mit O-Saft oder gar O-Saft pur (für die Menschen mit den noch nicht dahingeschiedenen guten Vorsätzen) eingeschenkt ist, und etwas Kleines zum Essen zwischendurch: Laugengebäck, Häppchen oder etwas deftiger, mit Serviette kredenzt oder auch auf dem Teller. Das Ganze im Stehen. Da muss man sich konzentrieren.Auf das Wesentliche. Sinnreiche Gespräche ziehen da den Kürzeren, sie können eigentlich kaum zustande kommen. Selbst dann nicht, wenn Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner gerade doch noch ein zwei Gesprächsstufen nach oben gekämpft haben. Denn dann stößt irgendeiner von rechts oder links zu Ihnen, um Sie mit seinen überlegten Fragen (siehe oben) wieder in die Niederungen der Kommunikation zu reißen. Kalt lächelnd, mit einem "Alles Gute fürs neue Jahr" auf den Lippen, streckt er Ihnen - so gut es mit Sektglas und Häppchen geht - die Hand zum Gruß entgegen. Schnell werden ein, zwei Plattitüden getauscht. Dann ist er weg, der Gesprächspartner, samt Gesprächsfaden übrigens ebenfalls.Und es bleibt nur noch das Verbandszeug aus dem Erste-Hilfe-Köfferchen des Smalltalk: Das schnell hinterher gerufene Versprechen beziehungsweise die Aufforderung "Lassen Sie uns doch die Tage mal telefonieren!" "Ja, gerne", wird der andere als höflicher Mensch returnieren. Und beide wissen: Das Telefon bleibt stumm.In diesem Sinne Ihnen alles Gute im neuen Jahr und anregende Gespräche in den kommenden Tagen! Michael Klein Chefredakteur