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Merkur-Serie Angekommen in der Fremde

Serie Angekommen in der Fremde : Vom Fernseh-Schirm in die Südwestpfalz

Natalia Baumann stammt aus der Ukraine, hat aber mittlerweile in Zweibrücken eine neue Heimat gefunden.

„Mama!“ Liebevoll nimmt Natalia Baumann ihren dreieinhalbjährigen Sohn David auf den Arm. Das Familienglück strahlt ihr aus den Augen. Dass die gebürtige Ukrainerin sich mittlerweile auch in Deutschland heimisch fühlt, verdankt sie ihrem Mann. Vor sieben Jahren lernte sie Werner Baumann im Outlet kennen. „Ich war ewig nicht bei Versace gewesen, kam unrasiert und in legerer Freizeitkleidung dorthin und gekauft habe ich auch nichts“, erinnert sich der 70-jährige Zweibrücker an die erste Begegnung. „Ist das Liebe auf den ersten Blick?“ Diese Frage beantwortete Natalia Baumann ein halbes Jahr und viele Begegnungen später mit einem klaren „Ja!“ Wegen der Liebe hatte die in ihrer Heimat bekannte TV-Moderatorin schon früher sogar ihre Karriere aufgegeben und war in den Westen gezogen. „Nicht nur“, korrigiert sie, denn schon lange vor 2012 wollte die weltoffene Ukrainerin nicht nur über andere Länder berichten, sondern diese auch selbst kennen lernen.

Bei ihrer Tante in München lernte sie einen Mann aus dem Saarland kennen und nach einigen Jahren des Hin und Her zog sie zu ihm nach Homburg. Als die Beziehung vorbei war, kam sie nach Zweibrücken und begann, als Verkäuferin im Outlet zu arbeiten.

In dieser Zeit wollte sie zurück nach Hause, wo sie hoch erfolgreich gewesen war. „Ursprünglich bin ich Lehrerin und habe mehrere Jahr unterrichtet“, erzählt die 46-Jährige. Als ein Fernsehsender eine Ansagerin suchte, witterte sie ihre Chance. Von da an ging es für sie steil bergauf: Schnell durfte sie eigenen Sendungen moderieren, machte Marketing, war unterwegs als Kammerafrau und TV-Journalistin und schrieb Autogramme über Autogramme. Doch sie war nicht wirklich glücklich in dem sozialistischen Staat.

Und dennoch hat sie ab und zu tatsächlich einmal Heimweh nach „ihrer“ Stadt Wladimir-Wolynskiy bei Lemberg in der Westukraine. Nach den Festen, der ukrainischen Tradition. Und bei aller Liebe zu ihrer Familie – Tochter Daria aus erster Ehe mit einem Ukrainer wohnt mit im Haus am Fasanerieberg und ihre Mutter Tamara aus der Ukraine ist regelmäßig für längere Zeit zu Besuch – vermisst Natalia Baumann auch ihre Arbeit. Sie kann sich eine Aufgabe im Sozialen Bereich mit Kindern gut vorstellen, denn sie spricht so gut Deutsch, dass ihre Ausbildung als Diplom-Sozialpädagogin anerkannt ist. Die Corona-Bestimmungen haben ihre große Leidenschaft schlimmer begrenzt als der Sozialismus in der Ukraine.

Natalia Baumann reist für ihr Leben gerne. Fotoalben zeugen von Urlauben mit ihrem Ehemann auf den Mittelmeer-Inseln Elba und Rhodos oder in der Schweiz. Oder von Besuchen bei ihrer Schwester Oxana in Norwegen. Und vom Winterspaß in den Skigebieten im Schwarzwald, in Österreich oder in der Schweiz, bei Werner Baumanns Sohn Bernd. Innerhalb eines Tages eroberte sie mit ihrem begeisterten Amateur-Skilehrer an der Seite die Loipen im Schwarzwald.

In ihrer ukrainischen Heimat war Natalia Baumann eine bekannte Moderatorin. Foto: privat

Gemeinsam hat die Familie in diesem Winter das Schneevergnügen in der Fasanerie genossen. Werner Baumann liest seiner Natalia jeden Wunsch von den Augen ab. Ihre aufgeschlossene Art ließ sie schnell Freunde finden, vor allem aus Russland oder anderen Ostblockländern. Die Frauen fühlen sich über die kulturellen Gemeinsamkeiten verbunden. Natalia Baumann vertraut der Zukunft. Sie hat gelernt: „Das Leben geht weiter. Mal sehen, was es noch bringt.“