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Landtagskandidaten: Aaron Schmidt, die Partei

Serie Landtagskandidaten : Für die Digitalisierung, gegen die AfD

In einer Serie stellt der Pfälzische Merkur die Kandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 47 vor. Heute: Aaron Schmidt, die Partei.

Aaron Schmidt ist bei der Landtagswahl Kandidat der Partei „Die Partei“ für den Wahlkreis Zweibrücken-Land. Gegründet wurde die Partei vom ehemaligen Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, Martin Sonneborn. Kein Wunder also, dass Schmidt am Anfang des Gesprächs erstmal einen kleinen bösen Scherz über den politischen Gegner bringt. Als ihm mitgeteilt wird, dass der Reporter Porträts der Kandidaten der kleineren Parteien schreibt, fragt er: „Waren Sie auch schon bei der SPD?“

Ganz auf Augenhöhe bewegen sich die Satiriker mit den Sozialdemokraten allerdings nicht: Ihr bestes Ergebnis erzielte die Partei bei der letzten Europawahl mit 2,4 Prozent, in Zweibrücken waren es gar 2,8. Dadurch durften Schmidt in den Stadtrat, Sonneborn und der Comedian Nico Semsrott dagegen ins Europaparlament einziehen. Doch das Duo ist gesprengt, seit Sonneborn einen Scherz über Trump machte und dabei das Klischee vom L statt R sprechenden Chinesen benutzte. Semsrott trat aus Protest über diesen „antiasiatischen Rassismus“ aus der Partei aus. Schmidt verurteilt beides: „Was Sonneborn gemacht hat, war relativ dumm. Das, was Semsrott gemacht hat, auch.“

In die Partei ist Schmidt eingetreten, weil er wieder politisch aktiv werden wollte. In jungen Jahren hatte er auch mal ein Jahr den Grünen angehört („eine Jugendsünde“). Mit den „festgefahrenen Standardparteien“ habe er keinen Konsens gefunden. Als eines der Wahlziele nennt Schmidt ein ganz gewöhnliches: „Die Digitalisierung vorantreiben.“

Allerdings sehen bei der Satirepartei die konkreten Pläne zur Umsetzung recht unkonventionell aus: „Jede Schülerin, jeder Schüler sollte einen Overhead-Projektor erhalten.“ Als Maßnahme für jene Menschen, die finanziell unter der Coronakrise leiden, regt Schmidt einen „McHelp“ an, im Sinne des Drive-Ins der bekannten Burgerketten: „Dort kann man hineinfahren und Hilfsgelder abholen – so dass die irgendwann auch mal ankommen.“ Die Idee hat einen ernsten Kern: „Wir leiden alle unter der Pandemie. Aber leider werden bei den Hilfen sehr viele Leute vergessen.“ Ein Seitenhieb auf die Regierungspolitik darf in dem Zusammenhang nicht ausbleiben: „Zum Glück kann die Lufthansa ja noch fliegen.“

Nachdem Schmidt schon gegen die SPD ausgeteilt hat, nimmt er auch die CDU aufs Korn, ohne dabei einen konkreten Namen zu nennen: „In meinem Wahlkreis ist sehr interessant, dass wir Kandidaten haben, die in erster Linie mit ihrer beruflichen Tätigkeit Werbung machen. Aber ein guter Mediziner ist nicht zwangsläufig ein guter Politiker.“ Im Stadtrat habe es die CDU anfangs nicht für nötig gehalten, ihn zu grüßen. Da er ein höflicher Mensch sei, habe er die Christdemokraten dagegen gegrüßt – „und sogar die von der Spaßpartei FDP.“

Wo im politischen Spektrum verortet Schmidt sich? „Ich sage immer wieder: Ich bin in der extremen Mitte. Das ist heute aber auch nicht schwer, da das gesamte Spektrum nach rechts gerückt ist.“ Fest macht er es unter anderem daran: „Wenn irgendwelche Impfschwurbler mit Sternen herumlaufen, auf denen ‚ungeimpft‘ steht, wird das viel zu sehr toleriert – siehe Facebook.“ Sein Kernziel sei, so viele Nichtwähler wie möglich zu bekommen und die AfD so klein wie möglich zu halten. Deren Vertretern habe er schon vor Corona den Handschlag verweigert: „Die haben für mich in keinem demokratischen Parlament irgendetwas verloren.“ Die AfD sei zwar demokratisch gewählt worden, aber das sei die NSdAP auch gewesen. Wenn es den AfD-Wählern nur um Protest ginge, könnten die das auch bei der „Partei“ haben – „ganz ohne Rassismus, Homophobie und Antisemitismus“.