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Marcela Knerr gewann Silber beim Klima-Anpassungspreis 2020 der Stadt Zweibrücken

Marcela Knerr gewann Silber beim Zweibrücker Klima-Anpassungspreis 2020 : Erfolgsrezept: Wachsen lassen

Silber beim Klima-Anpassungspreis 2020 der Stadt Zweibrücken. Eine traumhafte Artenvielfalt an Pflanzen und Insekten. Ein gedeihender Naturgarten als Lebensaufgabe. Die zertifizierte Stadt- und Erlebnisführerin Marcela Knerr ist mit ihrem Gartentraum auch vom „Tag der offenen Gartentür“ bekannt.

Wie in einer anderen Welt kommt sich vor, wenn man den naturnahen, wilden Garten von Marcela Knerr besucht. Damit hat die Kräuterfachfrau Silber im Klima-Anpassungspreis 2020 der Stadt Zweibrücken gewonnen. Heiko Wunderberg vom Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken (UBZ), der mit ihr zusammen ein Seminar besucht hatte, motivierte die 49-jährige Naturliebhaberin, sich zu bewerben. Denn bei „Offenen Gärten“ sind die gebürtige Tschechin und ihr 1000 Quadratmeter umfassendes Paradies eine feste Größe.

„Zuhause waren wir als Kinder immer draußen, mussten helfen: im Wald sammeln und im Garten arbeiten“, erinnert sie sich an ungeliebte Kindheitsaufträge. Doch heute lebt die Hengstbacherin für und von ihrem Garten. „Alles darf (fast) so wachsen, wie es möchte“, beschreibt sie ihr Konzept.

Als das Ehepaar, Jörg und Marcela Knerr, vor 15 Jahren ihr Haus bezog, „war hier nur eine große Rasenfläche“. Angeregt durch ein Fachbuch, säte sie, pflanzte sie und entwickelte aus der ehemaligen Feuchtwiese am Bach ein Feuchtbiotop, in dem sich eine Vielfalt an Lebensarten sehr wohlfühlt, denn: „Je größer die Pflanzenvielfalt, desto mehr unterschiedliche Insekten siedeln sich an.“

Marcela Knerr legte Kräuterbeete an und ließ der Natur weitgehend ihren Lauf. Schnell wachsenden Wiesenkräuter (vielfach bezeichnet als Unkraut) gewannen Raum. „Man muss dem Garten nur ein wenig Einhalt gebieten, wenn man Beete mit Nutzpflanzen wie Gemüse großziehen will“, weiß die ausgibldete Stadt- und Erlebnisführerin für Zweibrücken, Homburg und die Natur. Denn manche Spezies ist einfach zu übergriffig und nimmt allem anderen den Raum. Wie etwa Giersch.

Doch außerhalb ihrer Gemüsebeete mit allem, was lecker schmeckt, lässt die Heilpraktikerin der Natur freien Lauf. Sie staunt darüber, wie riesig Löwenzahnblätter oder Spitzwegerich sich entwickeln können, werden sie nicht eingeschränkt. Mittlerweile sind ihre Wildkräuter und ihre daraus gezauberten Produkte weit begehrt. Denn nicht nur sie fasziniere, „wie man ganz einfache Sachen nutzen kann“, etwa Minze und Zitronenmelisse für ein durstlöschendes und energetisierendes Getränk, wenn man sie einfach in gute Quell- oder Leitungswasser hängt.

1000 Quadratmeter sind viel. Nacheinander entwickelte Marcela Knerr, inspiriert durch das Drei-Zonen-Prinzip von Markus Gastl, ihre Gartenecken, zu denen ein Wegweiser mitten auf dem Gelände führt. Etwa den Magergarten, denn auf den reichhaltigen Flächen gedeihe keine Artenvielfalt. Mohnblumen, die vom Nachbarn herübergeflogen kamen, vereinen sich dort jetzt farbenschön mit lilfarbener Katzenminze.

Eher klein ist der Gemüseanbau von Marcela Knerr. „Wir wollen uns autark ernähren. Da gehört er dazu“, erklärt sie lächelnd. Doch ihr Herz gehört spürbar den Wildpflanzen, die unsere Körper mit ihren Bitterstoffen entgiften und zudem mit einer Vielfalt an wertvollen Mineralien und Vitaminen versorgen. Im Hintergrund des Gartengrundstücks fließt sogar ein Bach, an dem Wasserpflanzen wachsen.

Ein wahrer Traum am Rande von Hengstbach. Die Artenvielfalt, verteilte Insektenhotels, Steinhügel für kleine Reptilien und andere Lebewesen überzeugten die Jury zu Rang zwei.

Das Drei-Zonen-Garten-Modell ohne Ressourcen-Verbrauch, sondern mit Kreislauf im eigenen System: Ertragszone für Selbstversorger mit Gemüse, Obst und Salatkräutern; zweite Zone als die wichtigste, nämlich magere Hot-Spot-Zone, etwa als Weidefläche für Schafe, Heu, Grün zum Mehren des Misthaufens, der die Ertragszone nährt; Pufferzone als Schutzzone an den Grenzen, die schädliche Einflüsse abwehren sollen – wie wilde Hecken, Komposthaufen, Brennnesseln, Vogelmiere oder etwa Giersch.