Live-Kochen war schnell gegessen

Zweibrücken. Fünf Wochen neuer Wochenmarkt und schon droht eine der Hauptattraktionen flöten zu gehen: Der Genussstand, an dem seit dem 31. März samstags vor den Augen der Besucher live gekocht wird, muss eine Pause einlegen. Im schlimmsten Falle für immer. Betreiberin Ursula Furlan (61) beklagt, dass bisher die Resonanz zu gering ausgefallen sei und es generell am Konzept hapere

Zweibrücken. Fünf Wochen neuer Wochenmarkt und schon droht eine der Hauptattraktionen flöten zu gehen: Der Genussstand, an dem seit dem 31. März samstags vor den Augen der Besucher live gekocht wird, muss eine Pause einlegen. Im schlimmsten Falle für immer. Betreiberin Ursula Furlan (61) beklagt, dass bisher die Resonanz zu gering ausgefallen sei und es generell am Konzept hapere. Deshalb pausiert sie nun vorübergehend. Zu Beginn habe man etwa 60 Portionen verkauft, zuletzt nur noch halb so viele. "Ab 100 Portionen wird es langsam rentabel", so Furlan, die sich inbrünstig mit gesundem Essen und regionalem Gemüse beschäftigt. Sich umweltschonend ernähren mit Gemüse aus der Gegend, Transportkosten und klimaschädliches Kohlendioxid sparen, ohne Nahrungsergänzungsmittel aus dem Supermarkt gesund leben - solche Ziele liegen Furlan am Herzen. Für all das habe sich die Idee eines Genussstandes mit Live-Kochen auf dem neu gestalteten Zweibrücker Wochenmarktes angeboten.Geboren wurde die Idee im Rahmen der Innenstadt-Moderation durch die Projektentwicklungsgesellschaft des Landes Rheinland-Pfalz (PER). Bei einer Pressekonferenz Mitte März hatten sie und die Stadt das Live-Kochen als eine Attraktion hervorgehoben, "mehr Besucher zum Verweilen in der gesamten Innenstadt zu bringen."

Inzwischen gesteht Furlan ein, dass sie zu naiv an das Projekt herangegangen sei: "So viel Aufwand kam überraschend." Das Gemüse zuhause schnibbeln, in einer Kühlbox transportieren, das aufwendige Kochen - all das lohne nicht. "Wir haben immer betont, dass wir Hilfe benötigen, dass es nur eine Probe ist und wir ein Versuchsstadium brauchen, um Erfahrungen zu sammeln", schildert Furlan. Die ist nun vorbei. Ohne Stauraum für das Gemüse, ohne Kühlmöglichkeit gehe es nicht, man brauche am besten einen Verkaufswagen oder einen Kooperationspartner, wolle nicht weiter Verlust machen. Auch müsse man das Konzept überdenken, der Start sei ein "Schnellschuss gewesen": Morgens um acht Uhr hätte etwa noch niemand Interesse an einem Mittagessen, da müsse ein Frühstück her. Furlan: "Massive Werbung wäre auch nötig, um vor allem Problemgruppen auf uns aufmerksam zu machen. Das macht aber unter den derzeitigen Bedingungen keinen Sinn."

Die Stadt zeigt sich auf Merkur-Anfrage zurückhaltend, ob sie das neue Live-Koch-Angebot auch ohne Furlan aufrechterhält. Sprecher Heinz Braun erklärt, dass man sich "bemühe und den Markt weiter attraktiv halten" wolle - auch ohne Live-Kochen. Solange ausreichend Platz da sei, könne Ursula Furlan selbstredend zurückkehren. Weil man die Standbetreiber gleich behandeln müsse, könne man ihr aber nicht helfen und etwa einen Wagen zur Verfügung stellen. Ansonsten halte er fünf Samstage - bei zudem teils schlechtem Wetter - aber auch für nicht ausreichend, um das Live-Kochen als Fehlschlag zu bewerten. Denn: "Bei Marktbeschickern und -besuchern registrieren wir, dass der neue Markt ankommt", sagt Braun. So sieht das auch die PER. Geschäftsführerin Susanne Schweren betont, dass jede neue Attraktion Zeit brauche. Außerdem prüfe das Zweibrücker Marktbüro auf ihr Einschreiten, ob und wie das Live-Kochen als Attraktion erhalten werden kann. Es sei auf der anderen Seite aber nur einer von mehreren Bestandteilen der Genießerzone, relativiert Schweren.

Vom Wirtschaftsministerium, das die Innenstadtmoderation aus Steuergeldern bezahlt, war gestern zu der Entwicklung keine Stellungnahme zu erhalten. Eine Sprecherin führte die Aktuelle Stunde zum Thema Nürburgring als Grund für das Schweigen an.