Michael Schubert neuer Vorsitzender „Historischer Verein Zweibrücken“ Jugend für Vergangenheit begeistern

Zweibrücken · Michael Schubert will als neuer Vorsitzender des Historischen Vereins Zweibrücken in Zukunft verstärkt jüngere Menschen für geschichtliche Themen begeistern. Ideen, wie das gelingen könnte, hat er bereits.

 Michael Schubert auf dem Herzogplatz, im Hintergrund sein Büro. Seit 18. Mai ist der Vorsitzende Richter am Zweibrücker Landgericht der neue Vorsitzende des Historischen Vereins.

Michael Schubert auf dem Herzogplatz, im Hintergrund sein Büro. Seit 18. Mai ist der Vorsitzende Richter am Zweibrücker Landgericht der neue Vorsitzende des Historischen Vereins.

Foto: Elisabeth Heil

Michael Schubert ist seit Mai der neue Vorsitzende des Historischen Vereins Zweibrücken. Der belesene und seit seiner Jugend geschichtsinteressierte Jurist freut sich auf seine neue Aufgabe. „Wenngleich mein Vorgänger Max Krumbach ein toller Vorsitzender war. Ich hätte ihn wiedergewählt“, versichert er. Am Konzept möchte er daher auch gar nicht viel verändern, vielmehr Ideen entwickeln, um neue, vor allem junge Mitglieder für den Historischen Verein zu gewinnen. „Wenn wir in zehn Jahren noch bestehen wollen, müssen wir neue Mitglieder gewinnen, aber da geht es uns nicht anders, als vielen anderen Vereinen“, sagt Schubert. „Es wäre wirklich schade, wenn uns das in Zweibrücken mit seiner tollen Geschichte nicht gelänge. Ich bin fast schon ein bisschen stolz darauf, in einer Stadt zu leben, in der Geschichte allgegenwärtig ist“, schwärmt der 62-Jährige.

Weil er es wichtig findet, diese auch zu erzählen, arbeitet Michael Schubert seit ein paar Jahren als Stadtführer. Dabei zeigt er Interessierten „seine“ Stadt und führt sie zu seinen Lieblingsplätzen. Zum Zweibrücker Schloss oder auf den Herzogplatz, zur Villa Schwinn und all den anderen, geschichtsträchtigen Fleckchen, von denen es in Zweibrücken eine ganze Menge gibt. „Ich erinnere mich noch, es war in meiner Mittagspause. Auf Facebook las ich einen Post der Stadt Zweibrücken: ,Stadtführer gesucht‘. Das machte mich neugierig. Während meiner Ausbildung dann zum Stadtführer merkte ich, wie hochinteressant und spannend die Geschichte dieser kleinen, manchmal verschlafen anmutenden Stadt überhaupt ist, in der ich seit Mitte der 90er Jahre lebe.“

Der gebürtige Niedersachse kam damals nach dem Studium in Würzburg und weiteren Stationen, zuletzt in Darmstadt, zur Zweibrücker Staatsanwaltschaft. „Fast hätte ich sogar in Saarbrücken studiert, aber der Liebe wegen hatte es mich nach Bayern verschlagen“, erzählt Schubert. „Da fällt mir ein, was mich an der Zweibrücker Geschichte besonders fasziniert ist die Tatsache, dass es der Freistaat Bayern Zweibrücken zu verdanken hat, dass er nicht zu Österreich gehört. Das kann man übrigens schön in ,Der Diplomat‘ von Ralf Kurz nachlesen – ein faszinierender Roman, der zeigt, wie spannend Geschichte sein kann – sehr beeindruckend.“

Ideen, wie man junge Zweibrückerinnen und Zweibrücker an den Verein heranführen und für historische Themen begeistern kann, hat er durchaus. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Historische Verein zum Beispiel einen Preis auslobt für eine Facharbeit im Leistungskurs Geschichte, die ein Zweibrücker Thema behandelt. Auf jeden Fall wollen wir der jungen Generation zeigen, dass wir keine verstaubten alten Leute sind, sondern durchaus bereit sind, ihnen zuzuhören“, erklärt Schubert.

Toll findet er in diesem Zusammenhang auch, was Charlotte Glück, die Leiterin des Stadtmuseums, bereits auf den Weg gebracht hat: das Konzept der „Peer education“. „Dabei führen Schüler ihre Klassenkameraden durch eine Ausstellung und fordern so dazu auf, sich anhand der Exponate mit Themen auch der aktuellen Geschichte, der Gegenwart, auseinanderzusetzen. Der Bezirksverband Pfalz unterstützt das Projekt finanziell. Den Auftakt machte Ende 2018 die Anne-Frank-Ausstellung. Zuletzt begleiteten die jugendlichen Peer-Guides die Wanderausstellung „Gurs 1940“.

„Projekte wie diese sind ein toller Ansatz, junge Menschen für Geschichte zu begeistern“, betont Michael Schubert. „Denn wie heißt es so schön, man kann die Gegenwart nur begreifen, wenn man seine Vergangenheit kennt. Ohne Geschichtskenntnisse geht es nicht. Wozu das führen kann, zeigt das aktuelle Weltgeschehen. Es ist unfassbar, dass es möglich ist, dass ein russischer Machthaber die Geschichte manipuliert, um seinen Angriffskrieg auf die Ukraine zu rechtfertigen.“

Hauptzweck des Historischen Vereins ist, das Interesse an der Geschichte der Stadt Zweibrücken und damit verbunden der Geschichte des ehemaligen Herzogtums Pfalz-Zweibrücken zu wecken, Denkmäler und historische Zeugnisse zu erhalten, die Regionalgeschichte zu erforschen und Veröffentlichungen zu fördern. Der Verein gehört zum Historischen Verein der Pfalz und arbeitet mit ähnlich ausgerichteten Vereinen in der Pfalz und im Westrich zusammen. Vortragsveranstaltungen, Workshops und Exkursionen dienen diesem Zweck.