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Landgericht Zweibrücken: Schuldfähigkeit des Angeklagten soll auf den Prüfstand

Vorwurf der Brandstiftung vom Tisch : Schuldfähigkeit des Angeklagten soll auf den Prüfstand

Der Vorwurf der Brandstiftung gegen einen 27-jährigen Zweibrücker ist hingegen seit Montag vom Tisch.

Ist der Angeklagte möglicherweise schuldunfähig? Diese Frage will der St. Ingberter Rechtsanwalt Robert Münch klären lassen, der einen 27-jährige Zweibrücker vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken vertritt. Am Montag, dem nunmehr sechsten Verhandlungstag, stellte der Verteidiger den Antrag auf ein psychiatrisches Gutachten, mit dem kein Geringerer als der renommierte Bremer Hirnforscher Professor Gerhard Roth beauftragt werden soll. Rechtsanwalt Münch begründete seinen Antrag damit, dass sein Mandant an einer offenbar vom Vater geerbten „schizophrenen Grunderkrankung“ leide, die immer wieder zutage trete – belegt durch Aussagen seines Mandanten wie: „Ich hatte Matsch im Kopf“, „Manchmal habe ich einen Filmriss“ und „Ich war paranoid“. Zudem habe der 27-Jährige von „Halluzinationen“ erzählt. So habe er in seiner Wohnung versucht, „mit einem Baseball-Schläger Stimmen, die er gehört haben will, in Schach zu halten“. Auch habe sein Mandant bei allen seinen Taten unter Drogeneinfluss gestanden.

Über die Notwendigkeit eines solchen psychiatrischen Gutachtens will die Strafkammer noch entscheiden. Auch darüber, ob ein von Rechtsanwalt Münch ebenfalls beantragtes sogenanntes Wahrnehmungsgutachten veranlasst wird. Diese Expertise soll untersuchen, ob der 27-Jährige bei der Verfolgungsfahrt, die er sich am 24. Juni 2020 mit der Polizei geliefert hatte, „wegen seines Tunnelblicks“ (Münch) überhaupt in der Lage gewesen war, zu erkennen, ob er während der wilden Hatz quer durch den Zweibrücker Stadtteil Ernstweiler zum Beispiel mit einem sein Auto verfolgenden Streifenwagen kollidieren könnte.

Entschieden hat die Kammer indes am Montag bereits über einen Antrag des Verteidigers zur Vernehmung eines weiteren Zeugen, der – wie erst jetzt herauskam – kurz vor Beginn der Verfolgungsfahrt gemeinsam mit dem 27-Jährigen in dessen Auto gesessen haben soll. Der Angeklagte will nach eigener Aussage mit diesem „Kollegen“ gerade von Neunkirchen zurückgekehrt sein, wo die beiden jungen Männer „Koks“ (pulverisiertes Kokain) gekauft hätten. Er räumte er am Montag zudem ein, dann auf dem Einkaufsmarkt-Parkplatz in der Homburger Straße, dem Ausgangspunkt der Verfolgungsfahrt, mit seinem „Kollegen“ die Droge konsumiert zu haben. Schließlich sei sein „Kollege“ ausgestiegen, um in der Nähe Amphetamin zu kaufen, wie er berichtete. Als der 27-Jährige einer Polizeistreife gewahr wurde, die auf den Parkplatz rollte, habe er Angst bekommen („Ich hatte Verfolgungswahn“) und sei einfach losgerast.

Staatsanwalt Patrick Langendörfer hatte dem jungen Mann zu Prozessbeginn eine ganze Reihe von Straftaten vorgeworfen – unter anderem Autodiebstahl, diverse Einbrüche, mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis, Fahrerflucht und den Besitz von Betäubungsmitteln (wir berichteten). Der Vorwurf der Brandstiftung ist jedoch seit Montag vom Tisch – und damit der Antrag von Rechtsanwalt Münch, ein entsprechendes Gutachten einzuholen. Es sollte klären, ob der 27-Jährige einen in der Nacht zum 24. Mai 2020 in Contwig gestohlenen Kleinwagen später am Beckerswäldchen in Zweibrücken selbst angesteckt haben oder das Feuer durch einen technischen Defekt an dem während der Irrfahrt stark ramponierten Fahrzeug ausgelöst worden sein könnte. Der betrunkene 27-Jährige war mit dem geklauten Kleinwagen unter anderem in Rieschweiler-Mühlbach an zwei Hauswänden entlanggeschrammt, „Das Auto ist auch gar nicht mehr vorhanden“, sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas und stellte das Verfahren wegen Brandstiftung ein.

Aber es bleiben ja noch genügend andere Tatvorwürfe.

Die Verhandlung wird am 3. und 15. März, 9 Uhr, fortgesetzt.