Portrait des Schriftsetzers Meinhard Mangold Das Leben und die Liebe — ein Gedicht

Zweibrücken/Contwig · In der neuen Serie „Lebenswege“ porträtiert der Pfälzische Merkur Menschen und geht mit ihnen wichtige Stationen ihres Lebens nach. Zum Auftakt sprachen wir mit dem Zweibrücker Meinhard Mangold. Der gelernte Schriftsetzer lebt heute im Haus Sarepata in Contwig, wo er dichtet, malt und philosophiert – um geistig rege zu bleiben. Das wichtigste Ereignis seines Lebens? Es war die Liebe.

Meinhard Mangold aus Zweibrücken in seinem Zimmer im Haus Sarepta in Contwig. In der Hand hat er einen seiner Gedichtbände. Mit seinen Versen will er sich und seine Mitbewohner erheitern. Mittlerweile hat er rund 100 augenzwinkernde und auch zum Nachdenken anregende Gedichte verfasst. Dass der 84-Jährige gelernter Schriftsetzer ist, ist gut an der Fotowand hinter ihm zu erkennen. Die Kunstwerke hat allesamt er geschaffen.

Meinhard Mangold aus Zweibrücken in seinem Zimmer im Haus Sarepta in Contwig. In der Hand hat er einen seiner Gedichtbände. Mit seinen Versen will er sich und seine Mitbewohner erheitern. Mittlerweile hat er rund 100 augenzwinkernde und auch zum Nachdenken anregende Gedichte verfasst. Dass der 84-Jährige gelernter Schriftsetzer ist, ist gut an der Fotowand hinter ihm zu erkennen. Die Kunstwerke hat allesamt er geschaffen.

Foto: Mathias Schneck

Das Leben kann manchmal wie ein Gedicht sein. Dann ist alles beschwingt und heiter. Gerade im jetzt wieder beginnenden Sommer, wenn die Natur das Leben feiert, blüht auch der Mensch auf. Aber es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf. Und das Herz wird bang.

Meinhard Mangold kennt diese beiden Seiten des Lebens sehr gut. Er hat viel erlebt, sonnige und dunkle Stunden, wie wohl jeder Mensch, der ein hohes Alter erreicht hat. Das Besondere an dem Zweibrücker ist: Egal, ob es ihm nach Lachen oder vielleicht auch einmal nach Weinen zumute ist – der Senior macht sich einen Reim drauf. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Rund 100 Gedichte verfasst

Beim Besuch des Pfälzischen Merkur im Haus Sarepta in Contwig, wo Mangold jetzt lebt, besucht, zückt er mehrere Bände hervor. Alles zugeschrieben mit Gedichten. Alle von ihm selbst verfasst. Es sind mittlerweile rund 100 Gedichte.

„Man muss geistig rege bleiben. Sich beschäftigen. Das Gehirn in Trab halten“, sagt der 84-Jährige gleich zu Beginn des Gesprächs mit dem Merkur-Reporter. Den er freundlich „Herr Kollege“ nennt – schließlich war Meinhard Mangold viele Jahre lang Schriftsetzer bei unserer Zeitung. Mit Worten zu arbeiten – das hat ihn sein Leben lang begleitet. Und nun, im Ruhestand, will er gleichfalls nicht davon lassen.

Den Kopf fit halten

Alleine schon, um, wie er es mehrfach erwähnt, „fit da oben im Kopf zu bleiben“. Denn das sei nicht selbstverständlich sagt er. Und weist traurig daraufhin, dass er im Seniorenheim so manchen Bewohner wahrnimmt, „der keine Interessen mehr hat, sich mit nichts mehr beschäftigen möchte“. Das sei nicht gut, warnt der Senior. Dann roste man irgendwann nicht nur körperlich, sondern auch geistig ein.

„Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“, ruft Meinhard Mangold. Und verweist darauf, dass er nicht nur etwa mit Gedichteschreiben seine kleinen grauen Zellen in Schwung hält. Sondern auch heute noch Leibesübungen, wenn auch vorsichtig, praktiziere. „Ich habe mein ganzes Leben lang Sport gemacht, mich körperlich betätigt.“

Kriegshalber ein Thüringer

Geboren wurde Meinhard Mangold in Thüringen. Sein Vater war Soldat in Zweibrücken und wurde im Krieg versetzt. Am 10. März 1940 erblickte der Sohn in Sonneberg, eine Stadt im fränkisch geprägten Süden Thüringens, das Licht der Welt. Nach dem Krieg, die Familie lebte wieder in Zweibrücken, ging Meinhard Mangold in Ixheim in die Volksschule, später ging er für zwei Jahre noch aufs Naturwissenschaftliche Gymnasium. 1954 begann er eine Lehre. Er wollte Schriftsetzer werden. Vorab musste er im Arbeitsamt in Pirmasens eine Aufnahmeprüfung absolvieren und zeigen, dass er für diesen Beruf die notwendige Befähigung mitbringt. Er überzeugte prompt.

Bei Hornberger in Waldfischbach absolvierte er seine dreijährige Ausbildung. Jeden Tag ging es mit dem Zug von Zweibrücken nach Waldfischbach und zurück, die Berufsschule war in Kaiserslautern. Bis 1960 blieb er bei Hornberger.

Karriere bei der Bundeswehr

Dann ging er zu Conrad und Bothner für rund eineinhalb Jahre – bis die Bundeswehr rief. Er verlängerte seine Dienstzeit dort. „Es ging ums Geld“, sagt Mangold ganz offen. „Vorher hatte ich 30 Mark, bei der Bundeswehr bekam ich 200 Mark.“ Er wurde Spieß und wurde „zur besonderen Verwendung“ eingesetzt, sagt er stolz. Seine Vorgesetzten hätten gemerkt, dass er einen aufgeweckten Geist habe.

Was war für ihn das besondere am Beruf des Schriftsetzers? „Rätsel zu lösen“, lautet seine überraschende Antwort. Bei der Zeitung habe es „immer schnell gehen müssen“. Ein Problem tauchte auf? Die Lösung durfte nicht lange auf sich warten lassen. „Deswegen war ich ja auch bei der Bundeswehr zur besonderen Verwendung eingesetzt. Weil ich bei Problemen schnell Lösungen parat hatte.“

Wunschziel Merkur

Nach der Bundeswehr gelangte er beruflich an sein eigentliches Ziel, das er nie aus den Augen gelassen habe. „Ich wollte zum Pfälzischen Merkur. Von Anfang an.“ Nun, 1962 oder 1963, der Senior kann rückblickend das exakte Jahr nicht mehr beziffern, bekam er dort endlich seine Stelle als Schriftsetzer.

Also alles erreicht im Leben? Nicht ganz. Meinhard Mangold war alleine. Und sehnte sich nach Zweisamkeit. Tatsächlich sollte nach seinem beruflichen Glück beim Pfälzischen Merkur auch das private Glück einstellen. „Ich kam mit meiner Frau zusammen. Eine ganz tolle Frau“, schwärmt der Senior und lächelt versonnen. Er habe vorher schon „ein Auge auf sie geworfen“. Aber da sei sie noch verheiratet gewesen. Mangold wartete. Und hoffte. Und tatsächlich. Irgendwann erfuhr er, dass Ursula Wolf sich habe scheiden lassen. Nun kam sein Moment. Meinhard Mangold nahm sein Herz in die Hand – und gewann zum Lohn das seiner Ursula. Die beiden wurden ein Paar. Und am 1. September 1978 war schließlich die Eheschließung. „Es war eine sehr schöne Ehe“, schwärmt Meinhard Mangold, als er im Haus Sarepta auf seinem Bett sitzt und ein Fotoalbum durchblättert. „Eine liebe Frau.“ Der Senior wirkt in diesem Moment wie ein frisch verliebter Jüngling.

Glückliche Ehe

Leider sei die Ehe kinderlos geblieben. Ursula habe auf ärztlichen Rat hin wegen körperlicher Einschränkungen sich einen Kinderwunsch versagen müssen. „Die Ärzte haben gesagt, eine Geburt würde ein zu großes Risiko bedeuten.“

Dennoch sei die Ehe ein großes Glück gewesen. „Wir sind viel verreist, nach Bayern, zur Verwandtschaft meiner Frau, nach Österreich. Wir waren wandern. Wir haben getanzt, beide hatten wir das Deutsche Tanzabzeichen in Bronze, Silber und Gold.“

Die Leidenschaft für das Kegeln war ebenfalls da – auch hier legte sich der Schriftsetzer kreativ ins Zeug und malte kleine Comics, um Termine der Kegler im Pfälzischen Merkur anzukündigen. „Mister Keg und Missis Eln“, überschrieb der kreative Mangold das kurzerhand. Nicht zu vergessen: Der Zweibrücker war auch noch Judokämpfer.

„Als junger Mann, mit 18 oder 19, war ich im Leichtgewicht Pfalzmeister. Ich war im Zweibrücker Judoclub Mitglied.“ Aber das war in der Zeit vor seiner Ursula. Und mit dieser begann ja erst sein eigentliches Leben.

Schicksalsschlag 2022

Als Ursula dann am 19. September 2022 im Alter von 81 Jahren starb, starb auch in Meinhard Mangold etwas. Der agile Mann, der immer so sehr im Sonnenschein gestanden und gelacht hatte, sah plötzlich nur noch dunkle Wolken über sich.

Aber er wäre nicht Meinhard Mangold, hätte er diese Wolken nicht vertrieben. „Ich rede jeden Tag mit meiner Frau. Und sie hört auch zu“, ist er sich gewiss. Er glaubt fest daran, dass es nach dem Tod weitergeht. „Der Mensch ist so ein komplexes Wesen, das so viel schaffen kann. Nach dem Tod soll alles vorbei sein? Das gibt es nicht. Es geht weiter. Aber wir Menschen können uns das alles nicht erklären. Dazu reicht unser Verstand nicht aus.“

Ungeachtet dessen sei es wichtig, geistig rege zu sein und den Verstand zu schulen. Und da sind wir wieder bei den anfangs erwähnten Gedichten. Die schreibt er in jeder Verfassung – ob ihm traurig zumute ist oder ob er heiter ist. Alle Gemütslagen sind geeignet, ein paar Verse zu Papier zu bringen. „Das mache ich nicht nur für mich, sondern auch für die Bewohner hier im Haus Sarepta.“ Wer wolle, bekomme einige Zeilen vorgetragen.

Der Merkur-Reporter möchte. Und Meinhard Mangold nimmt einen seiner Gedichtbände in die Hand und rezitiert aus einem Gedicht, das er nach einem Gottesdienst im Seniorenheim verfasste:

„In Gemeinschaft ist es sehr genehm / und das wollen wir recht nutzen / wir sitzen hier alle, sehr bequem / da soll man das Gehirn ein bisschen putzen / Denn, Gedanken, die im Negativen zirkulieren / die sind auch nicht besonders gut / sie erzeugen zahlreich viele Viren / dagegen anzugehen, erfordert Mut.“

Mut, sich dem Leben zu stellen, das Leben ohne Wenn und Aber zu genießen und auch nicht wegzurennen, wenn die Sonne plötzlich einmal hinter Wolken verschwindet, anderen und auch sich selbst ein Lächeln schenken: Das ist das Rezept von Meinhard Mangold für ein glückliches Leben. Ein Rezept, das so einfach ist wie überzeugend.