Neue Hausordnung Mannlich-Realschule verbannt Handys

Zweibrücken · Die Zweibrücker Mannlich-Realschule plus hat ihre Hausordnung in zwei wesentlichen Punkten verschärft: Striktes Handyverbot auf dem Schulgelände sowie eine neue Kleiderverordnung, die unangemessene Kleidung untersagt.

 Die Mannlich-Realschule hat die Schulordnung verschärft. Dort gilt jetzt ein strenges Handyverbot - auch die Kleidung der Schüler ist Thema.

Die Mannlich-Realschule hat die Schulordnung verschärft. Dort gilt jetzt ein strenges Handyverbot - auch die Kleidung der Schüler ist Thema.

Foto: Elisabeth Heil

Wer sich nicht daran hält, wird direkt und ohne Diskussion für den betreffenden Tag des Unterrichts verwiesen. Wer dadurch eine Klassenarbeit verpasst, kassiert ein „ungenügend“, weil der Regelverstoß selbstverschuldet ist, heißt es in der Begründung.

Dieser Neuregelung liegt übrigens ein Beschluss der Gesamtkonferenz zugrunde: „Ich freue mich sehr, dass Lehrer, Schüler und Elternvertreter diese Entscheidung gemeinsam tragen und auf den Weg gebracht haben“, betont Schulleiter Markus Meier. Er ist überzeugt: „Ein Handyverbot wird den Unterricht verbessern, wovon am Ende Schüler und Kollegium profitieren werden.“

Immer wieder gebe es Probleme, die auf den Handykonsum zurückzuführen seien: „Wir haben Unterstufenschüler, die sich verzweifelt an den Schulsozialarbeiter wenden, weil sie per Whatsapp gemobbt werden. Kinder, die auf dem Schulweg ungefragt unangemessene Fotos und Videos aufs Smartphone bekommen. Nicht zu vergessen die Schlangen vor der Schultoilette, weil Schüler die Kabinen belegen, um ihr Handy zu nutzen. Das alles möchten wir als Schulgemeinschaft nicht mehr hinnehmen!“.

Schon länger beobachte er massive Veränderungen im Verhalten der Schülerinnen und Schüler, die sicherlich auch auf den übermäßigen Handykonsum zurückzuführen seien: „Wir haben es hier mit einer Bedien-mich-Mentalität zu tun. Tik-Tok-verwöhnte und Dauerbespaßung gewohnte Schülerinnen und Schüler zeigen kaum noch Interesse an klassischen Unterrichtsinhalten und können teils simpelste Aufgaben nicht mehr denkend lösen – was ihnen auch noch egal ist, ebenso wie schlechte Noten“, bedauert Markus Meier. Die Folge seinen einerseits Schüler, die nicht mehr bereit seien, problemlösend zu denken, geschweige denn sich aktiv am Unterricht zu beteiligen, die nicht mehr teamfähig seien und jedes Selbstvertrauen vermissen ließen; auf der anderen Seite die Lehrkräfte, die mit ihrem Latein und ihren Kräften am Ende seien.

Beides missfällt dem Schulleiter extrem. „Meine Schülerinnen und Schüler sollen wieder zukunftsfitter werden und sich aktiv im Unterricht einbringen, statt nur konsumierend oder dösend in den Unterrichtsstunden zu sitzen.“

Doch natürlich spielen digitale Medien eine Rolle. „Ich sehe Tablets und digitale Endgeräte als Werkzeuge, die man gezielt einsetzen muss, was wir auch tun. Aber nicht zum Spaß in Kinderhänden“, wo sie nach Einschätzung des Pädagogen ohnehin nichts zu suchen haben. Er plädiert deshalb sogar für ein Verbot von Handys bis zum 18. Lebensjahr.

Auf die Frage, was er unter unangemessener Kleidung versteht, erklärt der Schulleiter: „Sie soll nicht schmutzig, aufreizend oder mit unangemessenen Text-Aufdrucken versehen sein. Wenn ich in der Klasse einschreiten muss, weil wegen der knappen Bekleidung von Schülerinnen sexuell herabwürdigende Äußerungen fallen, stimmt doch was nicht.“ Insgesamt gehe es ihm einfach um ein ordentliches Erscheinungsbild.

An der Mannlich-Realschule gibt es inzwischen ein Planungsteam aus Lehrern und Schülern, das sich des Themas angenommen hat und daran arbeiten möchte, die Schule und ihre Schüler für die Zukunft zu rüsten: „Es gibt bereits Schulen, die ähnliche erste Schritte unternommen haben, wie sie ihren Unterricht verbessern können. Das werden wir uns anschauen. Für mich ist es aktuell aber keine Option, irgendein Modell einfach so zu übernehmen“, betont der Schulleiter und verrät: „Die ADD hat uns für dieses Schuljahr bereits einen zweiten Studientag zur Ausarbeitung etwaiger Änderungen zugesagt.“

Doch wie sieht es an den anderen Zweibrücker Schulen aus? „Wir sind schon immer handyfreie Zone“, sagt Thomas Höchst, Schulleiter der IGS Contwig und ergänzt: „Die Schüler dürfen es zwar mitbringen, es bleibt aber in der Tasche. Das funktioniert bei uns recht gut und gilt auch für die Pausen. Schließlich wollen wir, dass sich die Kinder bewegen und austauschen“, betont Thomas Höchst.

In Sache Kleiderordnung hat der Schulleiter eine klare Haltung: „Vor Jahren gab es an der IGS sogar mal eine Schuluniform“, erinnert Höchst. „Als einzige Schule war das auf Dauer nur schwer umzusetzen. Heute legen wir aber immer noch Wert darauf, dass die Schüler adäquat gekleidet sind.“ Im Rahmen der Berufsorientierung sei die Kleiderordnung ohnehin ein Thema. „Natürlich kommt es auch mal vor, dass wir einer Schülerin empfehlen müssen, sich eine Weste überzuziehen. Doch man darf nicht vergessen, dass es vielen oft gar nicht so bewusst ist und sie einfach zwischen Freizeit- und Arbeitskleidung nicht so recht unterscheiden können“, findet Thomas Höchst.

An der Herzog-Wolfgang-Realschule plus  gibt es sowohl eine Digitalverordnung als auch eine Hausordnung. „Diese haben wir vor einiger Zeit nochmal angepasst“, sagt Schulleiter Thomas Trier und erläutert: „Grundsätzlich ist bei uns die private, digitale Handynutzung untersagt, mir Einverständnis des Lehrers aber für den Einsatz im Unterricht erlaubt. An dieses Regeln halten sich unsere Schüler auch“, sagt Trier und räumt ein, dass es schon mal vorkäme, dass ein Schüler unter der Bank doch mal zum Handy greife. „Das kassieren wir dann ein und geben es am Ende des Tages zurück.“

In punkto Kleiderordnung legt die Herzog-Wolfgang-Realschule Wert auf eine angemessene Schulkleidung. „Im Zweifelsfall entscheidet die Schulleitung, was angemessen ist“, erklärt Thomas Trier, der es keinesfalls als sinnvoll erachtet, das Thema in die Hausordnung aufzunehmen. „Kleidung ist immer auch Ausdruck der Persönlichkeitsentfaltung. Da wollen wir so wenig wie möglich eingreifen.“

Auch am Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium ist das offene Tragen des Handys nicht erlaubt. Es darf lediglich im Offline-Modus mitgeführt werden. Eine Ausnahme gilt für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Ihnen ist die Nutzung ihrer Smartphones während einer Freistunde in der Multifunktionshalle, wo sie von den Schülern der fünften bis zehnten Klassen räumlich getrennt sind, gestattet.
„Grundsätzlich gibt es bei uns aber wenig Probleme“, sagt Kerstin Kiehm, „was wir ein Stück weit auf unsere Aufklärungsarbeit zurückführen. So bilden wir Schüler zu Medienscouts aus, um ihren Mitschülern einen kritischen Umgang zu vermitteln“, erklärt die Schulleiterin. Hinzu kämen Projekte. Im Programm „Check the web“ am Ende der siebten Klasse werden die Gefahren des Internets und von Social Media behandelt. Bei den Thementagen am Ende der achten Klasse bearbeiten die Schüler ein Medienprojekt. „Doch natürlich sanktionieren wir auch, wenn sich Schüler nicht an die Regeln halten. Dann gibt es einen Elternbrief. Bei Bedarf schrecke ich auch nicht davor zurück, etwas zur Anzeige zu bringen“, so die Schulleiterin.

Die Kleiderordnung würde sie als kleines Problem beschreiben, das im Sommer 2021 auch schon mal den Schulelternbeirat beschäftigte. „Es gab damals den Impuls, in den Klassen dafür zu sensibilisieren und das Thema anzusprechen. Das tun wir immer wieder. Für mich ist das aber kein Problem, das man in die Hausordnung aufnimmt, sondern bei Bedarf persönlich bespricht. Was für uns allerdings als Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage gar nicht geht, sind Rassismus-, Drogen- und Gewaltverherrlichende Aussagen auf Kleidungsstücken“, betont Kerstin Kiehm.

Am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium ist die Handynutzung ebenfalls in der Hausordnung geregelt. Demnach ist Schülern die Nutzung auf dem gesamten Schulgelände untersagt. In Absprache mit dem Lehrpersonal können aber Ausnahmen erteilt werden. Eine Kleiderordnung gibt es aber nicht. Allerdings hat Schulleiter Jörg Neurohr in seinem Elternbrief zu Schuljahresbeginn bei den Eltern für eine Sensibilisierung für angemessene Kleidung geworben. Jeder dürfe sich in seiner Persönlichkeit entfalten, wozu auch die Wahl der Kleidung gehöre, diese dürfe aber nicht zu freizügig sein. Sprich: keine übertiefen Dekolletés, bauchfreien Shirts, pofreie Shorts und zu kurze Röcke. „Kappen, Mützen, Kapuzen und Sonnenbrillen sind im Unterricht aus Gründen der Höflichkeit ebenfalls nicht erlaubt, und dass die gewählte Kleidung frei von Aufdrucken ist, die Rassismus, Drogen oder Gewalt verherrlichen, ist selbstverständlich“, so der Schulleiter und ergänzt: „Unsere Leitbild-AG hat sich mit der Thematik ebenfalls auseinandergesetzt und Leitsätze zum Verhalten am HFG entwickelt, die mit Erklärungen versehen wurden, um für ein größtmögliches Verständnis auf Schülerseite zu sorgen.“

Marcus Carbon, Suchtberater der Diakonie in Zweibrücken und Pirmasens und im Umgang mit digitalen Medien fachberatend tätig, begrüßt im Übrigen ein Handyverbot an Schulen. „Es nimmt den Druck heraus und zwar bei allen Beteiligten, wenn man in den Schulen Handyfreie Räume schafft“, sagt der Fachberater. Ein grundsätzliches Verbot für Minderjährige, wie es sich Markus Meier wünscht, hält er aber für illusorisch. „Kinder müssen Medienerziehung erfahren, und den vernünftigen Umgang ja erst lernen. Das gelingt uns nicht, wenn wir das Medium im Teenageralter grundsätzlich verbieten“, findet er.