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Merkur-Krippenserie: Märchenwolle und Santons

Serie Zweibrücker Krippenweg : Kuschlig-weich oder hart gebrannt

In einer Serie stellt der Pfälzische Merkur einige der Krippen vor, die in der Adventszeit in Zweibrücker Schaufenstern zu sehen sind. Heute: Maria Rimbrechts und Andrea Adams Krippen.

Die meisten Santons, tönerne Krippenfiguren aus der Provence, stellen Menschen und ihre Berufe dar. Oft haben sie damit gar keinen Bezug zur Weihnachtsgeschichte, denn aus Ton geformt und dann bemalt werden: Briefträger, Bauern, Arzt, Handwerker, Wilddiebe, Priester oder ortsbekannte Figuren. Ihren Ursprung haben die Santons Ende des 18. Jahrhunderts. Später entwickelte sich ein eigener Beruf, der des Santonniers (sprich „Santonni-eh“). Es gibt viele ganz verschiedene Figuren, da jeder Santonnier seine eigenen Figuren, seinen eigenen Stil entwickelt. 

In Aubagne bei Marseille liegt das Zentrum dieses Handwerks. Hier wohnt der Onkel von Maria Rimbrecht. Die Vorsitzende der kfd Zweibrücken berichtet: „Ich habe Santons kennengelernt, als ich nach dem Abitur zwei Monate in der großen Fleischwarenfabrik Olida in Aubagne gearbeitet habe. Mein Onkel dort hatte mir den Ferienjob vermittelt.“ Gewohnt habe sie damals bei einer großen Familie mit sieben Kindern in Aubagne, um die Sprache noch besser zu lernen. Dort kam sie bei verschiedenen Familien auch mit den Santons in Kontakt. Sie lächelt: „Seither habe ich eine große Freude an diesen Figuren aus Ton, die typische  Menschengruppen darstellen. Sie erinnern mich an meine Jugend und die schöne Zeit im Süden Frankreichs.“

Während ihres Studiums in Montpellier bewunderte sie die wunderschöne Krippe, welche die Familie eines befreundeten Zwillingspaars an Weihnachten mit Santons aufgebaut hatte. „Ich war fasziniert“, erinnert sie sich an die Wirkung. Folgerichtig legte sich die pensionierte Französischlehrerin bei Klassenfahrten mit Schülern in der Provence dann nach und nach einige Figuren zu. Bei einem seiner Besuche überraschte ihr Onkel sie mit echten  Krippenfiguren aus Aubagne. Der Grundstein für die eigene Krippe war gelegt.

Märchenwolle heißt das Material, aus dem die Krippe von Andrea Adam gefertigt ist. Und wahrlich lädt sie dazu ein, die eigene Phantasie schweifen zu lassen. Die leichten, „unkaputtbaren“ Figuren macht sie besonders gut geeignet für kleine Kinder, die die Weihnachtsgeschichte mit ihren beteiligten Personen spielerisch erleben können. Um der eigenen Vorstellungskraft Raum zu geben, hat Andreas Adam ihre Puppen und Tiere ohne Gesichter gestaltet.

Märchenwolle hat Andrea Adam gebastelt, die Krippe mit den tönernen Santons aus der Provence stammt von Maria Rimbrecht. Foto: cvw

Auf einem Mittelaltermarkt begegnete die Pfarrsekretärin der Pfarrei Heilig Kreuz Elfen aus Märchenwolle. Ganz bezaubernd fand sie die ebenso flauschigen wie filigranen Wesen und verliebte sich regelrecht. In Mörsbach fand sie das entsprechende Wollmaterial und begann ihr erstes Werk: eine Elfe aus dem Vorlagebuch. „Es geht sooo einfach. Und es macht sooo glücklich“, erzählt sie und ihre Augen strahlen. Schnell war vor rund zehn Jahren die Idee geboren: Daraus machen wir eine Krippe für Sankt Pirmin. Dann braucht niemand Angst haben, die Kinder könnten etwas zerstören und die Kinder dürfen die Krippenfiguren und -tiere sogar anfassen.

Zuerst gestaltete die 59-jährige Zweibrückerin die Heilige Maria. Mit biegsamen Pfeifenreinigern formte sie ein Gestell für das weite Kleid, das der Jesusmutter Standfestigkeit verleiht. Aus zu einer Kugel geformter Wolle entstand der Kopf. Wie eine Perücke wurden die Haare geformt und mit wenigen Nadelstichen ein Scheitel gezogen. Hellblaues Klein, dunkelblauer Umhang – fertig war die liebenswerte Gestalt, die ihr Baby in ihren Armen wiegt.

„Wir haben uns bald weggeschmissen“, erinnert sich Andrea Adam an den riesengroßen Spaß, den sie und ihre Freundin Birgit Hoffmeister bei der Gestaltung der Schafe hatten. Aufmerksamen Betrachtern mag eine Idee kommen, welches Bauernhoftier dabei noch Pate gestanden haben mag, doch Schafe und Lämmlein wurden so unterschiedlich, wie der Schöpfer sie macht. Neben dem hornbewehrten Ochsen tummelt sich ein Esel. Nein, kein ausgewachsenes Grautier, sondern ein Eselfüllen. Und wer genau hinschaut, erkennt an seiner Färbung auf den ersten Blick: Es ist ein Zebresel, eine Kreuzung aus einem Esel und einem Zebra. Märchenwolle entführt eben in das Land der Phantasie. 

Krippe aus Märchenwolle von Andrea Adam, ausgestellt bei Wolle Reif in der Sonnengasse; Krippe von Maria Rimbrecht mit Santons, Tonfiguren aus der Provence, ausgestellt in der CB-Boutique in der Hauptstraße