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Mia Julia: Auftritt der Sängerin bei Strandkorb Open Air sorgt für Unmut

Erotik-Darstellerin und weitere Ballermann-Stars in Zweibrücken : Strandkorb Open Air: Ärger um Auftritt von Sängerin Mia Julia

Beim „Strandkorb Open Air Rheinland Pfalz olé“ in Zweibrücken wurden fast 1500 Stimmungsmusik-Fans nach Mallorca entführt. Um den Auftritt von Sängerin Mia Julia gab es jedoch Unmut.

Am Ballermann scheiden sich die Geister: Während dieser Strandabschnitt auf Mallorca von den einen als Ziel aller Träume angesehen wird, rümpfen die anderen die Nase und wollen nichts mit der dort herrschenden Kultur zu tun haben. Die besteht nämlich in der Hauptsache im heftigen Konsum von Alkohol und dem lautstarken Mitgrölen einfacher Melodien. Dass die Sehnsucht nach dem Ballermann groß ist, zeigte sich bei der „Rheinland-Pfalz olé“ titulierten Show am Freitagabend auf dem Flugplatz Zweibrücken: Sie war fast ausverkauft.

Ärger um vorverlegten Auftritt von Mia Julia

 Ausgelassene Stimmung herrschte auf dem Flugplatz Zweibrücken beim Strandkorb-Event „Rheinland-Pfalz olé“ mit vielen Ballermann-Stars.
Ausgelassene Stimmung herrschte auf dem Flugplatz Zweibrücken beim Strandkorb-Event „Rheinland-Pfalz olé“ mit vielen Ballermann-Stars. Foto: Sebastian Dingler

Bei dem Strandkorb-Konzert (das Festival läuft noch bis 29.8.) traten so einige Stars auf, die normalerweise am zentralen Veranstaltungsort des Ballermanns, dem „Bierkönig“, zu finden sind. Die Sängerin Mia Julia hat sich dort einen Namen gemacht. Wobei dazu nicht unerheblich beigetragen haben dürfte, dass die 35-jährige zuvor als Pornodarstellerin gearbeitet hat – und das offenbar auch wieder tut laut Wikipedia. Eigentlich hätte die Blondine zum krönenden Abschluss der Show auftreten sollen. Kurzfristig hatte sich aber ein weiteres Engagement für sie in über 300 Kilometern Entfernung aufgetan, sodass sie bereits um 17 Uhr auf die Bühne kam. Wie man einigen Kommentaren auf Facebook entnehmen konnte, verärgerte diese Verlegung einige Kartenbesitzer sehr – mussten sie doch plötzlich eine Stunde früher auftauchen um den Top-Act zu erleben.

Vielleicht war es die frühe Uhrzeit, vielleicht auch die kühlen Temperaturen, die dafür sorgten, dass Mia Julia eine durchgehend jugendfreie Show lieferte. Lange Ärmel und lange Hosen, ein tiefer Ausschnitt: Mehr gab es da nicht zu sehen. Leider auch nicht über die beiden Monitore an den Bühnenseiten – diese kamen erst am Abend zum Einsatz.

Aber Stimmung machte die Sängerin schon am späten Nachmittag. Sie selbst habe sich ein bisschen Sorgen darum gemacht, ob sie das Publikum schon so früh zur Party animieren könnte. Das war unnötig, denn so gut es die Bedingungen eines Strandkorb-Konzerts zuließen, machten die Leute mit. „Wo sind die Ladys, die auch Bier trinken wie ich?“, fragte Mia Julia, woraufhin ihr ein großes „Hier“ entgegen schallte. Oder: „Wer sind die Geilsten?“ – „Wir sind die Geilsten“, kam es aus den Strandkörben.

Die Hits „Ich bleib hier“ und „M.I.A. Meine Gang“ wurden ausgiebig zelebriert, sogar eine Zugabe war trotz des Zeitdrucks am Ende drin. Ein bisschen Normalität liegt in der Luft“, meinte der Star erleichtert und stimmte die Hymne auf ihren Lieblingsort an: „Mallorca, da bin ich daheim“.

Für die darauffolgenden Ballermann-Stars war die Messlatte nun hochgelegt, doch Sabbotage, Jenice, Specktakel, Noel Terhorst und Norman Langen (nein, hier macht der Merkur keine Tippfehler) hielten die Stimmung hoch – und dann kam ein Star auf die Bühne kam, der gar nicht so direkt mit dem Ballermann in Verbindung gebracht wird: Schlagersängerin Michelle. Plötzlich war Mitgrölen weniger angesagt, plötzlich ähnelte die Show mehr einem Konzert als einer Party. Auch sang Michelle komplett live, was man nicht von jedem Act behaupten konnte. Zu merken war das auch daran, dass Michelle ziemlich heiser wirkte. Trotzdem traf sie die Töne gut. Auch ihren Hit „Idiot“ brachte die 49-jährige. Den hatte sie als Duett mit ihrem damaligen Partner Matthias Reim eingesungen. Weniger professionell kam rüber, dass der Reim-Ersatz Lorenz Büffel den Text ablesen musste.

Schnell ging es nach Michelle zurück nach Mallorca. DJ Olde musste dabei allerdings den Spagat bringen, einerseits typische Stimmungsmusik abzuspielen und andererseits seine selbst produzierten Songs irgendwie ans Ohr zu bringen. Der Vorderpfälzer ist Musikproduzent und hat derzeit mit „Waterdrops“ einen kleinen Hit. Außerdem holte er den Sänger und einstigen DSDS-Finalisten Michael Rauscher auf die Bühne. Die beiden haben für einen radiotauglichen Song zusammengearbeitet.

Anschließend war die Bühne frei für Frenzy Blitz, die wiederum ihren originalen „Mallorca Style“ abfeierte. An Animation ließ die Sängerin nichts aus: „Zweibrücken, seid ihr noch da? Könnt ihr noch?“ Ja, die Leute konnten noch und ließen sich mitreißen vom Temperament der quirligen 27-jährigen. „Jung blöd besoffen“ lautete einer ihrer selbstironischen Mitgrölsongs.

Den Abschluss durfte dann der Österreicher Lorenz Büffel machen. „Wo sind meine Zweibrückener Mallorquiner?“, fragte er gleich mal, um die Leute wach zu machen. Wer sich noch nie mit der Lyrik von Ballermann-Songs befasst hatte, bekam von Büffel ein besonders eindrucksvolles Beispiel geliefert: „Gina-Lisa, oh Gina-Lisa, komm und spiel mit deinen Glocken“ scheint einer seiner großen Hits zu sein. Vollkommen falsch wäre es gewesen, an dieser Stelle den Besuch der Show abzubrechen. Denn dann hätte man dieses Wunderwerk der Poesie noch bis zu Hause als Ohrwurm gehabt.