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Mauereidechse müsste Zügen weichen

Mauereidechse müsste Zügen weichen

Ab Ende 2019 könnte die S-Bahn Rhein-Neckar bis nach Zweibrücken fahren. Die Vorplanung beziffert die Kosten auf 21,7 bis 25,7 Millionen Euro. Bei der Umweltverträglichkeit werden allerdings mehrere kritische Punkte genannt.

Das rheinland-pfälzische Infrastrukturministerium hat jetzt die bereits seit August fertige Vorplanung für die Reaktivierung der Bahnstrecke Zweibrücken-Homburg veröffentlicht. Regionale Politiker und Bahnfreunde hatten dies mehrfach gefordert.

Demnach wäre die Inbetriebnahme Ende 2019 möglich. Die Linie 1 der S-Bahn Rhein-Neckar (Osterburken-Heidelberg-Mannheim-Kaiserslautern-Homburg) würde dann bis nach Zweibrücken verlängert. Zusätzliche Züge müssten dafür nicht eingesetzt werden, da die S-Bahn bislang 50 Minuten in Homburg steht. In Zweibrücken sei die Wendezeit "mit dann circa 14 Minuten immer noch ausreichend bemessen".

Die Reaktivierung würde insgesamt 21,7 Millionen Euro kosten. Dabei geht die von der "DB ProjektBau GmbH" in enger Abstimmung mit den Auftraggebern (Rheinland-Pfalz und Saarland) erstellte Vorplanung von einem Stundentakt mit täglich 18 Zügen in jeder Richtung aus. Als Option berechnet wurde auch ein 30-Minuten-Takt. Dann stiegen die Investitionskosten auf 25,7 Millionen Euro, weil der Haltepunkt Schwarzenacker als Kreuzungsbahnhof ausgebaut werden müsste. Den Neubau von Haltepunkten sieht die Studie in Beeden, Schwarzenbach und Schwarzenacker vor. Der bisherige Haltepunkt Einöd soll signaltechnisch zum Bahnhof aufgewertet werden, damit die S-Bahn auf die Regionalbahn Pirmasens-Zweibrücken-Saarbrücken abgestimmt werden kann. Einöd erhält auch einen neuen Bahnsteig "mit Ausstattung nach S-Bahn-Standard", Aufzug und Unterführung. In Zweibrücken muss insbesondere der Bahnsteig an Gleis 1 erhöht werden.

Auf den 7,4 stillgelegten Kilometern zwischen Einöd und Homburg soll die Strecke für eine Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h ausgelegt werden. Auf den bereits in Betrieb befindlichen 3,8 Kilometern zwischen Zweibrücken und Einöd wird geprüft, "ob die Trassierung ohne Änderung 100 km/h zulässt" statt wie bisher 90 km/h. Von Zweibrücken bis Homburg ist die komplette Strecke mit dem Bau von Oberleitungen zu elektrifizieren. Güterverkehr sieht das Betriebskonzept nicht vor.

Für die Reaktivierung sei eine Umweltverträglichkeitsstudie erforderlich. In der Vorplanung werden diesbezüglich mehrere problematische Bereiche genannt. So heißt es dort: "Die stillgelegte Strecke stellt einen wichtigen Wanderkorridor und Rückzugsraum dar und trägt zur Vernetzung von Lebensräumen im Sinne des Biotopverbundes bei. Die Maßnahme bringt eine Vegetationsentfernung von über einem Hektar mit sich und beeinträchtigt Überschwemmungsebiete und Luftaustauschräume. Darüber hinaus ist bau- und betriebsbedingt mit einer erheblichen Lärmbelästigung zu rechnen." An mehreren Streckenabschnitten sei die nach FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) geschützte Mauereidechse nachgewiesen, "möglicherweise sind weitere Arten betroffen". Es müssten deshalb "frühzeitig" Ausgleichsmaßnahmen umgestzt werden, insbesondere die "Umsiedlung der Mauereidechsen konzipiert und vor Baubeginn umgesetzt werden".

Dem Zweibrücker BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) war die Existenz der Mauereidechse dort bislang unbekannt, so der Vorsitzende Wolfgang Adelfang gestern auf Merkur-Anfrage. "Grundsätzlich befürworten wir die Bahn-Reaktivierung aber."

Bernhard Marschall, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Schienenverkehrs in und um Zweibrücken, ist begeistert über die Vorplanung: "Es ist ausgezeichnet, was die gemacht haben." Der Verein habe zwar nur mit zwölf bis dreizehn Millionen Euro gerechnet, "aber je mehr drumherum investiert wird, desto attraktiver wird die Strecke und desto besser ist es für Industrie, Handwerk, Handel und Gewerbe hier. Und der 60-Prozent-Zuschuss vom Bund würde sonst in andere Regionen fließen." Sollte die höhere Bausumme die Politiker abschrecken, "könnte man das aber sicher auch noch abspecken".

Die Bauzeit wird laut Vorplanung auf 18 Monate geschätzt. Dickster Brocken in der Kostenschätzung ist der Oberbau (Gleisarbeiten) mit 4,9 Millionen Euro, gefolgt von Elektrifizierung (3,4 Mio), Planungskosten (3,1 Mio) sowie Lärm- und Erschütterungsschutzmaßnahmen (2,4 Mio).

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