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Wahlkreis-Kandidaten: Mehr Offenheit für Inhalte

Wahlkreis-Kandidaten : Mehr Offenheit für Inhalte

FDP-Bundestagskandidat Sebastian Schäfer wünscht sich mehr Unterstützung für junge Unternehmen

Sebastian Schäfer tritt bei der Bundestagswahl am Sonntag, 24. September, für die FDP im Wahlkreis 210 an. Der 31-Jährige aus Höhfröschen plädiert vor allem für das Zuhören – sowohl den Bürgern als auch dem politischen Gegner. „Lösungsorientiert“ nennt man das neudeutsch.

Schäfer tritt für eine FDP an, die gerade erstarkt. In Rheinland-Pfalz sitzt sie wieder mit in der Regierung, und laut Umfragen könnte sie eine entscheidende Rolle bei der nächsten Regierungsbildung auf Bundesebene spielen. Allerdings haben die Liberalen auch schwere Jahre hinter sich: Sie sitzen derzeit nicht im Bundestag, waren aus vielen Länderparlamenten herausgewählt worden. „Im Nachhinein hat uns das gut getan. So hatten wir die Möglichkeit, uns neu auszurichten, wir sind jetzt wieder im Aufwind“, analysiert Schäfer. Diesen will er nutzen, um auch in seinem Wahlkreis Stimmen für die FDP zu sammeln. Dass er in den Bundestag einzieht, sei extrem unwahrscheinlich, das weiß er selbst. „Ich will aber das Gesicht vor Ort sein und für die FDP Zweitstimmen sammeln“, nennt er sein Ziel.

Das soll seiner Meinung nach übers Zuhören geschehen. „Wir müssen mehr auf die Bürger zugehen und uns anhören, was die Probleme sind. Politik soll doch für die Bürger sein“, sagt er. Das habe er ganz extrem erlebt, als es um die Ortsumgehung Niedersimten ging: „Einfach, dass sich jemand der Probleme annimmt, das ist für viele ganz wichtig. Und vielleicht kann man dann auch was bewegen.“

Generell wünsche er sich auch mehr Zuhören und den Streit rein um Inhalte in den Parlamenten und Gremien. „Oft werden Anliegen abgelehnt, nur weil sie von einer anderen Partei kommen. Einfach aus Prinzip. Das ist doch falsch. Wenn einer eine gute Idee hat, dann soll es um die Idee gehen. Der darf dann auch gerne die Lorbeeren dafür bekommen. Etwas Richtiges ablehnen, nur weil es von der anderen Partei kommt, das verstehe ich einfach nicht“, wirbt er für mehr Offenheit für Inhalte.

Für den Wahlkreis wünsche er sich, dass sich Pirmasens zur Gründerstadt entwickelt. „Es wird mit Sicherheit kein Konzern kommen und ein Werk hinstellen und alles wird gut. Aber wir haben zum Beispiel die alten Kasernengebäude, die könnten ein richtig tolles Gründerzentrum werden. Mein Traum ist, dass Pirmasens die Gründerstadt in Deutschland schlechthin ist. Vielleicht sogar Europas“, schaut Schäfer in die Zukunft. Dazu müsse die Verzahnung mit Wirtschaft und Hochschulen verbessert werden. „Ich bin überzeugt, dass dies der richtige Weg sein könnte.“

Überregional findet er das Thema Europa wichtig, vor allem jetzt, da es von vielen Kräften in den Mitgliedsstaaten infrage gestellt wird. „Ich bin ein Freund vom Konzept Europa. Es erleichtert so vieles, gerade auch hier bei uns direkt. Europa wurde gegründet, um Frieden zu bringen – und das funktioniert ja auch seitdem gut. Viele erinnern sich nicht mehr daran, wie das früher war. Allein, dass wir im Urlaub kein Geld mehr wechseln müssen oder gerade mal so rüber nach Frankreich fahren können!“ Er glaube auch, dass durch das Brexit-Votum viele noch mal verstanden haben, was Europa eigentlich bedeutet, „und dass das nicht selbstverständlich ist.“

Auch die Flüchtlingsproblematik würde er gerne angegangen sehen. „Es gibt so viele, die hierher kommen und sich bemühen, es zu etwas zu bringen. Davon habe ich einige kennen gelernt. Und es gibt auch andere. Da sollte man doch endlich ein Konzept finden, mit allen Parteien, wie man das simpler löst und besser und schneller unterscheidet“, so Schäfer. Er könne es nicht verstehen, warum Menschen abgeschoben werden, die deutsch sprechen, eine Ausbildung oder einen Job haben oder gerade in der Schule erfolgreich Fuß fassen, während andere, die sich vielleicht nicht so integrierten, bleiben können. „Wir brauchen da ein anderes Einwanderungsgesetz, vielleicht nach kanadischem Vorbild. Das ist ja daran geknüpft, ob man Arbeit findet“, sagt Schäfer.

Auch wenn es bei dieser Wahl vielleicht noch nicht für den Schritt in die hauptberufliche Politik reichen sollte, auf lange Sicht könne er sich das schon vorstellen. „Ich find’s einfach wichtig, dass man sich engagiert. Es geht darum, unser Land und die Zukunft mitzugestalten. Deshalb freue ich persönlich mich auch über jeden, der sich engagiert“, so Schäfer: „Und deshalb engagiere ich mich, weil ich da mithelfen will zu gestalten.“