Lehrmeister Guttenberg

Die Selbstverteidigungsstrategie von Verteidigungsminister zu Guttenberg scheint auch in Zweibrücken Nachahmer zu finden: Zu Vorwürfen erst möglichst wenig sagen, dann abwiegeln, dann nur ausgewählte Journalisten informieren, wenn der Druck zu groß wird

Die Selbstverteidigungsstrategie von Verteidigungsminister zu Guttenberg scheint auch in Zweibrücken Nachahmer zu finden: Zu Vorwürfen erst möglichst wenig sagen, dann abwiegeln, dann nur ausgewählte Journalisten informieren, wenn der Druck zu groß wird. Dabei geht es in Zweibrücken - möglicherweise - sogar um viel Gefährlicheres als Diebstahl geistigen Eigentums: nämlich das Wohlergehen und die Sicherheit von Kindern, und zwar in der protestantischen Kita Ernstweiler. Laut SPD-Stadträtin Sabine Wilhelm und Oberbürgermeister Helmut Reichling gucken dort sogar Stromkabel aus der Wand, wie sie in der Ratssitzung am Mittwochabend mit scharfen Worten anprangerten. Da die Ernstweiler Kirchengemeinde Träger der Kita ist, wollte unsere Zeitung am Donnerstag von Pfarrer Benno Scheidt wissen, wie er die Zustände beurteilt. Doch Scheidt verweigerte die Auskunft - mit Verweis auf ein für den 4. März geplantes Pressegespräch. Dann wurde ihm der Druck aber offenbar doch zu groß - jedenfalls meldete am Freitag der SWR: "Der Träger der protestantischen Kindertagesstätte Ernstweiler wehrt sich gegen Vorwürfe, dass Sicherheitsmängel bestehen. Der Pfarrer der Kirchengemeinde Ernstweiler kündigte aber an, die Vorwürfe von Experten untersuchen zu lassen."Derart scheibchenweise die Öffentlichkeit zu informieren, dürfte nicht gerade zur Beruhigung der Eltern beitragen - unabhängig davon, wie die baulichen Zustände in der Kita wirklich sind. Fragen wirft allerdings nicht nur das Verhalten des Kita-Trägers auf. Denn wenn die Zustände tatsächlich so schlimm sind, wie im Stadtrat beschrieben wurde, ist Gefahr im Verzug - und die städtische Bauaufsicht muss schleunigst vor Ort nach dem Rechten sehen.

Ein Kompliment kann man übrigens der Zweibrücker CDU machen: Während man vielen anderen Rednern im Stadtrat anmerkte, dass gerade Wahlkampf ist, focht sie einen einsamen und unpopulären Kampf für die Interessen von Spielhallenbetreibern - auch wenn man nur den Kopf schütteln kann, warum ausgerechnet Christdemokraten dies tun . . .