1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Merkur-Interview mit KVZ-Präsidentin Heike Förch

Interview mit KVZ-Präsidentin Heike Förch : „Den nächsten Umzug feiern wir wie noch nie!“

Der Umzug kann heute nicht stattfinden. Zweibrückens oberste Närrin Heike Förch über Lachen in Zeiten von Corona – und enorme Vorfreude.

Frau Förch, die erste Frage an Sie, sie mutet bereits recht närrisch an: Wie geht es einer Vollblut-Fastnachterin an Fastnacht – ohne Fastnacht?

Heike Förch: Es fehlt mir total etwas. Ich bin dieses Jahr nicht vollkommen. Ich denke schon fast: „Hoffentlich ist bald Aschermittwoch und es wird ruhig um dieses Thema.“ Mit allem Verständnis für diese Situation komme ich mir seit dem 11.11.2020 an den Wochenenden sehr unnütz vor. Seit meiner Kindheit, seit meinem 6. Lebensjahr, stehe ich immer am 11.11. parat und gehe bis Aschermittwoch, mit voller Freude durch die fünfte Jahreszeit. Natürlich kann man jetzt denken, dann hat man eben einmal eine Kampagne lang Pause, eine Kampagne keine Aufregung, kein Lampenfieber, keine Arbeit, keinen Stress. Aber genau das ist es, war wir Fastnachter – Vereinsfastnachter – wollen, brauchen, leben! Man muss schon unterscheiden, ob ich in einem Verein Fastnacht feiere, oder eben ein Feier-Fastnachter bin, wenn ich mich so ausdrücken darf. Als Feier-Fastnachter feiert man auf verschiedenen Maskenbällen, Straßen-Fastnachten, Kneipen, und so weiter. Wir Vereinsfastnachter halten uns an teilweise strenge Regeln, wir pflegen ein Brauchtum, das führt zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir ziehen alle an einem Strang, wir betreiben Vereinsarbeit, Jugendarbeit, die uns sehr wichtig ist. Denn ohne unsere Jugend sterben die Vereine irgendwann aus.

Was vermissen Sie am meisten in diesem Jahr?

Förch: Ich vermisse am meisten das ständige Treffen jedes einzelnen Mitgliedes. Unsere Vorstands-und Monatsversammlungen, an denen alles geplant wird, was an der Zweebrigger Fastnacht in der Kampagne fabriziert wird. Das „Dummgebabbel“ nach den Sitzungen und teilweise auch während den Sitzungen. Natürlich werden monatliche Besprechungen oder Entscheidungen, per Zuschaltung eines Online-Portals, abgehalten. Aber das ist bei weitem nicht das Gleiche. Es fehlen mir die Büttensitzungen, wo jeder seine eigene geschriebene Rede vorträgt und wir uns darüber kaputt lachen. Auch die Auf- und Abbauten unserer einzelnen Sitzungen, Lady’s Night, Kinder-Fastnacht und die Prunksitzung, vermisse ich. Weiterhin fehlen mir die Besuche bei unseren ganzen befreundeten Karnevalvereinen. Über die Jahre entwickelt man einige Freundschaften mit anderen Vereinen. Es ist so schön, die Menschen, die zu Freunden geworden sind, in dieser Zeit, alle Jahre wieder, zu treffen.

 Werden Sie Rosenmontag oder Fastnachtsdienstag zuhause, so gut es da eben geht, feiern?

Förch: Nein, das werde ich nicht tun. Ich werde arbeiten gehen. Das erste Mal seit 44 Jahren (ich hätte übrigens dieses Jahr Jubiläum, 4 x 11 Jahre aktive Fastnacht) habe ich keinen Urlaub in dieser Fastnachts-Woche. Ich weiß nicht, wie es anderen ergeht, aber wenn ich mir vorstelle, ich „vermoddel“ mich zu Hause, mache Faschings-Musik an und soll lustig sein – nee, da werde ich noch trauriger. Also Augen zu und durch. Ich schaue mir gerne über Facebook die verschiedenen virtuellen Sitzungen oder Umzüge an, aber letztendlich stimmt es mich noch trauriger. Wobei alle Beiträge wirklich sehr schön gestaltet wurden und die Arbeit, die sich alle damit gemacht haben, meinen vollsten Respekt hat.

Zweibrücken ohne den traditionsreichen Umzug am heutigen Fastnachtsdienstag, ohne all die Besucher – das ist ein Verlust. Gibt es etwas, was die fünfte Jahreszeit in der Rosenstadt zu etwas besonderem macht? Und wenn ja, was ist diese Zweibrücker Note?

Förch: Ja, die gibt es. Zweibrücken hat sage und schreibe fünf Karnevalvereine. Zweibrücken ist somit schon fast eine Hochburg. Wir haben den Humoristischen Fastnachtsverein (HFZ), die Club-Gemeinschaft Hasensteig (CGH), die Freizeitgemeinschaft Wolfsloch (FZG), die Zweibrücker Fastnachts-Freunde (ZFF) und den Karnevalverein Zweibrücken (KVZ). Alle fünf Vereine haben ihre eigenen Sitzungen und können Ihre Hallen meist mit großem Publikum füllen. Jeder Verein hat seine eigene Note und somit sein eigenes Publikum. Wir arbeiten bei dem Rathaussturm alle zusammen, und auch diese zwei bis drei Treffen der Präsidenten für diese Angelegenheit verlaufen immer sehr positiv und kreativ. Wir haben es sogar geschafft, unserem Oberbürgermeister, der ein Nicht-Fastnachter war, die Angst vor uns zu nehmen. Mittlerweile ist er Ehrenmitglied beim KVZ (Träger der Rot-Jacken) und stand auch schon bei unserer Prunksitzung erfolgreich in der Bütt. Wir arbeiten eng mit unserer Stadt zusammen und ich denke, es macht allen auch Spaß, sonst würden sie nicht immer so zahlreich bei unseren Sitzungen erscheinen. Unser Zweibrücker Umzug ist zwar nicht der größte, und längste, aber trotzdem macht es uns Karnevalisten in unserer schönen Stadt immer einen riesen Spaß. Mir persönlich gefiel die „alte Strecke“ jedoch besser und meiner Meinung nach müsste die Tribüne wieder an ihren alten Platz, an den Busbahnhof. Die Stimmung war dort immer perfekt, weil sich dort die Zuschauer gerne sammelten. Vor dem Rathaus ist es zwar eine schöne Kulisse, aber es kommt dort nicht so rüber.

Wie geht es denn Ihren Leidensgenossen vom KVZ?

Förch: Denen geht es genau wie mir. Denen fehlt ebenso wie mir, das ganze Treiben. Den Trainerinnen der Garden und Balletts fehlt das wöchentliche Treffen und Trainieren mit ihren einzelnen Gruppen. Wir hoffen, dass alle Mitglieder der einzelnen Tanzgruppen bei der Stange bleiben und wieder aktiv am Vereinsleben teilnehmen. Es ist nicht so einfach, gerade im Gardetanzsport, der zum Leistungssport zählt, zu pausieren. Die Tänzerinnen trainieren das ganze Jahr über, um nur etwa drei bis vier mal auf der Bühne zu stehen. Auch dem Damenballett, den Tanzzwergen, unseren Musikern und dem Männerballett fehlt nicht nur das Tanzen und Trainieren, sondern auch das Zusammensein hinterher. Was mich sehr freut: Unsere älteren Mitglieder stehen uns voll und ganz zur Seite. Unser Ehrenpräsident Karl Meyer hat unseren diesjährigen Pin (absichtlich keinen Orden) wieder entworfen. Unser Ehrenpräsident Bodo Heintz und Ehrenvorsitzender Peter Semar stehen uns immer noch mit Rat und Tat zur Verfügung.

Für den KVZ als größten Fastnachts-Verein der Stadt ist der Ausfall der Saison sicher auch finanziell ein Schlag ins Kontor . . .

Förch: Für uns ist es Gott sei Dank, nur eine so genannte Nullrunde. Da wir im letzten Sommer, im Juli, die Saison eigentlich schon abgesagt haben, sind noch keine großen Unkosten angefallen. Die einzigen Ausgaben waren unsere Pins und die Unterhaltungskosten für unser Clubheim.

 Corona – das wird in späteren Jahren sicher einmal ein zentraler Bestandteil des KVZ-Programms werden . . .

Förch: Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Es fällt mir zum einen doch schwer, Witze über dieses Sch . . .Virus zu machen. So viele Menschen sind so schwer erkrankt, ja sogar gestorben. Mein eigener Onkel hat es mit dem Virus nicht geschafft. Soll man da sich über so ein blödes Ding lustig machen? Ich weiß es nicht. Kann es mir im Moment nicht vorstellen. Zum anderen muss ich aber auch gestehen, dass ich über das ein oder andere Video, das so im Netz rumgeistert, schon lachen musste. Auch in meiner Rede, die ich für die Fernsehsitzung Frankenthal vorbereitet hatte, und dann aus gesundheitlichen Gründen leider absagen musste (kein Corona), kamen Sprüche über Corona, hauptsächlich über die Masken, vor. Ich glaube, es bleibt nicht aus. Wo wir dann wieder bei der Aktualität wären. So ist das Leben! 

Was bedeutet Ihnen eigentlich Humor in Zeiten von Corona? Darf man da überhaupt noch lachen? Oder müssen alle ganz ernst gucken?

Förch: Mir bedeutet Humor sehr viel. Auch in Zeiten von Corona. Ich persönlich bin ein lustiger Mensch. Und kann sogar auch mal lachen, obwohl mir zum Heulen ist. Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Wenn Sie sich einmal die Menschen mit den Masken betrachten, sehen Sie an den Augen, dass sie trotzdem lachen. Müssen alle jetzt ganz ernst gucken? Nein, gerade jetzt sollten wir jede Gelegenheit nutzen, um zu lachen. Es gibt nichts schöneres, als mit anderen, oder auch mal über andere, herzhaft zu lachen. Natürlich ist vielen Menschen, völlig verständlich, das Lachen vergangen. Wenn ich an diejenigen denke, die durch Corona ihren Job verlieren, oder Angehörige verlieren, kann ich diese Frage schon nachvollziehen und verstehen. Da muss ich mal wieder an meine Oma denken. Die hat immer gesagt: Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Und das wünsche ich allen, denen zur Zeit das Lichtlein fehlt.

 Frau Förch, Sie leben ja in der Schweiz. Welchen Gruß möchten sie von dort in die alte Heimat schicken?

Förch: Vorab: Ja, ich lebe in der Schweiz, bin und bleibe aber e Zweebrigger Mäde. Hier nun meine Botschaft an alle Zweibrücker:

Narren, oder nicht:

Ich grüß Euch aus der Ferne

Eure alte Blechlaterne

Berg und Hügel möchte ich brechen,

um mit Euch ein Wort zu sprechen

weil ich das aber nun nicht kann,

fang ich mal zu schreiben an.

Ich verfolge in den Zeitungen, oder sogar jetzt schon im Fernsehen alles, was in Zweibrücken passiert. Zuerst einmal freut es mich jedesmal, wenn ich höre oder lese, dass Zweibrücken supergut durch diese Zeit kommt. Dass die Zahlen niedrig sind wie nirgends. Ihr könnt total stolz auf euch sein. Also macht schön weiter so, so dass ich, wenn ich nach Zweibrücken komme, beruhigt einreisen kann. Auch diese Zeit werden wir überstehen, da bin ich mir sicher.

Und die nächste Fastnacht kommt und auf die freue ich mich wie noch nie! Ich freue mich für meinen Verein, für den HFZ, CGH, ZFF und FZG, wenn wir wieder ein dreifach donnerndes Alleh Hopp, durch Zweibrücken rufen können. Den nächste Umzug (hoffentlich wieder mit Tribüne am Busbahnhof) am Fastnachtsdienstag werden wir zusammen so feiern, wie wir noch nie gefeiert haben. Ich werde als Moderatorin dafür mein Allerbestes tun. Und was mir noch am Herzen liegt: Vermotzt doch nicht immer, was oder was nicht in Zweibrücken gemacht wird. Natürlich ist nicht immer alles richtig, aber wo ist es das schon. Freut euch am Leben, genießt es. Wir haben ja jetzt erfahren müssen, wie schnell die Welt stillstehen kann. Ich freue mich jedes Mal nach Zweibrücken zu kommen und jeden von Euch gesund und munter wieder zu sehen.

Bleibt alle gesund!