Ministerpräsidentin empfing Arbeitnehmervertreter Kahlschlag bei Tadano: Malu Dreyer schaltet sich ein

Zweibrücken · Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin hat bei einem Gespräch mit ihnen in der Staatskanzlei in Mainz einen Verzicht auf den drastischen Stellenabbau bei dem Kranbauer in Zweibrücken gefordert, berichten Arbeitnehmervertreter.

 Bis Mitte 2025 plant Tadano das Werk Wallerscheid für immer zu schließen. In ihrem Widerstand dagegen bekommen Betriebsrat und IG Metall nun prominente Unterstützung.

Bis Mitte 2025 plant Tadano das Werk Wallerscheid für immer zu schließen. In ihrem Widerstand dagegen bekommen Betriebsrat und IG Metall nun prominente Unterstützung.

Foto: Lutz Fröhlich

Die Industriegewerkschaft Metall und der Betriebsrat freuen sich über hochkarätige Unterstützung aus Mainz in ihrem Einsatz gegen den vom Kranbau-Unternehmen Tadano geplanten Kahlschlag in Zweibrücken.

„Am 27.03.2024 fand ein erster Austausch zwischen der IG Metall Homburg-Saarpfalz, dem Betriebsrat Tadano Zweibrücken und Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu den beabsichtigten Plänen des Tadano-Managements und zur aktuellen Situation Tadano Zweibrücken statt“, berichtet die IG Metall auf Merkur-Nachfrage, ob es in Sachen Tadano Neuigkeiten gebe. Das Treffen habe in der Staatskanzlei in Mainz stattgefunden.

„Zur Ankündigung des Tadano Managements, das Werk Wallerscheid zu schließen, über 400 Beschäftigte zu entlassen, und Verlagerungen durchzuführen, fordert Ministerpräsidentin Malu Dreyer von diesen Plänen Abstand zu nehmen“, schreibt die IG Metall in dem Rundbrief weiter, der am Mittwoch an die Tadano-Beschäftigten gehe: „Stattdessen sollen Alternativen mit der IG Metall und dem Betriebsrat zum Erhalt der Arbeitsplätze in Zweibrücken verhandelt werden.“

Tadano hatte Mitte Februar angekündigt, mindestens 400 Stellen bei Tadano-Demag in Zweibrücken abbauen zu wollen (über das Wie werde noch mit dem Betriebsrat verhandelt – aber bei der Dimension ist allen Beteiligten klar, dass es nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen gehen wird) und das jüngere der beiden Zweibrücker Werke (Wallerscheid) zu schließen.

Gleichzeitig wurde angekündigt, am Tadano-Faun-Standort in Lauf (Nürnberger Land) zu expandieren – was nach Merkur-Informationen von der bayerischen Staatsregierung gefördert werden könnte.

Große Sorge bereite auch die jüngste Ankündigung der Tadano-Demag-Führung in einer Betriebsversammlung, dass spätestens in drei Jahren eine Trendwende zu erreichen ist, oder die Standorte in Deutschland seien von Schließung akut bedroht, heißt es in dem IG-Metall-Rundbrief über da Treffen mit Ministerpräsidentin Dreyer (SPD): „Einer 197-jährigen Unternehmensgeschichte von Kranbau in Zweibrücken droht das Aus.“

Salvatore Vicari, 2. Bevollmächtigter der für Zweibrücken zuständigen IG Metall Homburg Saarpfalz erklärt in dem Rundbrief: „Der Austausch und die Unterstützung von Ministerpräsidentin Dreyer zeigt, dass Tadano sich in eine Sackgasse manövriert hat. Beschäftigte, Bürger und Politik sind fassungslos, dass solche Pläne ohne Vorankündigungen aus dem Hut gezaubert wurden, welche so nicht akzeptiert werden. Die Mitbestimmung bei Tadano wird von Seiten des Managements nicht respektiert. Schweigen prägt bei all den Problemen im Unternehmen das Handeln des Managements.“

Vicari kritisiert weiter: „Die angesprochenen Sorgen der Betriebsräte wurden in der Vergangenheit ignoriert. Ich fordere das Management auf, von diesen Plänen Abstand zu nehmen und endlich mit IG Metall und den Betriebsräten in Dialog zu Alternativen der angedachten Werksschließung Wallerscheid, Kündigung und Verlagerung zu treten. IG Metall, Betriebsräte und Vertrauensleute sind dazu bereit.“

Eduard Glass, Betriebsratsvorsitzender von Tadano-Demag in Zweibrücken wird in dem Rundbrief wie folgt zitiert: „Die Unterstützung der Ministerpräsidentin Malu Dreyer stärkt uns in unserem Kampf um den Erhalt des Werkes Wallerscheid, Kündigung von einem Drittel aller Mitarbeiter und Verlagerungen. Mit diesen Plänen wird unglaubliches Fachwissen der Beschäftigten einer Marge geopfert. Große Hoffnungen bei der Übernahme der Zweibrücker Werke durch Tadano sind zerstört. Ein Kampf um Arbeitsplätze findet seit über zwanzig Jahren statt.“

Glass betont zudem: „Es gibt Alternativen, das zeigen Lösungen in anderen Unternehmen auf. Grundlage ist aber immer, dass Dialog und Beratung im Rahmen von Mitbestimmung stattfinden. Das Tadano-Management muss den Unternehmenskurs ändern, denn dieser Kurs führt in ein Desaster für Zweibrücken.“

Frank Schilb, Vorsitzender der IG-Metall-Vertrauensleute bei Tadano Zweibrücken, kündigt an: „Zusammen mit unserer IG Metall, den IG-Metall-Betriebsräten und -Vertrauensleuten und unserer kompletten Belegschaft kämpfen wir für unsere Alternativen. Wir alle erwarten endlich Informationen über die Gründe für solche Entscheidungen.“

Bis heute habe Tadano dazu kaum etwa mitgeteilt: „Einzig nur ein schwieriges Marktumfeld, Wettbewerbsdruck und Probleme bei den Lieferketten werden als Begründung mitgeteilt. Wir alle sind fassungslos, dass unser Schicksal mit diesen drei Überschriften in spätestens drei Jahren besiegelt sein soll. Ich erwarte Verhandlungen auf Augenhöhe.“ Schilb schließt sein Statement und den Rundbrief: „Die Unterstützung von Ministerpräsidentin Dreyer ist ein wichtiges Signal für uns alle.“

Eine Merkur-Anfrage bei der Staatskanzlei in Mainz zu dem Thema ist in Bearbeitung.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort