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Linke findet Ablehnung von Gender-Sternchen durch CDU Zweibrücken reaktionär

Neuer Vorschlag in Zweibrücker Debatte um Gender-Sprache : Linken-Vorsitzende plädiert für „Rosenkönig:in“

Adriana Storero kritisiert CDU-Kampf gegen Gender-Sprache in der Stadt als ideologisch bedingt und rückwärtsgewandt.

Die CDU-Fraktion hat beantragt, dass in allen Zweibrücker städtischen Einrichtungen keine „grammatikalisch falsche Gender-Sprache“ mehr verwendet wird (wir berichteten). Gemeint sind Worte wie „Ingenieur*innen“ oder „Ingenieur:innen“ (die mit Mini-Pause ausgesprochen werden und in kurzer Form deutlich machen, dass Männer, Frauen und andersgeschlechtliche Menschen gemeint sind). Die Zweibrücker Linken-Parteivorsitzende Adriana Storero kritisiert nun, der CDU gehe es nicht nur um „vorgeschobene“ korrekte Rechtschreibung, sondern auch um Inhalte. Die Ablehnung sei vor allem ideologisch bedingt. Bei Gender-Sternchen oder -Doppelpunkt gehe es „um Akzeptanz und die Sichtbarkeit, um Diversität und die Auflösung des rein binären Denkens in dem klassischen Männer-Frauen-Geschlechterbild“. Es habe auch praktische Folgen, wenn sprachlich noch immer Männer mit prestigeträchtigen Jobs in Verbindung gebracht werden: „Sekretärin geht leichter von der Zunge als Anwältin, ein Sekretär ist allenfalls ein Möbelstück. Ein antrainiertes Denkmuster aus der Hausfrau-und-Mutter-Zeit. Nicht jedem ist an der Auflösung dieses reaktionären Schubladendenkens gelegen.“

Traditionen brechen will die Linken-Chefin auch beim Amt der Zweibrücker Rosenkönigin: „Man hört schon den Aufschrei, es sei doch Tradition! Doch gerade dann lohnt sich ein genaues Hinschauen, denn ein Sprichwort sagt, nutze vom Alten, was du kannst, während du das Neue schaffst. Ein lebendiges Wertesystem wird upgedated und lässt Wachstum und Veränderung zu.“ Was sei die Aufgabe der Rosenkönigin? „Natürlich Repräsentanz, Lächeln und Winken in Form einer optisch ansprechenden, jungen Frau. Also im Endeffekt eine Miss-Wahl“, mokiert sich Storero. Man könne fragen, ob das noch zeitgemäß ist. „Falls die Antwort im Sinne der Tradition positiv ausfällt, sollte im Sinne der Chancengleichheit die Funktion zukünftig auch als Rosenkönig:in ausgeschrieben werden“, schlägt Storero vor.

Als der Merkur 2014 „provokativ-scherzhaft“ gefragt habe, ob nicht auch Männer Rosenkönig werden dürfen, „wurde eher verwirrt auf eine gewisse Präferenz für das weibliche Geschlecht verwiesen“. Wem aber der geschlechtsneutrale Vorschlag „verwirrend, wenn nicht sogar absurd erscheint“, solle sein „Frauenbild vielleicht nochmal überdenken“.