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Leserbrief zum Bismarck-Denkmal in Zweibrücken

Leserbrief : Glanzvolle Historie besser pflegen

Zum Kommentar „Völlig falsches Denkmal im Herz der Stadt“ (PM 22.6.) zum Zweibrücker Bismarck-Denkmal

Ich bin in Zweibrücken geboren, ein Enkel des unvergessenen Oberbürgermeisters Ignaz Roth, war Stadtjugendpfleger von Zweibrücken sowie Geschäftsführer des Arbeiter Samariter Bundes – und lebe jetzt seit etlichen Jahren in Bayern.

Ja, Herr Bismarck gehört sicherlich nicht auf einen Sockel an so prominentem Orte in einer Stadt, die unvergleichliche Verdienste für die deutsche Demokratie hat. Friedrich Schüler war DER Wegbereiter des Hambacher Festes. An diese große demokratische Tradition und sein mutiges Eintreten für die bürgerlichen Freiheiten und eine unabhängige Justiz aber vor allem eine freie Presse hat der ASB in Bubenhausen mit der Namensgebung „Friedrich-Schüler-Haus“ erinnert. Ohne Friedrich Schüler und seine Weggefährten Wirth und Siebenpfeiffer, aber auch den wackeren Zweibrücker Buchdrucker Georg Ritter, der die Kniehebeldruckpresse entwickelte, die große Auflagen in kurzer Zeit ermöglichte und die Flugblätter überhaupt erst möglich machte, wäre die deutsche Geschichte wohl anders verlaufen.

Zweibrücken hat vieles hervorgebracht und offenbar fast alles wieder vergessen! Wer rühmt die Taten von z. B. Dingler, Exter, und all den anderen in Vergessenheit geratenen Denkern, Künstlern und Tüftlern bzw. Ingenieuren, um nur einige Wenige zu nennen?

Wissen wir wirklich noch, dass der stabile Druckkessel, der die Dampfmaschine, Eisenbahn und U-Boote ermöglichte, in Zweibrücken entwickelt wurde oder warum wir z.B. eine Partnerschaft mit Yorktown haben und was der Grund dafür ist? Wissen wir noch warum es eine Hilgard-Schule gab und wer der Namensgeber war?

Zweibrücken hat seine große und glanzvolle Historie ad acta gelegt!! Es hat offenbar seine Leistungen und Beiträge zur Weltgeschichte vergessen, ist kleinmütig und provinziell geworden. Das ist sehr bedauerlich!

Ich würde mir wünschen, die Zweibrücker würden sich ihrer grandiosen geschichtlichen Leistungen und Beiträge bewusst – mit allen Licht- und Schattenseiten (!), die gab es natürlich auch.

Mit diesem Selbstwertgefühl und Selbstverständnis, könnte man mit dem Bismarck-Denkmal sehr entspannt umgehen ... und vielleicht auch die Zukunft anders gestalten.