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Mittelbacher Chor Gospel and Praise

Gospel and Praise : Beschwingt, unterhaltsam und lehrreich

Der Mittelbacher Chor Gospel and Praise gab am Sonntag sein „Heimatkonzert“ in der protestantische Kirche. Die Gruppe um Chorleiter Wolf-Rüdiger Schreiweis hatte ihr Publikum mal wieder im Griff.

Eine voll besetzte protestantische Kirche in Mittelbach, tolle Stimmung und ein gut aufgelegter Chorleiter – so gestaltete sich am Sonntag das Jahreskonzert des Mittelbacher Chors Gospel and Praise. Das Singen von christlichen Liedern ist tatsächlich „in“ – solange es sich um beschwingte Gospelsongs handelt. Diese müssen übrigens nicht zwangsläufig aus den USA stammen. Nein, offenbar komponieren mittlerweile auch Europäer, vorzugsweise Skandinavier, die mitreißende Kirchenmusik.

Jedenfalls: Ob das nun Balladen waren oder flotte Soulstücke, der 15-köpfige Frauenchor machte seine Sache mehr als gut. Gefühlvoll begleitet wurden die Sängerinnen von einem Instrumentaltrio, bestehend aus Hermann Dering (Keyboard), Andreas Dengel (E-Bass) und Simon Rupp (Schlagzeug).

Chorleiter Wolf-Rüdiger Schreiweis war wiederum ein Erlebnis für sich: Nicht nur, dass er leidenschaftlich dirigierte und so manches Mal noch eine tiefe Stimme beisteuerte. Nein, er lieferte auch eine Louis Armstrong-Imitation ab oder betätigte sich als Gospel-Vorsänger. In seiner launigen Moderation hatte er immer wieder Sprüche auf Lager, mit denen er das Publikum erheiterte. „Wir trinken Bier für den Regenwald – da können Sie auch Sekt für den Chor trinken“ lautete so einer, oder am Ende, beim Wunsch nach einer Zugabe: „Sie treffen uns tatsächlich völlig vorbereitet.“

Aber man lernte auch etwas bei den Ansagen von Schreiweis: Etwa dass die Fußballhymne „You’ll never walk alone“ – bekannt zum Beispiel aus den Stadien in Liverpool, Dortmund oder Mainz – aus einem Broadway-Musical von 1945 stammt und dass von ihren berühmten Interpreten Frank Sinatra der erste war. Er warte drauf, dass das Lied mal in einem Gottesdienst gesungen werde – damit regte Schreiweis durchaus etwas Sinnvolles an, denn textlich passt der Song sehr gut zur christlichen Glaubenslehre. Schön war auch die Idee, dem Publikum zum Mitsingen den Text auszudrucken – Stadionatmosphäre im Gotteshaus.

Mit weltlichen Liedern hat Gospel and Praise keine Berührungsängste, das zeigte schon der Block im ersten Teil mit „What a wonderful world“ (mit besagter Armstrong-Parodie), dem Liebeslied „Love is all around“ von Wet Wet Wet und dem recht aktuellen „No roots“ von Alice Merton.

Den Titel fürs Programm hatte der Gospelsong „Nobody but you, lord“ geliefert – auch dieser wurde schnell mit dem Publikum einstudiert und intoniert, dass es eine Freude war. Immer wieder bewiesen Solo-Passagen, dass der Chor auch über gute Einzelsängerinnen verfügt. Als Schlusslied eignete sich das rockige „I will follow him“ gut – stehende Ovationen waren die absehbare Folge für ein tolles Konzert.

„Völlig vorbereitet“ erklang daraufhin das jüdische Friedenslied Hevenu Schalom Alejchem; als das Publikum danach immer noch keine Ruhe gab, traf das den Chorleiter und die Band doch etwas unvorbereitet. Aber dann einigte man sich schnell auf eine Wiederholung von „Nobody but you, lord“. Wieder sangen alle mit und sogar weiter, als der Chor schon nach draußen gegangen war.

„Sehr empfehlenswert, super, perfekt, ganz klasse“, lautete da das Urteil von Brigitte Blinn aus Wörschweiler: „Die Stimmung, der Chorleiter, der ganze Chor – einfach eine tolle Truppe.“ Auch eine Barbara aus Zweibrücken fand nur positive Adjektive: „Supergut, klasse, prima, fantastisch. Das war ein super Sound, jede Sängerin für sich hat ein gutes Standing, ich bin begeistert.“

Gospel and Praise ist auch ein Verein, dessen Vorsitzende Simone Blatt natürlich mitsingt. Sie meinte, es sei immer etwas Besonderes, in der Heimatgemeinde aufzutreten. „Die Leute kommen schon mit der Erwartung, dass sie singen dürfen. Dann ist das immer so ein bisschen wie daheim.“

Dass keine Männer (abgesehen von Schreiweis) mitsingen, habe sich so ergeben, da habe man aus der Not eine Tugend gemacht. Jetzt wäre es natürlich für einen einzelnen Mann schwierig, wenn er dazu käme. Dann müsste er seine Stimme alleine singen. Und es funktioniert ja auch so hervorragend. Fazit Simone Blatt: „Ich glaube wirklich, dass den Chor ausmacht, dass man meint, was man singt. Da sind mit Sicherheit nicht alle Töne richtig. Aber wir sind eine Gemeinschaft, und ich denke, dass wir das ganz oft transportieren können.“