Prozessauftakt im Landgericht Zweibrücken Blutiger Überfall auf Syrer und Klautour im Outlet

Zweibrücken · Ein Pirmasenser Marokkaner ist wegen diverser Taten – unter anderem schwerer Raub – am Landgericht Zweibrücken angeklagt.

Einer der Tatorte – für  Diebstähle – war das Zweibrücken Fashion Outlet.

Einer der Tatorte – für Diebstähle – war das Zweibrücken Fashion Outlet.

Foto: dpa/Oliver Dietze

Es kann wohl nur schlimmer werden. Seit Montag steht ein 26-jähriger, in Pirmasens lebender Marokkaner wegen einer Latte mutmaßlicher Taten – unter anderem schwerer Raub – vor der Sechsten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken. Wegen seiner Beteiligung an diesem Verbrechen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, in Tatmehrheit mit Diebstahl war ein mit ihm befreundeter Landsmann kürzlich zu fünf Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden (wir berichteten). Gemeinsam mit ihm und zwei weiteren, bislang unbekannten Männern hatte der nun Angeklagte am späten Abend des 20. Juli 2023 in der Pirmasenser Luisenstraße einen Syrer mit einer Art Machete auf den Kopf geschlagen, mit einem Revolver bedroht und um dessen Handy und Geld erleichtert. Es war derselbe Mann, mit dem er nur tags darauf in einem geklauten Auto zum Zweibrücker Fashion Outlet gefahren war, um dort Edel-Klamotten zu stehlen – wohl nach dem Motto: Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ohne das Urteil vorwegnehmen zu wollen, dürfte bereits jetzt wahrscheinlich sein: Seine Strafe wird höher ausfallen als die über seinen Landsmann verhängte. Denn Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann legte dem 26-jährigen Angeklagten nicht „nur“ dessen aktives Mitwirken an jenem blutigen Überfall auf den Syrer und bei der Outlet-Klautour zur Last. Sie warf ihm drei weitere, teils schwere Diebstähle vor. So sollen er und ein anderer Landsmann am 26. Juni 2023 in einem Lebensmittel-Discounter eine Schachtel Zigaretten eingesteckt und versucht haben, sie in der Hosentasche an der Kasse vorbei zu schmuggeln. Das Duo wurde allerdings von den Laden-Detektiven über eine Video-Kamera beobachtet und gestellt. Im Büro des Wachpersonals soll der Marokkaner laut übereinstimmenden Zeugenaussagen dann ausgerastet sein, seinen Kopf mehrmals gegen einen Spiegel und einen Schrank geschlagen haben. Mehr noch: Einem der drei anwesenden Sicherheitsleute soll er unvermittelt so heftig getreten haben, dass dessen Kniescheibe brach und der Angestellte danach mehrere Tage im Krankenhaus verbringen, dort behandelt werden und sich später eine Zeit lang unter heftigen Schmerzen auf Krücken stützen musste. Auch ein Klappmesser war bei den Zigaretten-Dieben gefunden worden.

Am 13. September 2023 soll der 26-Jährige auf dem Pirmasenser Exerzierplatz mit einer Machete wild um sich geschlagen und dabei mehreren Menschen teils tiefe Schnittwunden zugefügt haben. Am 9. Oktober war der junge Mann in der Pirmasenser Schlossstraße von einer Polizeistreife kontrolliert und dabei mit immerhin 0,6 Gramm der synthetischen Droge Amphetamin erwischt worden. Im Zeitraum 28. August 2022 bis 3. Januar 2023 soll er seine Freundin, die in der Pirmasenser Schlossstraße wohnt, mehrmals ins Gesicht geschlagen, an den Haaren gezogen und, wie es in der Anklageschrift weiter hieß, „eine brennende Zigarette auf den Oberschenkel gedrückt“ und damit eine Brandverletzung verursacht sowie der jungen Frau gedroht haben: „Ich bringe dich um!“

Damit nicht genug: Die Oberstaatsanwältin warf dem 26-Jährigen zudem vor, am 10. September 2023 versucht zu haben, bei einem Überfall auf eine Tankstelle im hessischen Hanau mit vorgehaltenem Pfefferspray Geld zu erbeuten. Doch die mutige Kassiererin vereitelte den Coup, indem sie ihn mit einem beherzten Griff nach der Sprühdose überraschte und in die Flucht schlug.

Schließlich packte die Oberstaatsanwältin dem Angeklagten gleich noch das Berufungsverfahren ein, mit dem der 26-Jährige gegen das am 8. Mai 2023 ergangene Urteil des Amtsgerichts Pirmasens vorgehen wollte, das ihn seinerzeit wegen Drogenbesitzes mit sieben Monaten Gefängnis bestraft hatte.

In einer ersten Erklärung, verlesen von einem seiner beiden Pflichtverteidiger, dem Dietzenbacher Rechtsanwalt Onur Türktorun, räumte der Angeklagte lediglich den missglückten Tankstellen-Überfall ein: Er habe „schnell Geld machen“ wollen, um sich „Kokain besorgen“ zu können, und unter „enormem Suchtdruck“ gehandelt. Es sei „ein dummer Entschluss“ gewesen, für den er sich schäme. Besonders die Tankstellen-Kassiererin täte ihm „sehr leid“, gab der Angeklagte sich reumütig. Was den mutmaßlichen Zigaretten-Diebstahl anbelangt, räumte er zwar ein, an jenem Tag in dem Discounter „mit einem Freund einkaufen“ gewesen zu sein, stritt jedoch seine Beteiligung am Glimmstängel-Klau ab. Er behauptete, von den Laden-Detektiven zu unrecht verdächtigt und sogar von ihnen misshandelt worden zu sein. Und ein Klappmesser habe er nie besessen.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Der Vorsitzende Richter Andreas Herzog hat sieben weitere Prozesstermine bestimmt.

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