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Mannheimer Comedian bei ungewöhnlichem Auftritt am Triwo-Flugplatz

Bülent Ceylan bei Auto-Comedy auf Flugplatz Zweibrücken : Von Frauen-Zoten bis Schuberts Winterreise

Vor 500 Autos trat der Mannheimer Comedian Bülent Ceylan an Fronleichnam auf dem Zweibrücker Flugplatz auf – und erntete statt Beifall begeisterte Hupkonzerte.

Kinofilme kann man schon länger im Auto sitzend genießen, seit neuestem auch Konzerte von Bands verfolgen – aber funktioniert das auch mit Comedy? Die Antwort nach dem Auftritt von Bülent Ceylan am Donnerstagabend auf dem Flugplatz Zweibrücken lautete am Ende: Ja, mit Einschränkungen.

Natürlich fehlte die Geräuschkulisse eines sich vor Lachen biegenden Saals. Das wäre sicher vorgekommen, wenn die beiden ausverkauften Auftritte in der Saarbrücker Saarlandhalle im März hätten stattfinden können. Andererseits: Lautes Hupen ersetzte bei Ceylan nicht nur den Applaus, sondern auch das laute Lachen.

Das war fast ein bisschen schade, denn ganz selten, nur bei manchen Gags, blieben die Signalhörner stumm und es war dann doch leise ein Lachen durch offene Autofenster zu hören.

Das laute Gackern einer treuen Fangemeinde, die sich nicht weit von der Bühne auf Campingstühlen niedergelassen hatte, drang über Ceylans Mikrofon sogar bis in Autoradio. Vielleicht hätte man also das Hupen ganz lassen sollen – beim Heimspiel in Mannheim, so erzählte der Comedian, wird es verboten sein.

Mit über 500 Autos war das Spektakel in Zweibrücken fast ausverkauft, wie Veranstalterin Nathalie Harbig freudestrahlend erzählte. Die Insassen erlebten einen gut aufgelegten Ceylan, der zunächst mal von seinen Anfangszeiten als Comedian erzählte: In einer Halle für 600 Leute sei er da vor 20 Zuschauern aufgetreten, „schlimmer als zur Corona-Zeit“. Aber dass er mal vor lauter Autos spielen würde, hätte er auch nie gedacht. Besonders freute Ceylan sich darüber, dass sogar ein Lkw im Publikum stand.

Obwohl Ceylan neben Corona auch das Thema Wutbürger behandelte, brachte er beides nicht zusammen. Und das, wo er doch wie Xavier Naidoo aus Mannheim kommt. Nein, das Programm war wohl schon vor der Pandemie geschrieben worden – und so regten sich die Ceylan’schen Wutbürger über ausländische Baumarten auf, die wegen des Klimawandels in Deutschland bessere Chancen besäßen. Das kam weniger gut beim Publikum an als die Schmähungen der Präsidenten Erdogan und Trump („das Trumpeltier“).

Bekannt ist der Comedian für seine in praktisch jedem Programm auftauchenden Figuren: Da gibt es den sehr einfach gestrickten Harald, den vor Testosteron strotzenden Hassan, die zickige Anneliese und den grimmigen Hausmeister Mompfred. Alle stehen für Menschen, denen man im Alltag nur zu oft begegnet.

Neu ist im aktuellen Programm „Luschtobjekt“ jedoch eine Figur mit blonder Langhaarperücke namens Thor, die Hammer schwingend die Bühne betritt und laut Ceylan noch dümmer als Harald ist. Da aber Donnergötter mit unterirdischem IQ im realen Leben eher selten anzutreffen sind, blieb einem dieser Thor eher fremd – es blieb einfach unklar, was der Comedian damit ausdrücken wollte.

Witziger war da doch der altbekannte Hassan mit Sprüchen wie: „Luxemburgerinnen! Wenn ihr mich riecht, seid ihr schon schwanger!“ Der türkische Proll ist jetzt Vater geworden und hat bei der Geburt beobachtet, wie die Hebamme „das Kabel“ durchgeschnitten hat: „Anscheinend funktioniert das Baby draußen mit WLan.“ Es sind sogar Zwillinge, die Hassan natürlich Hassan der Zweite und Hassan der Dritte genannt hat. Trotzdem sei er jetzt oft „frustrariert“, weil er sich bei seiner Frau nur noch wie Hassan der Vierte vorkomme. In dieses Lied stimmte auch Wutmensch Mompfred ein, der Frauen als Gollums oder Orks bezeichnete. Außerdem bestand er darauf, dass es „Bumbewasserzong“ heiße statt Wasserpumpenzange.

Der egozentrischen Anneliese wiederum gefiel der Klimawandel gar nicht – schließlich führe sie doch ein Pelzgeschäft in der Mannheimer Innenstadt.

Flugs waren die geplanten 90 Minuten an Show vorbei. Aber es hätte gar nicht das große Hupkonzert gebraucht, um Ceylan wieder auf die Bühne zu holen: Er musste doch seine Fans noch von seinem neu entdeckten Gesangstalent überzeugen. Tatsächlich überraschte der Comedian zunächst mit einer soliden Interpretation von „Erstarrung“, eines Liedes aus Schuberts Winterreise. Das war wenigstens noch originell. Aber man hatte da schon verstanden, dass der Mannheimer auch gut singen kann. Dass er danach noch bierernst Marius Müller-Westernhagen („Freiheit“), Cat Stevens („Father and Son“) und andere imitierte, kam zwar schon ganz gut an beim Publikum, besaß aber auch einen Hauch von Selbstverliebtheit.

„Ich fühle mich wie ein Zweibrücker“, sagte Bülent Ceylan zum Abschluss seines hervorragend besuchen Auto-Comedy-Auftritts. Damit die Autoinsassen ganz hinten auch etwas sahen, wurde die Show auf einer Leinwand gezeigt. Foto: Sebastian Dingler

Am Ende bedankte Ceylan sich bei den Fans und bekannte in der Euphorie: „Ich fühle mich wie ein Zweibrücker.“