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Luftreinigungsgeräte für kirchliche Kitas in Zweibrücken?

Nur einer der beiden Träger folgt Beispiel der Stadt Zweibrücken : Luftfiltergeräte für Kitas? Kirchen entscheiden unterschiedlich

Nicht finanzierbar, zum Coronaschutz nicht notwendig: Warum es in den protestantischen Kitas in Zweibrücken keine mobilen Luftreinigungsgeräte geben wird.

Die Stadt rüstet alle Kita-Gruppenräume und Klassenzimmer für Erst- bis Sechstklässler mit mobilen Luftreinigungsgeräten aus. Eine Erzieherin kritisierte daraufhin auf der Merkur-Facebookseite: „Warum nur für städtische Kitas? Sind unsere Kinder nicht alle Zweibrücker Kinder, egal ob kirchlicher oder städtischer Träger? Für mich ist das eine Art Zweiklassen-Prinzip.“

Die Warum-Antwortet hatte Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) schon im Stadtrat gegeben: Das müssten die kirchlichen Träger selbst entscheiden. Die Stadt könne über die Sachkosten-Pauschale hinaus nichts bezuschussen – habe aber erreicht, dass der Lieferant die Geräte zum gleichen sehr günstigen Preis wie für die städtischen Kindertagesstätten auch bereit sei für die kirchlichen Kitas zu liefern.

Wie haben sich die Kirchen entschieden? Unterschiedlich, ergaben Merkur-Anfragen. „Es ist schon entschieden: Wir kaufen die Geräte auch“, berichtet Pastoralreferentin von der Pfarrei Heilige Elisabeth, die die katholische Kita Heilig Kreuz betreibt. Und zwar für alle Gruppenräume, denn: „Wir wollen alles in unserer Macht stehende tun, um Corona-Infektionen der Kinder und Erzieherinnen zu verhindern.“

Die evangelischen Kitas dagegen erhalten keine Luftfiltergeräte. „Wir können das nicht finanzieren“, erklärt Dekan Peter Butz. „Es geht schlicht und einfach nicht.“ Die Katholiken, die in Zweibrücken nur noch eine Kita betreiben, hätten es einfacher als der Protestantische Kita-Verbund Zweibrücken, der 24 Einrichtungen in der Region betreibt, davon 12 in Zweibrücken. Die Evangelische Kirche der Pfalz stecke inzwischen „ein Viertel der gesamten Kirchensteuereinnahmen in die Kindertagesstätten“. Die Finanzkrise sei so groß, dass schon an Kirchenverkäufe gedacht werde. Wie auch der Zweibrücker Karlskirche, für die sich aber noch kein Interessent gemeldet habe.: „Auf Dauer werden wir die nicht halten können.“

Butz sieht aber keine gesundheitlichen Nachteile für die Kita-Kinder, wenn es keine Luftfiltergeräte gibt: „Ich bezweifele ehrlich gesagt die Sinnhaftigkeit.“ Wissenschaftlich sei laut Umweltbundesamt klar, dass Stoßlüften genauso effektiv ist. Bei falscher Bedienung könnten die mobilen Luftreinigungsgeräte „sogar schädlich sein“, weiß Butz. Über das regelmäßige Stoßlüften (das auch im Winter die Räume nur wenig auskühle) hinaus hätten die protestantischen Kitas viele weiterer Hygienemaßnahmen, sodass es dort nur wenige Corona-Fälle gegeben habe.

Er vermute, dass für die Kauf-Entscheidung der Stadt „auch ein bisschen der Wahlkampf“ eine Rolle gespielt haben könnte. Wenn man aber wie die Stadt nun der Meinung sei, „dass das zum Schutz der Kinder nötig ist“, hätte sie auch kirchlichen Kitas damit ausrüsten müssen, findet Butz – denn die Kinder dort seien ja auch „Bürger dieser Stadt“.