Mittelaltermarkt Zweibrücken Feiern und Spektakel à la Mittelalter

Zweibrücken · Am Landgestüt konnten die Besucher wieder in vergangene Jahrhunderte abtauchen.

 Feuerfresser Micha und Gaukler Timolino machten mit ihrer Fackel-Jonglage Lust auf die spätere Feuerschau.

Feuerfresser Micha und Gaukler Timolino machten mit ihrer Fackel-Jonglage Lust auf die spätere Feuerschau.

Foto: Cordula von Waldow

„Wollt Ihr mehr?“ – „Ja“. „Wollt Ihr uns sehen und hören?“ – „JA!“ – „Wollt Ihr uns brennen sehen?“ – „JAAAAA!“ Dreimal musste der stimmgewaltige Gaukler Timolino, unterstützt von dem Trio Cumlautre mit einem Dudelsack, sein Publikum animieren, bis er auch mit dessen Lautstärke zufrieden war. Dabei bot allein der vielseitige Mittelalterkünstler auf dem ersten Mittelaltermarkt im Landgestüt nach der Zwangspause beste Unterhaltung. Er jonglierte mit Messern, Kegeln oder Bällen und balancierte dabei eine große Silberkugel auf einem Hochstab auf seiner Nase. Im Licht der untergehenden Sonne leuchtete sie wie pures Gold. Seine Jonglage mit Fackeln, die er sich mit Micha dem Feuerfresser zuspielte, war die Einladung zur spätabendlichen Feuerschau. Doch bis dahin hatten die Besucher genügend Zeit, die Köstlichkeiten der Stände und Tavernen zu genießen, von Steak bis vegan. „Rettet die Fische! Esst mehr Crêpes!“ warb etwa das witzige Schild an der Süßbäckerey.

Die Geschäfte der Handwerker und Händler liefen am Sonntagmittag deutlich besser. Überall standen vor allem Besucher in mittelalterlicher Gewandung, interessierten sich für historische Techniken und ließen sich bei der Auswahl beraten.

Die Kinder hatten ihren Spaß nicht nur auf dem nostalgischen Holzkarussel, beim Bogenschießen, Feenfänger basteln oder dem Griff in die kleine Schatztruhe. Die Kleinsten durften selbst in ihrer festlichen Gewandung nach Herzenslust in der teichgroßen Pfütze gleich im Eingangsbereich spielen, plantschen und matschen.

Hier hatten auch Jörg und Petra von JP-Manifakturum ihr Lager aufgebaut. „Wir erinnern an die Zeit der Wikinger, alles hier ist selbst gemacht“, erklärte der gelernte Aufzugbauer den Namen (manu-faktum = von Hand gemacht) mit Blick auf die reich verzierten Thronstühle oder das im Zelt sichtbare Doppelbett aus massivem Holz stolz. „Die Menschen sollen sehen, dass es auch ohne Elektrizität geht“, ergänzte er mit Blick auf die offene Feuersteller von der das „Essen einfach ganz anders schmeckt, viel besser“.

Das Paar freute sich über das freundschaftliche Lagerleben mit den weiteren Gruppen und über das Interesse der Besucher. Andrej Tabler (39) war eigens aus Trier angereist und staunte über sein Talent im Axtwurf. Er lobte die schöne Atmosphäre und das vielfältige Angebot.

Höhepunkt war am Samstagabend die Feuerschau. Zusammen mit Multitalent Timolino und dem höchst beeindruckenden Feuerfresser inszenierten die Spielleute und die Tänzerinnen der Bauchtanzgruppe Anima Serpentis  eine eher lyrische, tänzerische Darbietung, bei der die Bewegungen der gewandeten und bemalten Frauen im Feuerschein besonders gut zur Geltung kamen.

 Zufrieden war der Verein Historische Märkte und Feste. „Für Zweibrücken war es richtig gut! Trotz der Hitze sind viele gekommen“, befand Mario Vojvoda. Warum die Besucherzahlen bei dem großen Markt in der ehemaligen Herzogstadt mit seinem facettenreichen Angebot hinter dem enormen Zustrom bei selbst deutlich kleineren Veranstaltungen in den Saarländischen Provinzen zurück bleibt, hat der Sprecher und Organisator, der selbst Zweibrücker ist, in in all den Jahren nicht ergründen können. Und trotzdem steht bereits fest: „Wir kommen auch nächstes Jahr wieder ans Landgestüt.“