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Luther – eine komplexe Persönlichkeit

Luther – eine komplexe Persönlichkeit

Unter dem Motto „Luther, wie er uns gefällt? – Reformationsgedenken 1617 bis 2017“ fand in der Zweibrücker Karlskirche eine Tagung statt. Besonders beleuchtet wurde das Reformationsgedenken der vergangenen 500 Jahre.

"Luther, wie er uns gefällt?" Mit dieser spannenden Fragestellung zum 500-jährigen Jubiläum des großen Reformators beschäftigten sich kürzlich der Verein für Pfälzische Kirchengeschichte , das Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde sowie die Evangelische Akademie der Pfalz in der Karlskirche. Helmut Meinhard, Vorsitzender des Vereins für Pfälzische Kirchengeschichte , war positiv überrascht von dem großen Zuspruch mit mehr als 60 Teilnehmern, darunter auch zahlreiche historisch und theologisch interessierte Zweibrücker.

Zunächst erfuhren die Teilnehmer von Ulrich Volp, Professor der Universität Mainz, wie unterschiedlich die Generationen vor uns die jeweiligen Luther-Jubiläen begangen hatten. In jedem Jahrhundert ist, entsprechend den Fragen der jeweiligen Zeit, ein anderer Aspekt Luthers besonders hervor gehoben worden: Im 17. Jahrhundert, am Vorabend des 30-jährigen Krieges, stand der kämpferische Luther im Vordergrund der ob der katholischen Übermacht in ihrer Existenz bedrohten Protestanten.

Einhundert Jahre später dominierten Pietismus und Frömmigkeit die "Rechte Weise" seiner Lehre. Im 19. Jahrhundert, 1817, wurde im Vorfeld der pfälzischen Kirchenunion das Jubiläum an manchen Orten sogar ökumenisch begangen und mit den katholischen Gläubigen gemeinsam gefeiert. "Das ist also gar nichts Neues in diesem Jahr", betonte Christoph Picker, Direktor der Evangelischen Akademie der Pfalz.

Im vorigen Jahrhundert allerdings verhinderten die Spannungen zwischen Konfessionen ob ihrer politischen Kämpfe jedes Miteinander. Luther wurde als Deutscher Nationalheld gefeiert, ein Schöpfer der Deutschen Hochsprache. Der Direktor kritisierte: "Jeder bastelt sich seinen Luther selbst, wie er ihm gerade gefällt." Dies gelte bedingt auch für die Blickrichtung der Ausstellung "Neuer Himmel. Neue Erde.", durch die Museumsleiterin Charlotte Glück die ein interessierte Gruppe als Kuratorin führte.

Als Höhepunkt am Sonntagmittag moderierte Picker eine höchst kontroverse Diskussion unter dem Motto: "Was lernen wir aus diesem Reformationsjahr dazu - als Kirche wie als Gesellschaft?" Hier zeigte sich einmal mehr die unterschiedliche Blickrichtung von Theologen und Historikern. Um sie zu vereinen, bedarf es einer "Differenzkultur", die allerdings sowohl Gemeinsamkeiten findet als auch Unterschiede akzeptiert und toleriert. Mit dem Historiker und Hexenforscher Wolfgang Behringer, Professor an der Universität des Saarlandes , Astrid von Schlachta als Leiterin der Mennonitschen Forschungsstelle Weiherhof, dem Reformationsbeauftragten des Landes, Professor Gerhard Robbers und Kirchenpräsident Christian Schad war das Podium ebenso hochkarätig wie vielschichtig besetzt.

Kritisiert wurde, dass sich das Jubiläum der Reformation rein an der Person Martin Luthers aufhänge, obwohl auch Persönlichkeiten wie Zwingli oder Calvin und viele andere eine bedeutende Rolle gespielt hätten. Erkannt wurde: "Er lässt sich einfach gut vermarkten!" Dies zeige der Blick von Öffentlichkeit und Presse, auch über Deutschland hinaus.

Zudem hält Behringer "diesen großartigen, liebenswerten, scheußlichen, schrecklichen Luther" für eine höchst interessante und komplexe Persönlichkeit. Er habe diese kontroversen Eigenschaften vereinigt. Trotz zahlreicher, vielschichtiger Veranstaltungen im Jubiläumsjahr "geht es uns nicht um eine Eventkultur, sondern wir wollen Inhalte vermitteln", betonte der Kirchenpräsident. Es bedürfe der Disziplin, Luther in der Historie des 16. Jahrhunderts zu belassen und dennoch wichtige Impulse für das 21. Jahrhundert als Mehrwert zu erfahren.