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Missbrauchsprozess in Zweibrücken: Jetzt spricht der Sohn

Missbrauchs-Prozess vor dem Landgericht : „Wir haben fast täglich Schläge gekriegt“

Im Missbrauchs-Prozess hat am Montag vor dem Zweibrücker Landgericht ein Sohn der Angeklagten ausgesagt.

  Er ringt minutenlang um Fassung und versucht vergeblich, seine Tränen zurückzuhalten: Am Montag hat die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken einen der drei Söhne des Ehepaares als Zeugen gehört, der als eines von sechs Kindern im Zeitraum 1989 bis 2011 von seinen Eltern gequält worden sein soll. Deshalb steht seit vergangenen Woche die 59-jährige Mutter vor Gericht, der Staatsanwalt Martin Kiefer zum Prozessauftakt zur Last gelegt hatte, ihre Kinder gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann „in die Gefahr einer erheblichen Schädigung ihrer geistigen und seelischen Entwicklung gebracht (zu) haben“. Deshalb warf er der Frau, die inzwischen in Ramberg im Landkreis Südliche Weinstraße lebt, Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Zudem muss sich die 59-Jährige wegen Betrugs verantworten. Denn sie soll – ebenfalls gemeinsam mit ihrem Ehemann – zwei ihrer Töchter veranlasst haben, sich gegenüber Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Rheinland-Pfalz wie schwer behinderte Kinder zu verhalten, um das Pflegegeld kassieren zu können.

Laut Anklage soll die gebürtige Pirmasenserin davon Kenntnis gehabt und zugelassen haben, dass ihr Ehemann die Kinder misshandelt und manchmal sogar selbst handgreiflich geworden sein. Die Frau hatte nach eigenen Angaben bereits mit 16 Jahren ihr erstes Kind bekommen und dann mit ihrer immer größer werdenden Familie zunächst in Frankreich, dann in Zweibrücken und schließlich in Bruchweiler-Bärenbach im Landkreis Südwestpfalz gelebt.

Am Montag bestätigte der inzwischen 38-jährige Sohn der Angeklagten, bis zu seinem 18. Lebensjahr vom Vater verprügelt worden zu sein. Damals habe ihm der Mann aus nichtigem Anlass einen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Danach habe er die elterliche Wohnung verlassen und zeitweilig sogar „auf der Straße“ gelebt. „Wir haben fast täglich Schläge gekriegt“, berichtete er über das Martyrium, das er und seine Geschwister durchmachten. Einmal, als er gerade acht oder neun Jahre alt gewesen sei, habe ihn seine Mutter unter die Kellertreppe gelockt („Sie hat mich reingelegt“), wo bereits der Vater wartete und unversehens mit einer Luftpumpe auf ihn eindrosch. Gewehrt habe er sich nicht: „Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt.“

Ein anderes Mal habe die Mutter dem Jungen ein Küchenbrett vor die Stirn gehalten, um es ihrem Mann zu ermöglichen, dem Kind mit einem Fleischhammer gegen die Stirn zu schlagen. So sollten verräterische Abdrücke verhindert werden, um die Gehirnerschütterung, die der Junge davongetragen hatte, als Folge eines „Unfalls“ darstellen zu können. Das Ehepaar wollte das Krankentagegeld für die stationäre Behandlung des Sprösslings einstreichen. Und tatsächlich musste der Junge drei Monate ins Krankenhaus. Das Vorgehen sei mit ihm abgesprochen gewesen und ihm als Belohnung ein Mountainbike versprochen worden, wenn er mitspiele: „Ich hatte ein Verpflichtungsgefühl.“ Das allerdings von erheblichen Schmerzen begleitet wurde. Seine Mutter soll sein Wehklagen seinerzeit nur mit den Worten abgetan haben, er solle sich doch „nicht so anstellen“, wie der 38-Jährige am Montag berichtete.

Die Verhandlung wird am kommenden Donnerstag um 9.30 Uhr fortgesetzt.