Liebe Grenze!

Ich kann mir denken, dass dir diese Anrede sehr ungewohnt ist: Grenzen werden im Allgemeinen nicht geschätzt, und in vergangenen Zeiten haben sie Nachbarn zu Feinden gemacht. Wir Zweibrücker können davon ein Liedchen singen, denn oft mussten wir unter dir, der nahen Grenze leiden. Manchmal ist man jedoch nur mit deinem Verlauf unzufrieden

Ich kann mir denken, dass dir diese Anrede sehr ungewohnt ist: Grenzen werden im Allgemeinen nicht geschätzt, und in vergangenen Zeiten haben sie Nachbarn zu Feinden gemacht. Wir Zweibrücker können davon ein Liedchen singen, denn oft mussten wir unter dir, der nahen Grenze leiden. Manchmal ist man jedoch nur mit deinem Verlauf unzufrieden. So feiern die Kirrberger in diesem Monat eine Grenzkorrektur, die sie 1949 wieder dem Saarland angegliedert hat, das damals allerdings Saargebiet hieß. Das war kein schlechter Tausch, denn den "Speckfranzosen" an der Saar, wie sie auch genannt wurden, ging es nach dem verlorenen Krieg zunächst besser als den Menschen auf der pfälzischen Seite der Grenze. Die Kirrberger sind an wandernde Grenzen gewöhnt. Als der Fürst von Nassau-Saarbrücken 1756 seinen Homburger Besitz dem Herzog von Zweibrücken verkaufte, da wurden auch die Kirrberger pfälzisch. Als dann 1918 in Rheinbayern zwölf Landkommissariate gebildet wurden, hat man Kirrberg dem Kreis Homburg zugeschlagen. Aus unerfindlichen Gründen wechselte der Ort dann im 20. Jahrhundert zunächst wieder die Grenze Richtung Zweibrücken, um dann 1949 zurückzukehren und 1974 nach Homburg eingegliedert zu werden. 0Wir Zweibrücker haben deshalb keinen Aufstand gemacht. Uns war viel wichtiger, dass 1957 die Zöllner in Einöd abzogen. Wer denkt heute noch daran, dass es bis dahin eine streng kontrollierte Grenze am Kaplaneihof gegeben hat? Der Archivar