Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung Wie der Lokaljournalismus Zukunft hat

Zweibrücken · Siebenpfeiffer-Festbankett: Redner Andres wirbt für kreative Ideen fürs Digitale, mehr Investitionen und Stiftungs-Modelle.

 Marc-Stefan Andres war der Festredner am Sonntag beim traditionellen Siebenpfeiffer-Bankett in der Zweibrücker Festhalle.

Marc-Stefan Andres war der Festredner am Sonntag beim traditionellen Siebenpfeiffer-Bankett in der Zweibrücker Festhalle.

Foto: Cordula von Waldow

Lokaljournalismus ist wichtig. Er darf auf keinen Fall sterben, sondern es müssen Möglichkeiten und Wege gefunden werden, ihn zu erhalten. Das ist, auf den Punkt gebracht, das Fazit des traditionsreichen Siebenpfeiffer-Festbanketts 2023 am Sonntag in der Zweibrücker Festhalle.

Mit Marc-Stefan Andres, dem Mitbegründer und Projektmanager der regionalen Nachrichten-Plattform „RUMS“ aus Münster, hatte sich die Siebenpfeiffer-Stiftung unter Vorsitz von Saarpfalz-Kreis-Landrat Theophil Gallo einen erfahrenen Fachmann eingeladen. Der Journalist, der seit langem sein Geld vor allem mit PR-Aufträgen verdient, gibt mit RUMS (ein Online-Abo-Angebot, das regelmäßig neue lokale Informationen über Münster verbreite auf innovative, konstruktive und investigative Weise) dem Journalismus nach eigener Aussage „etwas zurück“. Unter anderem wurde RUMS 2020 mit dem #Netzwende-Award ausgezeichnet.

„Noch zu retten. PUNKT“ nannte Andres seinen Vortrag vor gut 100 Zuhörern beim Festbankett. Und gab Antworten auf die Frage, warum und wie tief der Lokaljournalismus in der Krise steckt, wie wichtig er dennoch für unsere Gesellschaft bleibt und was Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt.

„Wir lesen als Erstes – und nicht selten als Einziges – das lokale Blatt“, bestätigen alle befragten Gäste auf Anhieb, was auch Oberbürgermeister Marold Wosnitza in seiner Begrüßungsrede angespochen hatte und dabei auch sagte: „Es stand in der Zeitung und wenn es in der Zeitung steht, wird es schon stimmen.“ Eine zentrale Informationsquelle, auf die man sich verlassen könne, sagten Wosnitza und Andres mit ähnlichen Worten. Weil Menschen vor Ort gründlich recherchierten und Lokalzeitungen den Austausch förderten. Über nationales und internationales Geschehen dagegen seien Bürger meist bereits schon am Vorabend durch Fernsehen und Internet informiert.

Marc-Stefan Andres alarmierte in seiner gut 30-minütigen, in raschem Sprechtempo vorgetragenen Rede mit schockierenden Zahlenbeispielen über den Rückgang sowohl lokal wirkender Medien als auch lokal wirkender Journalisten. Wenngleich sich die mediale Zukunft nicht mehr auf dem um fast 40 Prozent teurer gewordenen Zeitungspapier abspielen werde, prophezeite Andres, bestehe auch bei Online-Lesern der Wunsch nach realen Eins-zu-Eins-Kontakten mit Journalisten.

„Wir lesen zwei Tageszeitungen, allerdings nur die Lokalteile und immer auf dem Tablet. Das kostet am Frühstückstisch viel weniger Platz und schont die Ressourcen“, bestätigte die Zweibrücker Stadtmuseums-Leiterin Charlotte Glück einen Online-Vorteil.

Andres beschrieb den zahlenmäßigen Rückgang an lokalen Tageszeitungen, Abonnenenten wie Lokaljournalisten – und verdeutlichte deren Bedeutung für Gesellschaft und Politik. Etwa, als „Kontroll-Organ“ der Lokalpolitiker. Eine gründliche Recherche sei daher einer nie zu bewältigenden zeitlichen Informations-Konkurrenz vorzuziehen, denn in der Recherche liege die journalistische Kompetenz.

Wenngleich die Leichtigkeit und Schnelligkeit des Internets dem Lokaljournalismus manches Schnippchen schlage, ist dieser aus Sicht von Andres durchaus zu retten. Dafür müsse er sich bewegen. Und mehr in seine Lokalredaktion investiert werden. „Es kann niemand nebenbei den Online-Auftritt begleiten und dort eine kompetente Diskussion angetriggerter Themen leiten!“ Dies sei ein Fulltime-Job. Und Zeitungsartikel eins-zu-eins online zu stellen, ohne multimediale Effekte wie Podcasts und Videos, sei vergebliche Liebesmüh. Was funktioniere, sei ein echter Austausch mit den Menschen. Dazu könne auch eine Begleitung von Neuntklässlern gehören, um mit ihnen gemeinsam eine multimediale Zeitung zu erstellen, um die Jugend überhaupt an dieses Thema heranzuführen.

„Guter, kritischer Lokaljournalismus wird weiterhin gebraucht. Er kann nicht ersetzt werden durch das Internet. Doch dafür bedarf es einer entsprechenden Ausstattung personell wie finanziell“, gab der Redner den anwesenden Medienmachern, Politikern und Mitgliedern der Siebenpfeiffer-Stifung mit. Weshalb er das Thema „Gemeinnütziger Journalismus“ gerne fokussiere, der beispielsweise, auch bei Zeitungen, über Stiftungen finanziert werden könne.

Zahlreiche Beispiele deutscher Zeitungen zeigten auf, welche Wege beschritten werden könnten, um die Medienvielfalt mit mindestens zwei Tageszeitungen pro Stadt zu erhalten. Marc-Stefan Andres ist überzeugt: „Es braucht den Mut, um sich auf neues Terrain zu begeben.“

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