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Landgericht Zweibrücken: Prozess um Autodiebstahl und Verfolgungsjagd

Landgericht Zweibrücken : Autodieb-Prozess: Neurologin darf Gutachterin bleiben

Am Mittwoch hat die Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken den Prozess gegen einen 27-jährigen Zweibrücker fortgesetzt, dem die Staatsanwaltschaft eine Reihe von Straftaten vorwirft – darunter Autodiebstahl.

Eigentlich in seiner Schlussphase, kommt der Prozess gegen einen 27-jährigen Zweibrücker nicht richtig voran. Seit Dezember 2020 muss sich der junge Mann vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken wegen mehrerer Delikte verantworten – darunter Autodiebstahl. Beim Hauptverhandlungstermin am 26. April war die weitere Beweisaufnahme vom St. Ingberter Rechtsanwalt Robert Münch, der den 27-Jährigen verteidigt, jäh unterbrochen worden. Er hatte mehrere Befangenheitsanträge gegen die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas und eine Sachverständige von der Saarländischen Klinik für Forensische Psychiatrie in Merzig, die Neurologin Irmgard Bücken, gestellt. Letztlich vergebens (wir berichteten).

Am Mittwoch hat die Strafkammer auch den Antrag des Verteidigers zurückgewiesen, die Sachverständige wegen Befangenheit als psychiatrische Gutachterin abzulehnen. Sein Gesuch hatte der Anwalt unter anderem damit begründet, dass die Neurologin die Patientenakte seines Mandanten aus der Jugendstrafanstalt (JSA) Schifferstadt nicht „beigezogen“ hatte. In Schifferstadt war der 27-Jährige vor einigen Jahren inhaftiert gewesen und auch auf eine mögliche seelische Erkrankung hin untersucht worden. Die Zurückweisung des Antrages des Verteidigers begründete Richterin Thomas mit dem Hinweis auf den Umstand, dass der Angeklagte im Gespräch mit der Sachverständigen eine psychiatrische Behandlung in der JSA Schifferstadt zunächst verschwiegen hatte. Zudem, so die Vorsitzende Richterin in ihrer Begründung, lägen die in Rede stehenden Patientenakten der Strafkammer inzwischen vor. Sie würden nun in die Beurteilung des Angeklagten einbezogen. Zudem habe die Sachverständige, entgegen dem Vorwurf der Verteidigung, nie versucht, den Angeklagten von einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraph 64 des Strafgesetzbuchs zu überzeugen. „Ein solches Insistieren hat nicht vorgelegen, weil die Sachverständige daran gar kein Interesse hat“, stellte Richterin Thomas fest, nachdem die Strafkammer eine weitere Mitarbeiterin der Merziger Klinik dazu gehört hatte. Zum gesundheitlichen Zustand des Angeklagten will das Gericht beim nächsten Verhandlungstermin mehrere Mediziner befragen, die den jungen Mann bislang behandelt hatten.

Rechtsanwalt Münch glaubt, dass sein Mandant an einer „schizophrenen Grunderkrankung“ leidet. Zielrichtung des Verteidigers: die Schuldunfähigkeit des 27-Jährigen zu beweisen. Am 24. Juni 2020 soll sich der Angeklagte unter Alkohol- und Drogeneinfluss eine Verfolgungsjagd mit der Polizei quer durch den Zweibrücker Stadtteil Ernstweiler geliefert haben, um einer drohenden Verkehrskontrolle zu entgehen – ohne eine Fahrerlaubnis zu besitzen. Dabei war er über mehrere Kundenparkplätze gerast, an einem Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn entlanggeschrammt und schließlich von den Beamten mit einem platten Reifen in einer Sackgasse gestellt worden.

Zudem soll er in der Nacht zum 24. Mai 2020 aus einem Contwiger Hinterhof ein Auto geklaut, damit herumgekurvt sein und es dabei demoliert haben. Das Gefährt war später ausgebrannt am Zweibrücker Beckerswäldchen gefunden worden. Weshalb ihm Staatsanwalt Patrick Langendörfer zu Prozessbeginn unter anderem das Herbeiführen eines Verkehrsunfalls, Straßenverkehrsgefährdung zur Verdeckung einer Straftat, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung und Autodiebstahl vorgeworfen hatte.

Fortgesetzt wird die Verhandlung nächsten Dienstag, 18. Mai, um 14 Uhr.