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Landfrauenkreisverband Südwestpfalz

Heiko Hübscher zu Gast beim Landfrauenkreisverband Südwestpfalz : Klein anfangen und dann steigern

Mit umfangreichen Informationen und Erläuterungen an aufschlussreichem Bildmaterial brachte Rosengarten-Leiter Heiko Hübscher den Landfrauen auf Einladung des Kreisverbands Südwestpfalz blühende Stauden für den naturfreundlichen Garten näher.

Was pflanze ich wo, wann und wie? Wie erreiche ich ein möglichst natürliches Aussehen bei größtmöglichem Nutzen für die Natur und die Insektenwelt? Wieviel Aufwand mute ich mir dafür zu? Fragen über Fragen, die sich die Landfrauen vom Kreisverband Südwestpfalz stellten und in einem Online-Seminar kompetent von Heiko Hübscher beantworten ließen. Er ist seit 2011 gärtnerischer Leiter des Zweibrücker Rosengartens, zuständig für Planung und Koordination, Neuanschaffungen und alle Arbeiten wie Bepflanzung und Erhalt. Gut 90 Minuten lang referierte er über „Blühende Stauden für den naturfreundlichen Garten“ und vermittelte dabei konzentriert und zugleich locker gebündeltes Fachwissen. Von der Praxis für die Praxis, wie er an zahlreichen Bildern aus dem Zweibrücker Rosengarten wie auch aus seinem heimischen Garten in Rosenkopf belegte.

„Ich wünsche uns gute Erkenntnisse, damit wir auch im nächsten Jahr schöne, blühende Gärten haben“, gab die Vorsitzende, Beate Schnur aus Bottenbach, den Teilnehmerinnen mit auf den Weg. Die Kunst der Gartengestaltung sieht der Rosengartenmeister unter anderem in der Kunst der Beschränkung, angepasst an die Grundlagen: Standort mit seinen Boden- und Lichtverhältnissen sowie die eigene, vorhandene Freizeit. „Was wächst in der Hitze und kann auch einmal so ein kühles Regenjahr vertragen, wie dieses?“, beantwortete Heiko Hübscher mit Gestaltungsbeispielen aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Im Prinzip sei es leichter, Sandboden „Wasserhalt“ zu geben, als etwa den Lehmboden auf der Sickingerhöhe an seiner Wirkung als „Badewanne“ mit Staunässe zu hindern. Schotter als Untergrund sowie eingearbeiteter Sand helfen.

Zur Ambition warnte er: „500 Quadratmeter Grünfläche auf einmal in ein Blütenmeer verwandeln macht richtig Arbeit.“ Sinnvoller sei es, klein anzufangen und die Fläche jedes Jahr zu steigern. Während im Hanggarten Wasser von selbst abläuft, sei ein guter Wasserabzug bei Sonnenstauden in der Ebene ganz wichtig. Je dichter der Boden bedeckt ist, desto besser hält er die Feuchtigkeit und verhindert die Ansiedlung schnell wachsender Wiesenkräuter – Stichwort Unkraut. Deshalb lohnt sich eine genaue Gartenplanung, um zu jeder Jahreszeit einen farbenprächtigen Blühgarten ohne Lücken zu haben. Dies könne auch im Schatten gelingen.

„Zuerst erstelle ich eine Pflanzliste mit allem, was mir gut gefällt“, beschreibt der Gartenexperte. Das Internet oder eine beratungsstarke Gärtnerei helfen dabei, herauszufinden: Was wächst bei mir? Zudem sei wichtig, die Verfügbarkeit der ausgewählten Pflanzen zu prüfen. „Gar nicht viel Arbeit, doch sehr hilfreich bei der Planung“ ist ein „Ereignis-Kalender“: Wann blüht eine Pflanze, wann hat sie nur Blätter und wann ist sie weg und sei es durch den Schnitt? Welche Winterfarbe? Wann zurückschneiden, ohne dass eine Lücke entsteht im Beet? Stauden wollten als Dünger einzig ihren eigenen Rückschnitt. Werden sie zu stark gedüngt, explodierten unter Umständen die falschen Pflanzen.

Für die Farbgestaltung gilt: Wie es eben gefällt. Komplementärfarben, eine Farbfamilie, eine einzige Farbe. Wichtig sei allerdings, mehrere Pflanzen zumindest derselben Farbe in einem Beet zu vereinen, da Insekten an einem Tag nur dieselbe Farbe anfliegen. Ungünstig seien Pflanzen mit wuchernden Ausläufern, die bald alles andere verdrängen, wie etwa Maiglöckchen, oder mit einer sehr starken Aussaat, die regelmäßiges Jäten erfordere.

Eine durchstrukturierte Bedarfsplanung lässt die Gartenanlage vorher preislich genau kalkulieren. Während sie mit 25 Thymian-Pflanzen pro Quadratmeter sehr teuer wird, genügen von anderen Sorten bereits zwei bis drei Pflanzen, um denselben Boden deckenden Effekt zu erzielen.

Heiko Hübscher erinnert in seinem ausführlichen Vortrag daran, dass der Boden ein „Allesfresser“ sei, der ebenso alles braucht, wie die Pflanze. Vegane Düngemittel hält er entsprechend für „Unsinn“. Besser sei natürlicher Bodenaktivator, der aus Resten vom Boden hergestellt und diesem wieder zugeführt wird. „Einfach drüber streuen nach dem Mähen. Die Natur bringt es dahin, wo sie es braucht:“ Verwendbar sei dieser auch für Gemüsebeete. Im Anschluss beantwortete Heiko Hübscher noch zahlreiche Detailfragen. Die Landfrauen waren begeistert von dem „umfangreichen Vortrag mit vielen wertvollen Informationen über Stauden“.

Heiko Hübschers Lösungsansätze für den Balkon als Nahrung für Bienen, Hummeln und Co.: Blühstauden lassen sich auch auf einem Balkon pflanzen. Allerdings ist der klassische Balkonkasten zu klein. Im Sommer wird er zu warm, im Winter kann die Erde durchfrieren. Selbst auf dem Südbalkon gedeihen grundsätzlich spezieller Salbei und andere, eigens für diesen Zweck gezüchtete Pflanzen wie Veilchen oder Nelken. Besser ist ein großer, 40 Zentimeter im Quadrat messender und hoher Pflanzkübel. Besonders Steingartenstauden für Trockenheit, wie kleine Fetthennen oder großes Schleierkraut, fühlen sich hier wohl.

Termine des Landfrauenkreisverbands Südwestpfalz: 2. Oktober, 10 Uhr, „Social Media Strategie für Frauen“; 16. Oktober, 10 Uhr, „Veranstaltungen kurzweilig und kompetent moderieren“ – beides in der City-Star Jugendherberge Pirmasens. Infos und Anmeldung bei der Kreisgeschäftsstelle unter suedwestpfalz@landfrauen-pfalz.de. Die JuLf (Jungen Landfrauen) wandern am 24. Oktober ab 10 Uhr auf dem Altschlosspfad Eppenbrunn. Anmeldung bei Kerstin Winter juswp@landfrauen-pfalz.de oder Tel. (0 63 35) 73 93.