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Lesung: Liebe und Widerstand im Dritten Reich

Lesung : Liebe und Widerstand im Dritten Reich

(nlg) Mucksmäuschenstill war es am Montagabend im Herzogsaal, und das, obwohl knapp 90 Menschen darin Platz genommen hatten. Sie alle waren der Einladung der Stadtbücherei Zweibrücken gefolgt. Zu Gast war der gebürtige Zweibrücker und in Berlin wohnende Schriftsteller Norman Ohler, der zur Vorstellung seines neuesten Buches „Harro & Libertas“ gekommen war.

Ohlers Bücher sind international erfolgreich. So wurde das letzte Werk „Der totale Rausch“ in 31 Sprachen übersetzt. Neben zahlreichen literarischen Auszeichnungen erhielt Norman Ohler am Sonntag zudem den Pfalzpreis für Literatur. Vor der Lesung durfte sich Ohler ins Goldene Buch der Stadt eintragen (wir berichteten), in dem sich vor einiger Zeit bereits sein Vater Wolfgang verewigt hatte.

Anschließend konnte Norman Ohler mit seiner Lesung aus „Harro & Libertas“ beginnen. Bei dem Werk handelt es sich um ein erzählendes Sachbuch, das sich mit dem Liebes- und späteren Ehepaar Harro Schulzen-Boysen und Libertas Haas-Heye auseinandersetzt, das bis zur Entdeckung der Gruppe – von der Gestapo „Rote Kapelle“ genannt – im Sommer 1942 insgesamt 150 meist junge, häufig künstlerisch veranlagte Menschen vereint.

Unterstützung für jüdische Freunde, geheim verbreitete Flugschriften, eine spektakuläre Zettelklebeaktion im Herzen Berlins sowie die Weitergabe militärischer Informationen aus Harros Dienststelle, dem Reichsluftfahrtministerium, an die Alliierten gehören zu ihren zahlreichen, brandgefährlichen Aktionen. Gleichzeitig leben Libertas und Harro einen offenen Liebes- und Lebensstil und weigern sich, ihre Freiheiten, auch was das intime Zusammenleben betrifft, der rigiden NS-Moral unterzuordnen. Es ist der Widerstand der Berliner Bohème, wie das Buch verrät. Und sogleich die Hoffnung auf größere Bekanntmachung zweier Widerstandskämpfer, die bislang kaum bekannt sind.

Norman Ohler begann allerdings mit einer Stelle, die er sonst nicht vorliest: dem Prolog. Denn dieser bezieht sich auf seine Heimatstadt: Zweibrücken. Und auf eine ganz persönliche Stelle, nämlich ein Gespräch mit seinem Großvater. „Ich bilde mir heute ein, dass dieses Gespräch mit meinem Großvater der Auslöser war, dass ich aktiv zum Schreiben kam“, erklärte Norman Ohler den Zuhörern. Überhaupt machte die Interaktion mit den Zuhörern den Abend mit aus, denn neben den Textpassagen wurde auch erzählt und sich Zeit genommen, Fragen zu beantworten.