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Martin Luthers Erbe in neuem Licht

Martin Luthers Erbe in neuem Licht

Zweibrücken. Rund 200 Besucher feierten in der Zweibrücker Alexanderkirche im Rahmen einer Church-Night den Reformationstag. Mit der Aktion will die evangelische Kirche an diesen für sie so wichtigen Tag erinnern, der durch Halloween immer mehr aus dem Blick der Öffentlichkeit gerät. Günter Sifft, der Jugendpfarrer des Dekanats Zweibrücken schilderte eingehend die Situation im 16

Zweibrücken. Rund 200 Besucher feierten in der Zweibrücker Alexanderkirche im Rahmen einer Church-Night den Reformationstag. Mit der Aktion will die evangelische Kirche an diesen für sie so wichtigen Tag erinnern, der durch Halloween immer mehr aus dem Blick der Öffentlichkeit gerät. Günter Sifft, der Jugendpfarrer des Dekanats Zweibrücken schilderte eingehend die Situation im 16. Jahrhundert: "Damals war es eng, traurig, kleinlich und muffig." Nach der Reformation durch Martin Luther hätten sich die Menschen frei gefühlt. Diese Freude und Liebe sollten auch die Gäste des außergewöhnlichen Gottesdienstes spüren. Los ging es mit der Musikgruppe "Dolce Vie", die mit "Otherside" von den Red Hot Chili Peppers den Zuhörern kräftig einheizte. Es folgten Eva & Friends, die mit ihren Liedern für das richtige Ambiente sorgten. Hierzu trug auch die Lichtshow im Chor der Kirche bei, die vor allem die zumeist jungen Gottesdienstbesucher begeisterte.Sifft gelang es durch viele Aktionen, die Zuschauer einzubinden. Beispielsweise ließ er Schlüssel verteilen. Auf dessen Rückseite sollte ein Ziel vermerkt werden, das der Betroffene in der nächsten Zeit verwirklichen will. "Es ist wichtig, dass ihr nicht unsicher werdet. Ihr müsst alles in diese Richtung versuchen", machte der Pfarrer deutlich, dass starker Wille gefragt sei.

Thema der Predigt war das Gleichnis vom "verlorenen Sohn". Dabei sei deutlich geworden, dass Freiheit auch bedeutet, Fehler zu machen. Im Fall der Bibelgeschichte ist dieser Sohn zum Bettler herabgesunken, arbeitet als Schweinehirte und hungert dabei so, dass er reumütig zum Vater zurückkehrt, um sich zu seiner Sünde zu bekennen und ihn um eine Stelle als Tagelöhner zu bitten. Genau das ist für den Pfarrer auch Freiheit - ein neues Leben zu wählen oder etwas Neues anzufangen.

Der Pfarrer schlüpfte als "Junker Jörg" sogar selbst in die Rolle des Reformators und erzählte die Geschichte Martin Luthers. Mit Fackeln führte er dabei die Teilnehmer um die Kirche. Sifft erinnerte daran, dass Luther auch nur ein Mensch mit all seinen Fehlern gewesen sei. Beispielsweise habe er heftig gegen die Juden gewettert.

Die Besucher konnten auch hautnah erfahren, was Ablass bedeutete. Um der Lesung aus der Lutherbibel in der Herzogloge lauschen zu können, mussten sie entweder auf den Knien dorthin rutschen oder Geld bezahlen.

Auch der Turm der Kirche war am Montagabend geöffnet. Nach dem Aufstieg bot sich den Gästen ein herrlicher Blick über die Stadt.

Zum Schluss wurde noch mit einem Konfetti-Feuerwerk der neue Jugendtreff im Bonhoeffer-Haus vorgestellt. Dieser ist jeden Freitag ab 17 Uhr geöffnet.